Schramberger Geschichte: Vom Schilteckhof in die Welt – und wieder zurück

Das Gemälde der Burgruine Schilteck und des Schilteckhofes des Steingutmalers Eugen Reuter (1882 – 1962) zum 65. Geburtstag von Anna Braitsch (1864 – 1948) aus dem Jahr 1929.
Martin Kasenbacher- Wanderung zur Burgruine Schilteck am Sonntag, 23. August, Start 11 Uhr an Sankt-Maria.
- Stadtmuseum führt, Höflevereinigung öffnet den Bergfried und bewirtet die Gäste.
- Anlass ist ein Gemälde von 1929 für Anna Braitsch – Rückkehr nach 80 Jahren in Schramberg.
- Braitsch schrieb Erinnerungen zu Flößerei und Gasthaus „Hammerhäusle“, teils in der Lokalpresse.
- Burgruine ist Kulturdenkmal aus dem 13. Jahrhundert – seit 1938 im Besitz der Stadt Schramberg.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Sonntag, 23. August, lädt das Stadtmuseum im Begleitprogramm seiner diesjährigen Hauptausstellung „Zu Hause in Schramberg – Bürgervereinigungen im Wandel der Zeit“ zu einer Wanderung zur Burgruine Schilteck ein, die seit bald 75 Jahren von der Höflevereinigung Burg Schilteck ehrenamtlich betreut wird.
Die Burgruine ist eine der großen Sehenswürdigkeiten der Fünftälerstadt Schramberg – ein hochrangiges Kulturdenkmal aus dem 13. Jahrhundert mit einem bemerkenswert gut erhaltenen Bergfried aus Buckelquadern der Stauferzeit. Von dort bietet sich ein unvergesslicher Panoramablick über das Schiltachtal.
Erinnerungen
Im Frühjahr bekam das Stadtmuseum ein Gemälde der Burgruine Schilteck und des Schilteckhofes geschenkt, das eine interessante Geschichte hat. Es wurde 1929 von dem Steingutmaler Eugen Reuter (1882–1962) als Geschenk zum 65. Geburtstag von Anna Braitsch (1864–1948) gemalt, deren Familie vom Schilteckhof stammte.
Braitsch erzählte gerne aus der Geschichte ihrer Familie und ihrer Heimat. Im Alter schrieb sie ihre Erinnerungen an die Zeit ihrer Kindheit und Jugend nieder und veröffentlichte sie teilweise auch in der Lokalpresse. Der damals unter dem Namen „Schwarzwälder Post“ erscheinende „Schwarzwälder Bote“ würdigte sie als „seit vielen Jahren treue Mitarbeiterin“.
Das Gemälde war für Anna Braitsch ein wertvolles Erinnerungsstück. Auf der Rückseite schrieb sie deshalb: „Unser Stammhaus, der Schiltecker Hofe“. Zu Weihnachten 1946 schenkte sie es – eineinhalb Jahre vor ihrem Tod – ihrer Tochter Paula Hirschberger (1895–1981). Nach 80 Jahren, in denen das Gemälde nicht mehr in Schramberg war, kehrte es nun in seine Heimat zurück.
Drei Generationen im Familienbesitz
Anna Braitsch war eine Tochter des Schilteckhofbauern, Gastwirtes und Flößermeisters Johannes Nagel (1814–1876) und seiner vierten Ehefrau Magdalena Zehnder (1828–1908). Der Schilteckhof, der bereits im Urbar der Herrschaft Schramberg von 1547/49 erwähnt wird, befand sich über drei Generationen im Besitz ihrer Familie.
Nachdem ihr Vater sich jedoch zunehmend an der Flößerei auf Schiltach und Kinzig beteiligte, entschloss er sich 1843, den Schilteckhof an Matthias Armbruster (1814–1854) zu verkaufen. Stattdessen kaufte er von der Witwe Monika Leutner (1805–1850) das Gasthaus „Hammerhäusle“ im Hof, das er fortan neben der Flößerei zusammen mit seinen vier Ehefrauen betrieb (Höflestraße 2, 1993 abgerissen).
In ihren Erinnerungen beschreibt Braitsch anschaulich die Flößerei und das Gasthaus, das von den Beschäftigten des Hammerwerks und der Steingut- und Porzellanfabrik gerne besucht wurde. Dazu kamen viele Fuhrleute und unzählige Besucher der bedeutenden Jahr- und Viehmärkte in Schramberg. Ihr Urteil über das Gasthaus war eindeutig: „Das Hammerhäusle war eine Goldgrube.“
Im Alter dachte sie wehmütig an ihren „Kinderhimmel“ zurück – ganz besonders an Festtage wie die Kirchweihe und den Nikolaustag.
Illustriertes Buch
In Schramberg geriet die verdienstvolle Erzählerin Anna Braitsch nach ihrem Tod in Vergessenheit. Erst 1985 rief ihr Großneffe Kurt Martin (1925–2006) aus Hockenheim sie wieder in Erinnerung. Er veröffentlichte Auszüge aus ihren Aufzeichnungen in einem Buch mit dem Titel „Geschichten aus dem alten Schramberg“. Das von seiner zweiten Ehefrau Rita Martin (1929–2015) liebevoll illustrierte Buch ist heute eine Kostbarkeit der lokalgeschichtlichen Literatur.
Kurt Martin war ein Urenkel der jüngeren Schwester von Anna Braitsch, Magdalena Leutner (1866–1942), die mit der Familie ihres Sohnes, des Bäckermeisters Gustav Martin (1895–1968) und dessen Ehefrau Magdalena Martin (1897–1980), nach Hockenheim gezogen war. Eine maschinenschriftliche Transkription der Aufzeichnungen wurde zuletzt 2024/25 von Dieter Kohlmann in der Zeitschrift „D’Kräz“ des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg veröffentlicht.
Schön gelegener Hof
Als Eugen Reuter 1929 das Bild zum 65. Geburtstag von Anna Braitsch malte, befand sich der Schilteckhof im Besitz des Landwirtes Thomas Fehrenbacher (1870–1939) und seiner Ehefrau Luise Gebert (1884–1956). Die Burgruine Schilteck gehörte dagegen damals Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg (1870–1956).
Um den Besitz der Burgruine gab es einen langen Konflikt zwischen der Adelsherrschaft und den Hofbesitzern, der 1844 in einem Vergleich beigelegt wurde. Seitdem befand sich die Burgruine im Besitz der Adelsfamilie, die sie schließlich 1938 zusammen mit der Hohenschramberg der Stadt Schramberg schenkte.
In dem schön gelegenen Bauernhof wurde 1962 das beliebte Gasthaus „Schilteckhof“ eröffnet, das bis 2003 von Charlie Horstmann (1952–2022) und seiner Ehefrau Amalia Horstmann mit viel Herzblut geführt wurde. Zusammen mit der Burgruine Schilteck ist der „Schilteckhof“ bis heute das Wahrzeichen des Stadtteils Höfle und eines der schönsten Wanderziele der Fünftälerstadt Schramberg.
Führung mit Museumsleiter
Die Wanderung zur Burgruine Schilteck unter der Führung von Museumsleiter und Stadtarchivar Carsten Kohlmann beginnt am Sonntag um 11 Uhr bei der Sankt-Maria-Kirche. Die Höflevereinigung Burg Schilteck öffnet für die Besucher den Bergfried der Burgruine und bewirtet die Gäste.