Naturbad Schopfheim?: „Enormer Reinigungsaufwand“

Die Schopfheimer wollen sich von ihrem großen Schwimm- und Mehrzweckbecken im Freibad nicht trennen.
Werner MüllerAm 14. Juli soll in der Gemeinderatssitzung ein Richtungsentscheid für unser Schwimmbad im Oberfeld getroffen werden. Das Schwimmbad soll aus Kostengründen in ein Naturbad umgewandelt werden. Die Vorgehensweise der Stadtverwaltung, die Bürger bei dieser Entscheidung außen vor zu lassen, ist für mich und viele Badegäste ein No-Go. Dass die Bürger dann im Nachgang Vorschläge zum Naturbad einreichen dürfen, widerspricht meinem demokratischen Denken. Dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Die klassische Sanierung wie sie die Verwaltung vorsehen würde, ist keine Option, weil hier die Wasserfläche aus Kostengründen um ein Drittel reduziert würde.
Wer unser Schwimmbad kennt, weiß, wie es an heißen Sommertagen an seine Grenzen stößt. Ein Naturbad hat sicherlich seine Reize, es ist aber nicht jedermanns Sache in einem Teich zu schwimmen. Das Schopfheimer Bad hat eine Vielzahl von Stammgästen mit Saisonkarten, die täglich ihre Runden im Bad drehen. Von 6 bis 9 Uhr sind über 100 Frühschwimmer dort, dann kommen Rentner und Schulklassen und am Nachmittag Familien mit Kindern. Sportveranstaltungen und tägliche Schwimmkurse runden das Ganze ab.
Die Nachfrage bei den Badegästen zur Umgestaltung in ein Naturbad stößt auf Ablehnung. Die Bäder im Umkreis in Riehen, Murg oder Bingen starten Mitte Mai mit etwa 14 Grad Wassertemperatur. Gegen Mitte Juni bei viel Sonnenschein erreichen die Bäder etwa 25 Grad. Bei schlechtem Wetter fällt die Temperatur auf unter 20 Grad. Naturbäder können zwar beheizt werden, wird aber von Fachleuten nicht empfohlen. Ab 26 Grad muss Frischwasser zugeführt werden. Im Naturbad Bingen wird an heißen Tagen die Besucherzahl auf 1800 begrenzt, um das Kippen des Wassers zu verhindern.
„Enormer Reinigungsaufwand“
Der Reinigungsaufwand in einem Naturbad ist enorm und benötigt Personal. Darum öffnen die Bäder auch erst um 9 Uhr oder später. In Baiersbronn (als Referenz angegeben) gibt es an zwei Tagen ein Frühschwimmerangebot. Danach schließt das Bad für die Reinigung und öffnet um 13 Uhr wieder. In Riehen werden vom Bäderteam an warmen Tagen während des laufenden Betriebes ständig die Einstiege und Treppen geschrubbt um Algenbildung und Rutschgefahr zu verhindern.
„Mit Bürgern zusammen eine tragfähige Lösung finden“
Alle Referenz-Bäder, auch das berüchtigte Bad in Herrenberg mit vielen Schließtagen haben im nahen Umfeld klassische Freibäder und Hallenbäder wo die Menschen bei Bedarf ausweichen können. Schopfheim als Mittelzentrum mit mehr als 20 000 Einwohnern hat diesen Luxus nicht. Ich hoffe, dass die Entscheidung am 14. Juli vertagt wird und zusammen mit den Bürgen eine tragfähige Lösung gefunden wird. Für mich ist ein Naturbad nur die zweite Wahl. Ich möchte unser Bad, eines der schönsten Bäder im Umkreis, nicht verlieren.
Maria Brokatzky, Schopfheim