Aus Furtwangen nach Shanghai: So bereitet Florian Dorer sich auf die Zimmerer-WM vor

Florian Dorer ist schon gespannt auf die Worldskills in Shanghai. Er nutzt jede freie Minute zur Vorbereitung und zum Training. Bevor die eigentliche Umsetzung des Modells beginnt, wird alles ganz genau aufgezeichnet.
Stadtverwaltung FurtwangenWenn man bei Familie Dorer in Neukirch auf den Dachboden geht, stößt man nicht auf Kisten und Körbe mit diesem und jenem. Vielmehr verbirgt sich hier eine perfekt eingerichtete Werkstatt. Es riecht nach Holz und überall stehen komplizierte Konstruktionen.
Der Grund: Zimmermann Florian Dorer geht hier seiner Leidenschaft nach und trainiert derzeit für die Worldskills in Shanghai. Dabei handelt es sind um den weltweit größten internationalen Berufswettbewerb, bei dem sich junge Menschen aus mehr als 60 Berufssparten messen. Von Dienstag, 22., bis Sonntag, 27. September, wird Florian Dorer einer von ihnen sein.
Er hat schon einige Herausforderungen in seinem Beruf mit Bravour gemeistert. Innungssieger, Kammersieger, Landessieger und dann auch noch die Deutsche Meisterschaft – Florian Dorer ist mit viel Geschick und Leidenschaft bei der Sache.
In seiner Werkstatt baut er derzeit Modelle vergangener Europa- und Weltmeisterschaften nach. Sein jüngstes Projekt, das Schweizer Modell der WM 2024, ist erst kürzlich fertig geworden. 28 Stunden hat er daran gearbeitet.
Erst wird aufgezeichnet, dann gebaut
Im Prinzip ist der Ablauf dabei stets derselbe: Zunächst braucht es eine gewisse Einlesezeit in die Pläne. Sein Augenmerk liegt hier auf den Maßen und Knotenpunkten. Auf einer Fläche von 2,07 auf 2,80 Metern wird schließlich alles aufgezeichnet, bevor die eigentliche Umsetzung des Modells beginnt.
„Ich versuche hier unter möglichst Wettkampfähnlichen Bedingungen zu arbeiten“, erklärt Florian Dorer. Jedes Werkzeug hat seinen festen Platz. Besonders stolz ist er auf seine Handsägen, die es in dieser Form nicht mehr zu kaufen gibt. Und die bald – zusammen mit weiteren Utensilien – eingepackt wird. Denn einen Großteil seines Werkzeugs wird er nach Shanghai mitnehmen.
Schon jetzt ist Florian Dorer gespannt auf das Modell bei den Worldskills. Aus allen Teilnehmerländern wird jeweils ein Vorschlag eingereicht und aus den drei Favoriten- Modellen entsteht am Ende die Wettkampf-Aufgabe.
Teil der Nationalmannschaft
Seit 2024 ist Florian Dorer Mitglied der Zimmerer-Nationalmannschaft. Er trainiert regelmäßig in Biberach und in Kassel und ist froh über die große Unterstützung durch sein Trainer- und Kollegenteam. Ebenfalls dankbar ist der 22-Jährige, dass er von seinem Arbeitgeber, der Zimmerei Fürderer in Titisee-Neustadt, immer Rückhalt erfährt. Und auch seine Familie und seine Freundin stehen hinter ihm und werden ihn im September nach Shanghai begleiten.
Auch das Mentale spielt eine Rolle
Mutter Carmen ist schon sehr gespannt. „Das alles ist sehr aufregend und vergleichbar mit einem Profisportler“, bringt sie es auf den Punkt. Florian Dorer erklärt, dass neben dem handwerklichen Aspekt auch die mentale Stärke eine große Rolle spielt. „Wir haben regelmäßig Mentaltrainings“, so Dorer. „Meine Grundlage für den Wettbewerb ist gut, aber vier Tage lang immer 100 Prozent zu geben, ist nicht ganz einfach. Das ist auch ein wenig ein Glücksspiel, ob es so läuft, wie man möchte“, so Dorer.
Zum Zimmererhandwerk hat Florian Dorer übrigens durch ein Praktikum gefunden. Er sagt: „Wenn junge Menschen noch nicht so genau wissen, was sie machen möchten, empfehle ich auf jeden Fall ein Praktikum. Probiert einfach mal aus, was euch Spaß machen könnte.“
Wie geht’s weiter?
Inzwischen hat Florian Dorer eine Leidenschaft für den Beruf entdeckt. Alleine für die Worldskills rechnet er mit 800 bis 1000 Trainingsstunden in seiner Freizeit. Danach möchte er zunächst „einfach mal nur arbeiten“, sagt er schmunzelnd. Langfristig steht eventuell noch die Meisterschule auf seinem Plan. Aber nun konzentriert er sich erst einmal voll und ganz auf das Abenteuer Shanghai.
Worldskills in Shanghai
Wettkampf
Die Eröffnungsfeier der der Worldskills in Shanghai findet am Dienstag, 22. September, statt. Es folgen vier Wettkampftage, bevor am Sonntag, 27. September, das sogenannte Closing und die Siegerehrung anstehen. Für seine Arbeit vor Ort hat Florian Dorer 22 Stunden Zeit. Während er hierzulande mit Fichtenholz arbeitet, wird in China mongolische Kiefer zur Verfügung gestellt. Insgesamt werden bei den Worldskills 73 Länder mit 64 Gewerken vertreten sein.