Mobilfunkmast in Waldmössingen: Bürgerinitiative: „Schramberg kapituliert vor Telekom“

Unweit der Kastellhalle (auf dem Bild im Vordergrund) will die Telekom einen Mobilfunkmasten aufstellen, der die Mobilfunkversorgung in der Ortsmitte, Esel- und Weiherwasen verbessern soll. (Archivbild)
HerzogDoch statt Dialog erleben die Bürger laut Mitteilung Blockade, Verzögerung und Desinteresse – sowohl vom Ortsvorsteher als auch von der Telekom. Die Frage drängt sich aus deren Sicht auf: „Wer schützt hier eigentlich die Bürger?“.
Die Bürgerinitiative (BI) habe ein unabhängiges Gutachten finanziert, Gespräche geführt und Alternativen geprüft. Ein öffentlich vereidigter Gutachter habe aufgezeigt: Es gebe bessere Standorte als die Kastellhalle – mit mehr Abstand zur Wohnbebauung und besserer Versorgung.
Doch Ortsvorsteher Reiner Ullrich wolle die Vorstellung dieses Gutachtens auf Oktober verschieben. Weil ein Vertreter der Telekom das Gutachten erst „beurteilen“ müsse. Die BI dazu: „Man fragt sich: Wer beurteilt hier eigentlich wen?“.
Gutachten im Ortschaftsrat
Noch absurder sei Folgendes: Die Telekom erhalte eine Bühne im Ortschaftsrat. Die Bürgerinitiative hingegen, die das Gutachten bezahlt habe, solle weder selbst vortragen, noch den Gutachter sprechen lassen. Ullrich wolle das Gutachten lieber selbst präsentieren, so der Vorwurf. Seine Begründung? Die Stadt habe es nicht in Auftrag gegeben. „Was ist das für eine Logik – dass gerade deshalb er es vorstellen will?“, ärgert sich die BI in einer Mitteilung.
Die Telekom behaupte, der Mast müsse nahe am Ort stehen, da die Reichweite begrenzt sei. Fakt sei laut BI: Für den Standort Kastellhalle seien nur Frequenzen bis 2100 MHz beantragt worden – diese deckten mehrere Kilometer ab. Die oft zitierten 3500 MHz würden für städtische Gebiete gelten und seien nicht beantragt worden.
Das Argument der „notwendigen Nähe“ sei falsch. Was zähle, sei das Modell: Je mehr Mobilfunkmasten, desto mehr Verträge. WLAN bringe keine Einnahmen. Deshalb wolle die Telekom möglichst viele Masten – nicht aus Notwendigkeit.
Rolle von „diagnose:funk“
„diagnose:funk“ ist laut BI eine gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherorganisation, die Studien zu elektromagnetischer Strahlung sammelt, auswertet und zugänglich macht. Ihr Ziel ist eine faktenbasierte Diskussion über Mobilfunk und Gesundheit.
„Was daran nicht unabhängig sein soll, bleibt Ullrichs Geheimnis“, so die BI. Umso befremdlicher sei es, dass er stattdessen ein Unternehmen wie die Telekom als neutral und glaubwürdig einstuft – und einem vereidigten Gutachter, der im Übrigen außer „Kontaktschuld“ nichts mit „diagnose:funk“ zu tun habe, die Vorstellung seines Berichts verweigert.
Grenzwerte aus 90ern
Die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung stammten aus den 1990er Jahren und seien seitdem nicht angepasst worden – trotz gestiegener Belastung. Neue Studien zeigten, dass Mobilfunkstrahlung auch unterhalb dieser Grenzwerte biologische Effekte hätten, wie Zellstress, DNA-Veränderungen und ein erhöhtes Krebsrisiko.
WLAN könne jeder selbst wählen, aber wer unter einem Mast lebe, hat keine Wahl. Im Gespräch habe die Telekom sogar angeboten, sich vom Standort Kastellhalle zurückzuziehen – sofern der Ortschaftsrat dies wünsche.
Gleichzeitig werde mit der Drohung gearbeitet, Waldmössingen würde dann bis 2030 leer ausgehen. Dabei liege längst eine neue Anfrage der Telekom für Winzeln vor. Das BI-Gutachten zeige klar: Ein Mast zwischen beiden Orten würde beide optimal versorgen – wirtschaftlich, landschaftlich und gesundheitlich.
Was hier geschehe, sei aus Sicht der Bürgerinitiative Machtmissbrauch. Ein roter Teppich für Telekom-Referenten im Ortschaftsrat sei kein objektiver Dialog, sondern ein Schauspiel zugunsten wirtschaftlicher Interessen.