Bürgervereinigungen in Schramberg
: Die Kunst, Menschen zusammenzubringen

Zwischen gelebter Gemeinschaft und schwieriger Integration: Bei einer Podiumsdiskussion erzählten die Bürgervereinigungen, was ihre Stadt zusammenhält – und wo sie an Grenzen stoßen.
Von
Karin Zeger
Schramberg
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Bei einer Gesprächsrunde wurde nicht nur über Erfolge und Zukunftssorgen gesprochen, sondern auch über die Frage, wie aus Vielfalt echtes Miteinander werden kann.

Rainer Langenbacher
  • Podiumsdiskussion in Schramberg: Bürgervereinigungen berichten über Zusammenhalt und Hürden.
  • Integration bleibt schwierig, Nachwuchs fehlt oft – persönliche Ansprache gilt als wirksam.
  • Social-Media-Präsenz, gemeinsame Erlebnisse und Heimatbezug stärken Vereine.
  • Mehrere Vereine nennen hohe Altersdurchschnitte, teils verdoppelte Mitgliederzahlen.
  • Ideen für Engagement entstehen, etwa Schulprojekte – Liebeserklärungen an die Stadt inklusive.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Eine Lehrstunde für Zusammenhalt, Respekt und ein Schramberger Wir-Gefühl war die Podiumsdiskussion zum Abschluss der Ausstellung „Zu Hause in Schramberg – Bürgervereinigungen im Wandel der Zeit“. Die Vorsitzenden der Bürgervereinigungen (BV) sprachen offen darüber, wie schwierig es ist, andere Kulturen zu integrieren, welches Erfolgsmodell hinter ihrer Vereinsarbeit steckt, und obendrein gab’s noch eine Liebeserklärung an die Heimat.

Kohlmann bezeichnete die gut besuchte Ausstellung rückblickend als „Bewusstseinsschub für die Bedeutung der Bürgervereinigungen“. Seit Mai war sie im Stadtmuseum zu sehen. Die Vereinigungen seien als „Erfolgsrezept“ entstanden und „von Anfang an eine zeitlos gute Idee“ gewesen. Dass diese Idee bis heute trägt, zeigte sich in den ganz unterschiedlichen Geschichten der Vereine.

Den Anfang machte Lore Brantner, die die Hirschbrunnengesellschaft vorstellte. Mit 37 Mitgliedern ist sie die kleinste Bürgervereinigung der Stadt, der Altersdurchschnitt liegt bei mehr als 70 Jahren. Im Mittelpunkt steht das gesellige Miteinander. „Dafür sind wir bekannt“, sagte Lore Brantner. Zu den Veranstaltungen lade man gezielt Gäste ein, auch zum monatlichen Stammtisch. Es gehe darum, Brücken zu bauen, eine lebendige Nachbarschaft zu pflegen und Menschen das Gefühl zu vermitteln: Ich gehöre dazu.

Auf die Frage nach ihren jüngsten Reiseeindrücken aus Tokio und danach, ob es in Japan etwas Vergleichbares wie Bürgervereinigungen gebe, antwortete sie: „Das ist eine ganz andere Welt. Ich bleibe auf jeden Fall Schrambergerin.“ Dafür gab’s Zwischenapplaus.

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Persönliche Einblicke gab's auch von Christoph Stein, Christine Nießen und Sybille Weisser

Persönliche Einblicke gab's auch von Christoph Stein, Christine Nießen und Sybille Weisser (von links).

Rainer Langenbacher

Wie schwierig es sein kann, die nächste Generation für die Vereinsarbeit zu gewinnen, schilderte Frank Günther von der Höflevereinigung. Die Burg Schilteck werde häufig von Kindergärten und Schulen besucht. Die Geschichte sei also durchaus präsent. Trotzdem fehle es an Nachwuchs.

Mitgliederzahl hat sich verdoppelt

Immer wieder versuche man, Menschen aus anderen Kulturkreisen anzusprechen und zum Mitmachen zu bewegen – bislang meist ohne Erfolg. Dennoch blickt Günther zuversichtlich nach vorn. In fünf Jahren steht das 125-jährige Bestehen der Vereinigung an. Mit den rund 70 Mitgliedern wolle man diesen Geburtstag gemeinsam feiern. „Das schaffen wir auf jeden Fall.“

Dass sich eine Vereinigung durchaus dynamisch entwickeln kann, zeigte Jochen Buhr am Beispiel des Freiamts Tös. Seit er 2022 den Vorsitz übernommen hat, hat sich die Mitgliederzahl auf mehr als 80 verdoppelt. Ein wichtiger Baustein des Erfolgs sei die Präsenz in den sozialen Medien. Hinzu kämen Ausflüge in die Heimat und das Bewusstsein für „den eigenen Flecken“. Die Tösfamilie habe sich dadurch gut entwickelt. Doch auch hier gibt es eine Grenze, die sich nicht ohne Weiteres überwinden lässt. Der Zugang zu Zugewanderten sei „wirklich schwer“, berichtete Buhr. „Ein Vereinsleben kennen sie oft nicht.“

Dieser Majolika-Krug schenkte die Spittel-Vereinigung einst dem Stammwirt Franz Reuter (1900 bis 1975). Der seltene Weinkrug hat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin auf einem Flohmarkt in Hardt entdeckt.

Dieser Majolika-Krug schenkte die Spittel-Vereinigung einst dem Stammwirt Franz Reuter (1900 bis 1975). Der seltene Weinkrug hat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin auf einem Flohmarkt in Hardt entdeckt.

Rainer Langenbacher

Rainer Betschner von der Burgstraßen- und Brestenbergvereinigung wollte den Blick über die Migration hinaus weiten. Seine Vereinigung zählt 68 Mitglieder. Das Problem der Mitgliedergewinnung betreffe keineswegs nur Menschen, die neu nach Schramberg kommen. Er kenne viele Bürger, die überhaupt keinem Verein angehörten. Besonders bei jüngeren Menschen beobachte er Schwierigkeiten im persönlichen Umgang. Wer neue Leute kennenlernen wolle, müsse sich auf Begegnungen einlassen. Sein Vorschlag: beim Umgang mit neuer Technik auch einmal Detox betreiben. Die Einladung des Vorsitzenden war unkompliziert: Man solle sich die Bürgervereinigungen „einfach mal anschauen“.

Wie wichtig gemeinsame Erlebnisse sind, betonte auch Sibylle Weißer von der Roßwald Vereinigung mit ihren 125 Mitgliedern. Das Kasperletheater und die Fasnet seien die größten Anziehungspunkte. Ein schönes Beispiel für das Miteinander sei das jüngste Kilbesingen gewesen, an dem 17 Kinder teilnahmen. Als Nächstes stehe ein Hüttenwochenende auf dem Programm. Zwar verliere man viele junge Menschen durch Studium oder Ausbildung aus den Augen. „Aber manche kommen auch zurück“, sagte die stellvertretende Vorsitzende. Ihr Fazit klingt einfach und ist doch entscheidend: „Es braucht Punkte, die zusammenschweißen.“

Renate Much stellte die Festschrift der Falkensteiner zum 120-jährigen Bestehen vor.

Renate Much stellte die Festschrift der Falkensteiner zum 120-jährigen Bestehen vor.

Rainer Langenbacher

Auch Christiane Nießen berichtete aus dem Kirnbachtal von einer „leicht ansteigenden“ Mitgliederzahl im „mittleren Alter“. Wie bei vielen anderen Bürgervereinigungen liegt der Altersdurchschnitt bei rund 70 Jahren. Veranstaltungen seien eine wichtige Möglichkeit, neue Interessenten anzusprechen. Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen bezeichnete auch sie als „Herausforderung“.

Besonders ernüchternd fiel der Erfahrungsbericht von Christoph Stein von der Bürgervereinigung Burg Falkenstein aus (rund 100 Mitglieder). „Die neuen Bewohner nehmen uns gar nicht wahr“, sagte er. Um Neubürger auf die Vereinigung aufmerksam zu machen, habe man vor Kurzem eine Briefkastenaktion gestartet und Informationsmaterial verteilt. Das Ergebnis: „Die Resonanz war gleich null. Sie brauchen uns wohl nicht.“

Von Fußballern inspiriert

Stein: „Wir haben trotzdem ein tolles Vereinsleben und viel Spaß miteinander.“ Für die Mitgliedergewinnung setze man inzwischen wieder stärker auf die persönliche Ansprache, ergänzte Ralf Herrmann, der sich mit Stein den Vorsitz teilt. Ein fester Höhepunkt im Jahreskalender ist das Weihnachtssingen in der Falkensteiner Kapelle am 23. Dezember (18 Uhr). Die Idee habe man sich beim Fußballverein Union Berlin abgeschaut. Auch die Geschichte der Vereinigung spielt eine wichtige Rolle. Das Jubiläum „1000 Jahre Burg Falkenstein“ im Jahr 2030 hat man bereits fest im Blick. Zum 120-jährigen Bestehen der Bürgervereinigung ist zudem druckfrisch eine Festschrift erschienen.

Stein warf die Frage auf, ob Bürgervereinigungen auch in anderen Bereichen aktiv werden könnten. Als Beispiel nannte er die Berneckschule. Dort seien bislang in den Sommerferien immer die Fenster gereinigt worden. Dies sei, seiner Info nach, nun aber Kürzungen zum Opfer gefallen. Vielleicht ein Projekt für bürgerschaftliches Engagement? „Schaut euch doch um, in welch schöner Stadt wir wohnen“, so Stein. „Das sollte auch gepflegt werden.“ Für diese Liebeserklärung an Schramberg und die Heimat gab es herzlichen Applaus.