Burgspektakel Königsfeld
: Mit Superkräften gegen Klugscheißer

Ein Plädoyer für Vielfalt von und mit Marlies Blume beim Burgspektakel Königsfeld. Wegen des Wetters fand der Auftritt im Haus des Gastes statt.
Von
Stephan Hübner
Oberndorf
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Manchmal etwas überkandidelt, aber mit viel Enthusiasmus trat Marlies Blume im Haus des Gastes auf.

Stephan Hübner

Ein ebenso leidenschaftliches wie leicht überkandideltes Plädoyer für Vielfalt und das Entdecken eigener Superkräfte, aber gegen Klugscheißen und alternative Fakten hielt Marlies Blume alias Heike Sauer im Rahmen des Burgspektakels.

Die Kabarettistin musste ihr Programm wegen des Wetters ins Haus des Gastes verlegen, was ihre guten Laune in keinster Weise schmälerte. In mehr als nur einem Hauch von Rosa gekleidet berichtete sie auf herzliche Art von Leuten, die seit Corona daheim warteten bis der Spaß vorbeikomme und warb dafür, auf andere zu- und aus sich herauszugehen, auch wenn man nicht immer gleich wisse, wohin. Sonst drehe man sich nur noch um sich selbst, denn „der Kopf isch halt rund“.

Den Grund darin, dass viele so oft mit ihrem iPhone reden vermutete sie darin, dass das Apple-Gerät Vitamin C enthalte. Mancher habe nicht nur eine eigene Meinung sondern auch eigene Fakten. Aber „wenn du meinst, du hast die Weisheit mit Löffeln gefressen, kann hinten nur ein Klugscheißer rauskommen“. Zwar sei der Analphabetismus zurückgegangen, aber „anal phabetisieren, also Scheiß erzählen“ nehme zu.

„Bruddle bringt nur Falten“

„Bruddle bringt nur Falten ins Gesicht“ mahnte Blume. Manche mutierten dabei vom Schisshase über den Hirsch zum Killerkarnickel, das auf alles draufhaue. Den Griesgramen hielt sie den „rosarot eingefärbten“ Spruch entgegen „Was ich will das man mir tu, das füg ich allen andren zu“. Sie riet auch, sich selbst zu mögen, weil man mit sich die meiste Lebenszeit verbringe. Sonst mache man aus allen Tagen Sabotagen, so Blume zum Vergnügen des Publikums.

Blume war überzeugt, dass in jedem Superkräfte stecken und bewies das auf höchst skurrile Weise, indem sie sich in einer Mischung aus „Carneval in Rio und Dragqueen“ in eine Superheldin verwandelte. „Sie sind da, und sie sind super, so wie sie da sind“ freute sich Blume über die Anwesenheit der Besucher und munterte zur Inkontinenz auf, da Potenziale fließen wollen. „Wenn sie nicht rauslassen, was in ihnen steckt, dann machts keiner, und das wäre ein Verlust für alle.“

Alle gleich – nur ein bisschen anders

Auf kongeniale Weise bewies Blume zeichnerisch, dass aus den gegensätzlichen Positionen Muh und Mäh durchaus etwas Gemeinsames werden kann, wenn man den „Wollebobbel im Inneren“ entwirrt. Wenn man begreife, dass alle gleich seien, nur ein bisschen anders und dass alle in einem Boot säßen, dann spiele man auch nicht mehr Schiffe versenken, so Blume.

Ein weiterer Ratschlag lautete „Wenn du glücklich bist, informier dein Gesicht“. Und der Regenbogenflagge konnte Blume viel abgewinnen, denn „das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt“.

Gespickt war das Programm nicht nur mit aberwitzigen Verkleidungen Blumes sondern auch mit einigen kleineren oder größeren Musikeinlagen, wobei zum Ende hin das Publikum als Chor fungierte. Zur Melodie von „The Lion Sleeps Tonight“ besang Blume einen Bonobo der gerne ein Bonbon haben würde. Die Gäste machten gern mit und belohnten den Auftritt mit viel Applaus und Jubelrufen.

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