Szene 64 in Schramberg: Die Roboter sind nicht das Problem

Vier auf der Bühne, und einer meldet sich zu Wort: pib als vierter Gast im Panel.
Finnern- In Schramberg trafen sich KI-Impact und Make it in Schramberg zu „Humanoide Robotik im Schwarzwald“.
- Drei Perspektiven kamen zusammen – globaler Markt, Hersteller und regionaler Anwender.
- Mario Herger ordnete den Trend ein: beeindruckende Demos, doch Einsatz im Betrieb braucht Zeit.
- fruitcore robotics zeigte PLEXA One auf HORST-Basis mit Rädern für robuste Fabriknutzung.
- Die Simon-Gruppe demonstrierte den offenen Humanoiden „pib“ und plädierte für praxisnahes Lernen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
107 Anmeldungen, ein voller Saal, am Ende nutzten einige Gäste die Stehtische im hinteren Teil, um noch dabei zu sein: Der KI-Impact-Abend „Humanoide Robotik im Schwarzwald" in der Szene 64 in Schramberg hat einen Nerv getroffen. Eingeladen hatten die regionale Initiative KI-Impact und Make it in Schramberg.
Das Format brachte drei Perspektiven in einen Raum, die sonst selten zusammenkommen: den globalen Marktblick, einen Hersteller und einen Anwender aus der Region.
Den globalen Rahmen setzte der Silicon-Valley-Technologieforscher und Buchautor Mario Herger („Homo Syntheticus"). Sein Befund: Humanoide Roboter sind ein globaler Trend, doch zwischen beeindruckender Demonstration und produktivem Einsatz im echten Betrieb liegt noch eine erhebliche Strecke. Wie rasant sich das Feld bewegt, zeigte er am Beispiel des humanoiden Halbmarathons in Peking: 2025 brauchte der schnellste Roboter noch zwei Stunden und 40 Minuten; 2026 lief der Sieger die Strecke in 50 Minuten und 26 Sekunden – schneller als der menschliche Weltrekord.
Faszination ist uralt
Zugleich erinnerte Herger daran, dass die Faszination für künstliche Wesen uralt ist: Schon in der griechischen Mythologie bewachte der bronzene Automat Talos die Insel Kreta – und wurde besiegt, indem die Zauberin Medea den Nagel zog, der seine Lebensflüssigkeit hielt. Der erste „Hack" der Geschichte, lange vor dem Wort Roboter.
Wie nah die Industrie dem produktiven Einsatz inzwischen ist, zeigte fruitcore robotics. Sarah Seufert stellte den Industrial Humanoid PLEXA One vor, der auf den hauseigenen Sechs-Achs-Industrierobotern der HORST-Baureihe aufbaut und bewusst auf Räder statt auf zwei Beine setzt – weil Fabrikböden flach sind und Aufzüge haben. Der Anspruch des Unternehmens passte zur Leitidee des Abends: der Unterschied zwischen einer Demo und einer robusten Lösung, die sich wirtschaftlich rechnet. fruitcore robotics ist eine Ausgründung der HTWG Konstanz und fertigt ihre Robotersysteme „Made in Germany" inzwischen in Villingen-Schwenningen – genau die Wertschöpfung in der Region, die auch Make it in Schramberg halten und anziehen will.
Botschaft aus Aichhalden
Den Praxisblick lieferte die Simon-Gruppe aus Aichhalden. Sie brachte ihren 3D-gedruckten, quelloffenen Humanoiden „pib" mit und führte ihn live vor: Der Roboter erkannte einen Würfel und griff zu, sobald man ihm einen in die Hand legte. Seit rund einem halben Jahr experimentiert das Unternehmen damit. Die Botschaft aus Aichhalden: lieber mit einem einfachen Roboter im Haus Erfahrung sammeln als lange darüber reden. Einen Humanoiden zu integrieren sei ohnehin wie das Einarbeiten neuer Kollegen – man bringe ihm die eigenen Abläufe und Werte von Grund auf bei, statt eine fertige Lösung einzukaufen.
Durch den Abend führte Mark Finnern (KI-Impact), von dem die Idee zur Veranstaltung stammt. Nach einer kurzen Begrüßung durch Felix Greiner von Make it in Schramberg eröffnete er mit dem Kraftwerk-Klassiker „Das Model" auf der Ukulele – ein bewusst analoger Auftakt, bevor die Maschinen das Wort bekamen. Inhaltlich knüpfte er an den US-Ökonomen John Hagel an: Wer Künstliche Intelligenz nur zum Stellenabbau nutze, verfolge eine „Going out of business"-Strategie. Die eigentliche Aufgabe sei, zur lernenden Organisation zu werden – weg von reiner Automatisierung, hin zum Erkunden neuer Möglichkeiten. In kleinen, gemischten Gruppen, die sich ein konkretes Thema vornehmen, gehe es weniger um fertige Antworten als um die richtigen Fragen – und darum, sie mit den heute verfügbaren KI-Werkzeugen anzugehen.
„Global, Hersteller und Anwender in einem Raum – das gibt es fast nie. Genau da entsteht Lernen: nicht gegen die Veränderung anrennen, sondern gemeinsam herausfinden, wie wir die Möglichkeiten nutzen", sagt Mark Finnern.
Science-Fiction zum Leben erweckt
„Der große Zuspruch zeigt, wie wichtig der Austausch über Zukunftstechnologien in unserer Region ist. Genau solche Formate bringen Menschen zusammen, schaffen neue Impulse und machen die Innovationskraft vor Ort sichtbar", sagt Felix Greiner, Projektkoordinator von Make it in Schramberg.
Sylvia Hartmann, die den Abend besucht hatte, fasste es so zusammen: „In der Szene 64 wurde Science-Fiction zum Leben erweckt."
Die Resonanz spricht für eine Fortsetzung: Der Bedarf, lokale Innovationsthemen – derzeit vor allem Künstliche Intelligenz und Automation – gemeinsam und konkret anzugehen, ist in der Region groß.
Die nächste Gelegenheit bietet Make it in Schramberg mit der Veranstaltung „China: Wirtschaft, Politik, Zukunft" am 15. Juli, 18.30 bis 20.30 Uhr, im Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten in Schramberg: Gemeinsam mit Lukas Eggert (Universität Tübingen) werden aktuelle wirtschaftliche und politische Entwicklungen des Landes eingeordnet – für Unternehmen, Märkte und internationale Zusammenarbeit. Anmeldung erforderlich unter E-Mail wirtschaftsfoerderung@schramberg.de.