20 Jahre Freie Schule in Brigach
: Wie eine neue Schule ihren Weg geht

Mit einem Festakt und einem Einblick in den Schüleralltag feierte die Freie Schule Brigach am Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen.
Von
Stephan Hübner
St. Georgen-Brigach
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Georg Wentz (rechts) übergab an Andreas Knecht ein Schülerfoto von 1968 als Geschenk.

Georg Wentz (rechts) übergab an Andreas Knecht ein Schülerfoto von 1968 als Geschenk.

Stephan Hübner
  • Freie Schule Brigach feierte am Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen.
  • Ein Festakt bot Chorauftritt, Theater und Einblicke in den Schulalltag.
  • Gründung folgte auf das Ende des Grundschulbetriebs 2004, Start war schwierig.
  • Anbau vor sechs Jahren war ein Kraftakt – Finanzierung über Zuschüsse und Engagement.
  • Gäste lobten Demokratie im Schulalltag und das Konzept als Gewinn für die Stadt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schulleiter Andreas Knecht freute sich im Brigachhaus über viele ehemalige Wegbegleiter unter den Gästen. Einen musikalischen Einstieg lieferte der Schulchor mit Popsongs.

Humorvoll war ein Theaterstück von Schülern, die sich auf eine Zeitreise ins Jahr 2006 begaben. Laut Zeitzeugin Petra Rist, war Auslöser für die Idee das Ende des Grundschulbetriebs 2004, worüber einige Brigacher ziemlich sauer waren.

Mit Einwohnern, die sich eine andere Form von Schule wünschten, wurde ein Verein gegründet. Dennoch war der Beginn nicht einfach. Es brauchte ein Gebäude, Lernbegleiter, Familien, Geld und ein Konzept. Die Beteiligten mit einer Vision, viel Mut und Hartnäckigkeit stießen nicht immer auf Zustimmung. Rist erinnerte sich an eine männlich dominierte Gemeinderatsfraktion, die meinte, dass die Mädels von ihren Männern zurückgepfiffen würden, sobald es Geld koste.

Knecht berichtete über Entwicklungen wie Schülerfirmen und den Gebäudeumbau zu einem tollen, offenen Raumkonzept. Lange gab es keine innere Treppe, sodass man das Stockwerk nur durch den Gang ums Haus wechseln konnte, bei Eis und Schnee eine Rutschpartie.

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Anbau ist ein Kraftakt

Ein Kraftakt war der Anbau vor sechs Jahren. Die Schule verfüge nicht über Geld in Hülle und Fülle, sei abhängig von Zuschüssen. Deshalb sei es wichtig, dass sich Leute mit Idealismus und Herzblut engagierten. Schwierig war, dass die Schule zeitweise nur zwölf Schüler beherbergte. Nach ersten super Abschlüssen sprach sich herum, dass das Konzept funktioniert.

„Glückwunsch zu 20 Jahren Ungehorsam.“
Martina Braun
Landtagsabgeordnete

Amüsant sei das von Schülern und Erwachsenen beschlossene riesige Regelwerk zum Betrieb. Das zeige, wie Demokratie funktioniere, dass vieles nicht so einfach sei, man oft am Bürokratieabbau scheitere. Hoffnung und Kraft gäben ihm tolle Persönlichkeiten unter früheren Schülern, die gut im Leben stünden.

Der ehemalige Mitstreiter Robert Springmann spekulierte über Schule in 20 Jahren, Klamotten aus Holzfasern, Nussbäume im einstigen Tannenwald oder weniger Zeit für Dauerberieselung per Handy, dafür mehr Zeit in der Natur. Mehr Schüler aus anderen Ländern brächten dann neue Ideen.

Der Schulchor begrüßte die Gäste musikalisch.

Der Schulchor begrüßte die Gäste musikalisch.

Stephan Hübner

Er habe alles anfangs ein wenig mit Skepsis betrachtet, so Ortsvorsteher Georg Wentz, der einst vor der Freien Schule selbst in Brigach Schüler war. Die Ehrenamtlichen hätten den Umbau des maroden Gebäudes gestemmt, es samt Aufzug barrierefrei und zu einem richtigen Schmuckkästchen gemacht. Als Gastgeschenk hatte er ein Gruppenfoto von Grundschülern aus dem Jahr 1968 dabei.

Bürgermeister-Stellvertreterin Beate Rogers sprach von 20 Jahren gelebter Gemeinschaft mit viel persönlichem Einsatz, Vertrauen und tollem Miteinander. Die kleinste Schule der Stadt sei für diese ein großer Gewinn. Schüler bekämen Raum und Zeit, im eigenen Rhythmus zu lernen. Das Konzept lebe von Menschen, die es mit Herzblut füllten, Wissensvermittler und Mutgeber seien, Schüler mit Feingefühl und Flexibilität zu selbstbewussten, empathischen Menschen machten.

„Glückwunsch zu 20 Jahren Ungehorsam“, sprach die Landtagsabgeordnete Martina Braun aus. Es sei gut gewesen, dass man nicht auf alle gehört habe, in einer Welt, in der Erwachsene oft glaubten zu wissen, was Kinder wann lernen sollten. Von Menschen, die nicht redeten, sondern machten, brauche es mehr, denn oft heiße es: „Das haben wir schon immer oder noch nie so gemacht.“ Die Schule beweise seit 20 Jahren, dass es sich lohne, Dinge zu hinterfragen, denn nicht jede Pflanze wachse gleich, niemand ziehe an einer Karotte, damit sie schneller wachse.

Freiheit bedeute, Verantwortung zu übernehmen, was eine gute Beschreibung von Demokratie sei, so Braun. Den Schülern wünschte sie, neugierig und eigenwillig zu bleiben und zu fragen, ob Dinge vielleicht nicht ganz anders sein könnten.

Die Gäste hatten im Anschluss die Möglichkeit, sich am Buffet und mit Getränken auf Spendenbasis zu verköstigen, einen Einblick in den Schulalltag zu erhalten oder sich über eine Fotowand in die Historie zu vertiefen.