Bergstadtsommer in St. Georgen
: Musikalische Reise nach Frankreich eröffnet Festival

Der Bergstadtsommer ist eröffnet. Der Start in der St. Georgener Stadthalle wurde zum „Aufstieg in den Künstlerhimmel“.
Von
Siegfried Kouba
Oberndorf
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Jeder ein Solist, aber gemeinsam erzeugten die Musiker des Eröffnungskonzertes des Bergstadtsommers orchestralen Klang.

Siegfried Kouba

Das Eröffnungskonzert des diesjährigen Bergstadtsommers genoss eine besondere Prägung: Voll besetzt war die Stadthalle, spielfreudig waren Musikerinnen und Musiker, die den „Gradus ad Parnassum“ erreichten, und speziell war das Programm.

Das intensive Rühren der Werbetrommel hatte sich gelohnt. Organisator Karsten Dönneweg konnte ein großes Auditorium zur 18. Auflage willkommen heißen. Was geboten wurde, rangierte auf hoher künstlerischer Ebene. Zum außergewöhnlichen Konzert gratulierte im Namen des Publikums Bürgermeister-Stellvertreterin Hedwig König.

„Boléro“ war der Programmtitel, der Richtung Frankreich wies und dort einen Künstlerrahmen von rund 100 Jahren und eine Kompositionszeit von 1880 bis 1928 umfasste mit klassisch-romantischen Elementen, romantischer Ausstrahlung, individuellen Impressionen und neuartigem Kunstverständnis.

Angesichts der modernen Klangwelt glaubte man bei Maurice Ravels F-Dur-Streichquartett nicht, dass das Werk mehr als hundert Jahre alt ist. Auf hohem Niveau formten Gesa Jenne-Dönneweg und Simone Riniker (Violinen), Ingrid Philippi (Viola) und Karsten Dönneweg (Cello) das viersätzige Werk in trefflichen Tempi – transparent, zupackend, energisch, weichen Klang, Forteexplosionen und das Hauptthema hören lassend.

Streichquartett bietet „Boléro“ dar

Auch die Freunde des Fagotts, das mit Herzenswärme durch Hanno Dönneweg bedient wurde, kamen voll auf ihre Kosten. Einschmeichelnd näselnder Ton, kantable, humorvolle und pastorale Elemente, Ornamentik und einfühlsame Tempobeherrschung überzeugten. In Hsiao-Yen Chen hatte Hanno Dönneweg eine adäquate Begleiterin am Klavier.

Der Fagottist war auch Bearbeiter des berühmten „Boléro“ von Ravel, ausgeführt durch das Streichquartett, Dirk Altmann (Saxofon/Klarinette), Hanno Dönneweg (Fagott), Nozomi Hiwitashi (Percussion) und Hsiao-Yen Chen (Klavier). Erstaunlich waren der orchestrale Klang des Ensembles, die Klangfeinheiten der Bläser, die Erlebnisse mit Rührtrommeln und Marimbaphone und ein gekonntes Crescendo.

Kombination aus Wehmut und Lebensfreude

Bezaubernd war die Solistenparade mit Gesa Jenne-Dönneweg, die Ravels „Tzigane“ leidenschaftlich mit sattem Ton, con fuoco, Arpeggien, Flageoletts, Pizzicati und Verzierungen gestaltete sowie Wehmut und Lebensfreude kombinierte.

Die große Solistengruppe begab sich auf den Weg des „Gradus ad Parnassum“, und die Töne des Flügels ließ Hsiao-Yen Chen schweben, um schwärmerisch-empfindsam Debussys „Clair de lune“ schimmern zu lassen. Ein weiterer Leckerbissen wurde durch Dirk Altmann (Klarinette) und die Pianistin mit der „Première Rhapsodie“ mit Beherrschung der Instrumente, großartiger Interpretationskunst und schillernden Klangfarben serviert. Ohne Stalin-Stiefel erklang heiter der „Waltz Nr. 2“ von Schostakowitsch als Zugabe.

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