Erinnerungskultur in Schramberg
: Schramberg bekommt erste Stolpersteine

Am Donnerstag, 15. November, verlegt Gunter Demnig in Schramberg die ersten Stolpersteine für Antonie Schlauder und Otto Abt. Weitere zehn Namen sollen folgen.
Von
Karin Zeger
Schramberg
Jetzt in der App anhören
Die ersten "Stolpersteine" in Schramberg werden von Gunter Demnig selbst verlegt.

Die ersten „Stolpersteine" in Schramberg werden von Gunter Demnig selbst verlegt.

Privat
  • In Schramberg werden am Donnerstag, 15. November, erste Stolpersteine verlegt.
  • Gunter Demnig setzt sie ab 15 Uhr für Antonie Schlauder und Otto Abt.
  • Das Projekt erinnert vor letzten Wohnorten an NS-Verfolgte – individuell statt anonym.
  • Inschriften entstehen mit Angehörigen, Daten fließen in eine Online-Datenbank.
  • Weitere Steine für zwölf namentlich genannte Personen sind im Anschluss geplant.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig erinnern europaweit an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln werden vor den Häusern verlegt, in denen die Opfer zuletzt freiwillig gelebt haben. Mit der Inschrift „Hier wohnte“ geben sie den Verfolgten ihren Namen und einen Platz im öffentlichen Gedenken zurück. Am Donnerstag, 15. November, verlegt der Kölner Künstler die ersten „Stolpersteine“ in Schramberg (ab 15 Uhr).

Das Kunstprojekt setzt auf individuelle Erinnerung statt auf anonymes Gedenken. Die Steine werden von Hand gefertigt, ihre Inschriften in Zusammenarbeit mit Angehörigen, Antragstellern und Archiven abgestimmt. Häufig begleiten Angehörige, Schüler, Vereine und weitere Bürger die Verlegungen mit Gedenkveranstaltungen. Biografien, Daten und Bilder werden zudem in einer Online-Datenbank gesammelt.

Seit Dezember 2014 steht das Projekt unter der Schirmherrschaft der gemeinnützigen Stiftung – Spuren – Gunter Demnig. Sie unterstützt die kontinuierliche Verlegung der „Stolpersteine“ und fördert die Erinnerungsarbeit. Die Kosten von 120 Euro pro Stein in Deutschland decken unter anderem Organisation, Herstellung und Verlegung.

Zahlreiche Auszeichnungen

Gunter Demnig wurde am 27. Oktober 1947 in Berlin geboren. Nach seinem Abitur studierte er Kunstpädagogik und Industrial Design in Berlin sowie später Kunst an der Kunsthochschule Kassel. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigte er sich zunächst mit Installationen, Skulpturen und Kunst im öffentlichen Raum. Ab 1990 widmete sich Demnig zunehmend der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit einer Erinnerungsspur für deportierte Sinti und Roma in Köln legte er den Grundstein für sein bekanntestes Projekt: die Stolpersteine. 1995 verlegte er die ersten 25 Gedenksteine in Köln. Die kleinen Messingtafeln erinnern vor den letzten freiwilligen Wohnorten an Menschen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden.

Kreis Rottweil

Alles Wichtige aus dem Kreis Rottweil.

Zum Whatsapp Kanal

Das Projekt entwickelte sich zu einem europaweiten Kunst- und Erinnerungsdenkmal. Im Dezember 2014 gründete Demnig die gemeinnützige STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig, um die langfristige Fortführung und den Erhalt des Projekts zu sichern. Für sein künstlerisches und gesellschaftliches Engagement erhielt Demnig zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2005 das Bundesverdienstkreuz und 2019 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 2024 wurde er mit dem Arnold-Bode-Preis und dem Karl-Küpper-Preis geehrt. Mit den „Stolpersteinen“ setzt er sich dafür ein, die Namen und Lebensgeschichten der Opfer des Nationalsozialismus sichtbar zu machen und die Erinnerung an sie für kommende Generationen wachzuhalten.

Die Menschen dahinter

Die ersten „Stolpersteine“ in Schramberg erinnern an Antonie Schlauder (1901 bis 1940) in der Hauptstraße 5 und an Otto Abt (1901 bis 1940) in der Kirnbachstraße 32. Im Anschluss sollen „Stolpersteine“ für August Ludwig Ackermann (1896 bis 1983), Wilhelm Armbruster (1906 bis 1940), Charlotte Dreyfuss (1900 bis 1980), Anna Erath (1884 bis 1956), Franz Paul Erath (1913 bis 1940), Maria Keller (1891 bis 1940), Karl Maier (1902 bis 1941), Lambert Sailer (1889 bis 1957), Gertrud Schatz (1905 bis 1940) und Anna Thöni (1915 bis 1940) folgen.

Bis Ende Dezember 2024 waren nach Angaben der Stiftung bereits mehr als 116.000 Stolpersteine in über 1870 Gemeinden in 31 europäischen Ländern verlegt worden. Das Projekt soll auch künftige Generationen dazu anregen, sich mit den Schicksalen der Opfer des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und die Erinnerung an sie wachzuhalten.