Dritter Megatrail in Schramberg
: Starkregen setzt in der Nacht vielen 24- Stunden-Wanderern zu

Jeder durfte mitmachen, beim dritten Megatrail in Schramberg, der von Stadt und Adventure Blackforest ausgerichtet wurde – erstmals auch mit digitaler Zeittafel.
Von
Martina Baumgartner
Oberndorf
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Die 24-Stunden-Wanderer starteten am Samstag ab 14 Uhr am Schramberger Rathaus zur ihrer Tour nach Aichhalden, Alpirsbach, Schiltach, Halbmeil, Lauterbach, Tennenbronn und zurück.

Martina Baumgartner

Zwar waren die Berechtigungen der limitierten 300 Startplätze am Samstag längst vergeben, doch mussten sich die Teilnehmer ab 12 Uhr dennoch beim Stand auf dem Rathausplatz anmelden. „Damit wir wissen, wer unterwegs ist und keinen verlieren“, hieß es bei der Einschreibung.

Geduldig gaben die Helferinnen Startnummern aus und versicherten sich, dass die Outdoor-App mit Streckenführung auf die Mobiltelefone der Wanderer heruntergeladen war. Dann gab’s für jeden noch ein Starterkit mit Trinkbecher, Sonnencreme, Magnesiumration, Leucht- und Stirnband sowie Notfalltelefonnummern.

Danach hieß es auf die Startsignale jeweils für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis bei bestem zunächst Wanderwetter zu warten und die steigende Aufregung im Zaum zu halten. Wer nicht in einer Wandergruppe zum Start gekommen war, fokussierte sich auf die kommende Tour oder suchte sich Mitwanderer: „Wir machen uns keinen Stress“, so Pascale Knödler aus Schiltach im Gespräch mit unserer Redaktion.

Fallback Image SB

Schwarzwälder Bote

Er war bereits zum dritten Mal am Start und lief zum humorvollen Motto „Mit Roger durch die Nacht“, denn er hatte Megatrail-Anfänger und Musikvereinskameraden Roger Gunnarsson mitgebracht.

„Ankommen und ein Bier genießen“ als Ziel

Ankommen und nach dem Zieleinlauf am Sonntagmorgen ein Bier genießen, das wollten die gebürtigen Schramberger Rolf Wetter und Benjamin Feilen aus Aichhalden und Rottweil. Sie hatten in der vergangenen Woche einen 30-Kilometer-Testlauf auf der Alb gemacht: „Und unsere Kondition für ausreichend befunden – da war noch Luft nach oben“, hatte sie festgestellt.

Vorher trainiert

“Das werden wir auf jeden Fall schaffen“, so motivierten sich die Freunde Amos Baum, Luca Meckelburg und Florian Watzel. Sie hatten trainiert und waren die ersten Kilometer der Strecke auch mal bei Nacht gelaufen – zum Ausprobieren. Nicht zu lange Pausen einlegen, damit der Körper nicht in Ruhephase kommt, war ihre Strategie.

Gründlich vorbereitet

Jasmin, Carsten und Sohn Jannis Miklosch hatten sich mit aufsteigenden Distanzmärschen und Nachtwanderungen mit Höhenmetern gründlich auf den Megatrail vorbereitet. Der zehnjährige Jannis wollte bis in den Heimatort Aichhalden mitlaufen, die Eltern dann allein weiterziehen lassen und war wohl der jüngste Teilnehmer des Megatrails. „Das schaffe ich gut“, versicherte er.

Nacht flößt Respekt ein

Die Nacht war offenbar bei fast allen Teilnehmenden die respekteinflößende Größe des Megatrails, mit Dunkelheit, angesagtem Regen, unsicherem Tritt und kühlen Temperaturen. Doch sie hatten vorgesorgt. Die Rucksäcke waren gefüllt mit Stirnlampen, Regenponchos, Wechselshirts, Socken und sogar Schuhen – und dem Wanderfrosch, eine kleine Instagram-Berühmtheit, die bei Stefan von Bismarck in diesem Jahr bereits auf 1500 Kilometer per pedes guckte.

Haftstreifen gegen Blasen

Die meisten Wanderer hatten ihre Wanderschuhe gegen stabile Laufschuhe getauscht und setzten so auf leichteres Gewicht am Bein. Viele Zehen und Fersen waren mit Haftstreifen gegen Blasen geschützt. Manche hatten ihre Autos als private Versorgungsstationen an neuralgischen Positionen, wie beispielsweise auf dem Moosenmättle, geparkt.

Für guten Zweck

Pauline Scharf und Désiree Ebner liefen für einen guten Zweck, den sie mit selbstgebastelter Fahne am Gepäck präsentierten. „Pro Höhenkilometer ein Euro Spende für die Rehaklinik Katharinenhöhe in Schönwald“, war ihr Ziel.

Pauline Scharf und Désiree Ebner

Foto: Baumgartner

Dafür hatten sie bereits vor dem Lauf ein Instagram-Konto namens „82kmin24Stunden“ eröffnet und zu Spenden aufgerufen. „Bis heute haben wir bereits 1500 Euro gesammelt und wollen von unterwegs weiter posten, um auf 4000 Euro zu kommen“, so die Läuferinnen aus Winzeln.

Durch sieben Gemeinden

Moderator Ansgar Hufnagel verkürzte die Wartezeit mit Kurzinterviews, bis Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr die Teilnehmer gemeinsam mit Jonas Fuß von Adventure Blackforest begrüßte: „Sie werden sieben Gemeinden und drei Landkreise“ durchqueren, informierte sie die Wanderer unter anderem und gab den Startschuss mit einer Konfettibombe.

Moderator Ansgar Hufnagel

Foto: Baumgartner

Start ab 14 Uhr

Der größte Pulk der Teilnehmer drängte sich um 14 Uhr durchs Starttor – flankiert und angefeuert von vielen Fans, nahm seinen Weg zum Schloss, wo die Stadtmusik Schramberg mit Märschen und Polkas grüßte. Dann wurden auch schon Höhenmeter in Richtung Aichhalden gemacht, der ersten von insgesamt neun Versorgungsstationen.

Gurken für die Elektrolyte

In Alpirsbach verführte die Versorgungs-Party im Glauner-Bierkeller die Wanderer zum Verweilen. In Schenkenzell gab’s beschriftete Motivationsbananen, Kaffee und einen Schilderspalier mit Chicago-Marathon-Motivationsglocke, bevor‘s mit Stirnlampe in den Wald ging. Und in Schiltach beim Campingplatz-Oktoberfest stärkten sich die Ankommenden mit Kartoffelsuppe und eingelegten Gurken als Elektrolyt-Bomben.

Ab 22 Uhr wird es regnerisch

In Schiltach packten auch die Spendenläuferinnen ihren Regenschutz aus, denn ab circa 22 Uhr wurd‘s regnerisch. Bis dahin hatten sie ihre Spendeneinnahmen via Instagram bereits mehr als verdoppelt.

Timo Wäschle aus Dunningen

Foto: Baumgartner

Große Bewunderung erntete Timo Wäschle aus Dunningen. Der Langdistanzmarathonläufer trabte locker bei Kilometer 33 ein, füllte lediglich seine Getränkeflasche auf und saugte hochkalorische Gelpads aus: „Der Megatrail ist eine nette Trainingseinheit für meinen nächsten Ironman-Lauf in diesem Jahr“, sagte er und verschwand in die Nacht in Richtung Halbmeil.

Einige müssen aufgeben

Ab dort wurd’s ungemütlich für die nächtlichen Wanderer, denn das Wetter machte eine Kehrtwende. Der Regen, der ab 1 Uhr noch stärker wurde, ließen das Gelände schwieriger werden und zwischen 60 und 70 Wanderer aufgeben, schätzte Fuß am Sonntag um 11 Uhr. Der erste Wanderer traf gegen 3 Uhr morgens im Schramberger Ziel ein. Fuß erwartete die letzten Heimkehrer am Sonntagnachmittag zwischen 15 und 16 Uhr.

Info

Neben den Organisatoren
waren rund 50 freiwillige Helfer, private ebenso wie von Sponsoren, Vereinen und Gemeinden, so Jonas Fuß von Adventure Blackforest. Auch die DRK-Ortsvereine aus mehreren Gemeinden und die Bergwacht Rottweil waren mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz. Sie überwachten die gesamte Strecke nach einem ausgeklügelten Präsenzsystem, warteten auf die letzten Wanderer bei den Versorgungsstationen und machten je nach gutem Funkempfang Halt in der Nähe der größeren Wandergruppen. Neben einigen Unterkühlungen hatten sie in dieser Nacht auch eine Sprunggelenksfraktion zu versorgen.

Der Rottweiler mit Biss
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