Blick hinter die Kulissen in Schramberg: Hier wird nichts dem Zufall überlassen

„Das habe ich nicht gewusst!“ Dieser Satz fiel beim Blick hinter die Kulissen der Römer-Apotheke nicht nur einmal.
Rainer Langenbacher- Führung durch die Römer-Apotheke in Schramberg: Einblicke in Lager, Labor und Services.
- 93 Prozent der verordneten Medikamente sind vorrätig – dank digitaler Lagerhaltung.
- E-Rezept auf der Gesundheitskarte verfällt nach vier Wochen und kann dann gelöscht werden.
- Impfungen in der Apotheke: Corona und Grippe schon möglich, Zeckenimpfung voraussichtlich künftig.
- Medikamentencheck wird von der Krankenkasse bezahlt und deckt oft Fehler auf.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Was passiert eigentlich hinter der Ladentheke einer Apotheke? Wie wird entschieden, welche Medikamente vorrätig sind? Was geschieht mit einem abgelaufenen Arzneimittel – und warum kann ein E-Rezept plötzlich nicht mehr gültig sein? Beim „Roten Teppich“ bekamen unsere Leser Antworten auf Fragen, die im Apothekenalltag sonst meist unbeantwortet bleiben.
Aufmerksam lauschten die Gäste Birgitt Mäntele und Doris Pfaff. In zwei Gruppen führten die Eigentümerin der Römer-Apotheken sowie Filialleiterin Doris Pfaff durch die Räumlichkeiten im Medzentrum. Und eines wurde schnell klar: Die Gastgeberinnen waren auf jede Frage vorbereitet.
Überraschende Fakten
Die Themenpalette war entsprechend breit. Nach welchen Kriterien wird das Lager gefüllt? Was schreibt die Arzneimittelverordnung vor – und wo hat der Apotheker eigenen Spielraum? Welche Impfungen sind sinnvoll? Und wohin eigentlich mit Medikamenten, deren Haltbarkeitsdatum überschritten ist?
Birgitt Mäntele und Doris Pfaff erklärten die Abläufe anschaulich und mit vielen Details. Dabei gab es für die Besucher so manchen Aha-Moment.

Unsere Leser entdecken mit Birgitt Mäntele die Welt hinter der Ladentheke.
Rainer Langenbacher„Ich habe nicht gewusst, dass auch ein E-Rezept auf der Gesundheitskarte nach vier Wochen verfällt und es dann entweder in der Apotheke oder beim Arzt gelöscht werden kann“, staunte eine Zuhörerin.
Für Überraschung sorgte auch eine andere Zahl: 93 Prozent der verordneten Medikamente sind in der Römer-Apotheke vorrätig. Dahinter steckt allerdings kein Zufall, sondern eine ausgeklügelte Lagerhaltung und viel Erfahrung.

Im Labor werden Salben selbst hergestellt.
Rainer LangenbacherAuch beim Blick auf die Regale wurde deutlich, dass Apotheke nicht gleich Apotheke ist. Auf der frei zugänglichen Fläche liegen Produkte, die auch in Drogerien verkauft werden dürfen. Hinter der Verkaufstheke befinden sich die apothekenpflichtigen Präparate. Verschreibungspflichtige Medikamente wiederum lagern in einem für Kunden nicht einsehbaren Bereich.
Zecken, Grippe und ein Medikamentencheck
Besonders aufmerksam wurden die Leser beim Thema Impfungen. „Nur 20 Prozent der Baden-Württemberger haben eine FSME-Impfung – und das, obwohl wir hier zum Hochrisikogebiet gehören“, erklärte Birgitt Mäntele. Für viele dürfte deshalb interessant sein, dass künftig voraussichtlich auch Zeckenimpfungen direkt in der Apotheke angeboten werden können. Corona- und Grippeschutzimpfungen sind bereits jetzt möglich.
Ein weiterer Service stieß ebenfalls auf großes Interesse: der Medikamentencheck. Die Leistung wird von der Krankenkasse bezahlt. Dabei überprüft das Apothekenteam unter anderem Dosierungen, Einnahmezeitpunkte, mögliche Wechselwirkungen und Doppeleinnahmen. „Den lasse ich auf jeden Fall demnächst hier machen“, kündigte eine Teilnehmerin spontan an. Dass ein solcher Check sinnvoll sein kann, machte Birgitt Mäntele deutlich: „Wir finden fast immer einen Fehler.“
Chaos? Nur auf den ersten Blick
Danach ging es zum vollautomatisierten Hochlager. Dort staunten die Besucher über die sogenannte „chaotische Lagerhaltung“.
Chaotisch? Keineswegs – zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Denn hinter dem Begriff verbirgt sich ein hochmodernes digitales System. Die Medikamente haben keinen festen Platz nach dem Motto „alles von A bis Z“, sondern werden dort eingelagert, wo gerade Raum ist. Das System weiß trotzdem ganz genau, wo welches Präparat zu finden ist.

Doris Pfaff erläutert geduldig die Besonderheiten einer Apotheke.
Rainer LangenbacherFür die Besucher war das ein faszinierender Blick in einen Bereich, den man im normalen Apothekenbetrieb kaum zu Gesicht bekommt. Noch praktischer wurde es anschließend im Labor. Die Pharmazeutisch-technische Assistentin Rahaf Falaha zeigte, wie in der Apotheke Salben und Cremes produziert werden. Für die Gruppe wurde eigens eine Handcreme hergestellt, die anschließend mit nach Hause genommen werden konnte.
Butterbrezel und Magnesium
Und weil so viel neues Apothekenwissen natürlich durstig macht, wartete zum Abschluss eine kleine Stärkung: Zur Butterbrezel gab es – ganz Apotheken-like – Magnesium zum Trinken.

Auch Blutdruckmessungen gehören zum Service.
Rainer LangenbacherSo endete der „Rote Teppich“ dort, wo ein guter Besuch am liebsten endet: mit vielen neuen Eindrücken, überraschenden Erkenntnissen und dem Gefühl, eine vertraute Welt plötzlich mit ganz anderen Augen zu sehen.