Uhrenstadt Schramberg
: Führung bei Junghans weckt Erinnerungen

Rund 30 Gäste erkunden bei Junghans in Schramberg Produktion, Design und Archiv. Dabei wird klar, warum mechanische Uhren weiterhin gefragt sind.
Von
Karin Zeger
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Ein Blick über die Schulter und mitten drin in der Junghaus-Welt: Bei der exklusiven Leser-Führung hat es spannende Einblicke gegeben.

Rainer Langenbacher

„Da unten war das Hallenbad für die Mitarbeiter. Und wenn es im Rücken wehtat, gab es sogar einen eigenen Betriebsmasseur.“ Die Teilnehmerin der exklusiven Leserführung bei Junghans in Schramberg blickt aus dem Fenster der heutigen Kantine hinunter aufs Gelände. 40 Jahre lang hat sie beim Traditionsunternehmen gearbeitet.

Früher standen in der Geißhalde 107 Gebäude. Viel hat sich seitdem verändert – geblieben ist die Liebe zur Uhr.

Viele Erinnerungen werden an diesem sonnigen Nachmittag wach, als rund 30 Gäste durch Produktion, Designabteilung und Archiv geführt werden.

Ehemalige Mitarbeiter

Geschäftsführer Hannes Steim begrüßt die Gruppe vor dem Terrassenbau-Museum gut gelaunt und nimmt sich Zeit, die Besonderheiten der Schramberger Uhrenfabrik zu erläutern – und zahlreiche Fragen zu beantworten. Unter den Gästen sind nicht nur ehemalige Mitarbeiter und Uhrenfans, sondern auch Geschichtsinteressierte und Menschen mit einem Faible für gute Dinge.

Als kundiger Gastgeber hat Hannes Steim auch Zahlen parat: Knapp 100 Mitarbeiter produzierten im vergangenen Jahr rund 28.000 Uhren in 260 verschiedenen Ausführungen. 70 Prozent der Junghans-Uhren sind mit mechanischen Werken ausgestattet. Die wichtigsten Märkte liegen in Deutschland und Österreich, gefolgt von den USA, Indien und Japan. 60 Prozent der Beschäftigten in der Produktion sind Frauen. Oder, wie Steim es mit einem Augenzwinkern formuliert: „Damen haben einfach mehr Geduld beim Zusammenbauen.“

Stücke zum Vererben

„Alle Junghans-Armbanduhren werden ausnahmslos hier in Schramberg gefertigt“, betont der Geschäftsführer. Das Unternehmen, seit 2009 im Besitz von Hans-Jochem und Hannes Steim, setzt konsequent auf klassische Uhrmacherkunst. „Eine Junghans-Uhr lässt sich vererben, eine Apple Watch eher nicht.“

Anekdoten

Ein besonderes Steckenpferd ist die Individualisierung: Nationale und internationale Unternehmen, Fußballvereine und Sportler lassen bei Junghans zu besonderen Anlässen Kleinserien fertigen und veredeln. Ein wachsender Trend sind Hochzeitsuhren mit persönlicher Gravur. Im Archiv gibt es Raritäten zu entdecken – und die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer geselligen Kaffee-und-Kuchen-Pause in der Kantine führt der Hausherr, der an diesem Tag das neue Modell „Aquaris“ am Handgelenk trägt, die Gruppe ins Terrassenbau-Museum. Dort erzählt er auch Anekdoten über prominente Persönlichkeiten. Eine besonders amüsante: Warum wollte Papst Benedikt XVI. eine Junghans-Uhr, die ihm der CDU-Politiker Volker Kauder nach Rom gebracht hatte, nicht anlegen? Weil er bereits eine am Handgelenk trug.

Die Zeit steht nicht still – erst recht nicht in einer Uhrenfabrik. Deshalb richtet sich der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorn: 2027 feiert Junghans 100 Jahre Armbanduhr. Zeit zum Feiern.

Der Rottweiler mit Biss
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus Rottweil und Umgebung Montag bis Samstag im kompakten Überblick.