Marode Freibad-Technik
: Ein Naturbad für Schopfheim?

Das Schopfheimer Freibad braucht dringend eine Frischekur. Im Gespräch ist nun der Umbau zum Naturbad. Möglichen Kritikern hält die Stadt eine Menge Vorteile entgegen.
Von
Anja Bertsch
Schopfheim
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Das Schwimmbad im Oberfeld hat sich für sein Alter gut gehalten – muss nun aber dringend saniert werden.

MT-Archiv

Eröffnet im Jahr 1953, hat das Schwimmbad im Oberfeld geschlagene 72 Jahre auf dem Buckel – und auch wenn zwischenzeitlich das ein oder andere an Gebäude und Technik saniert wurde: „Sowohl technisch als auch in seiner Grundsubstanz befindet sich das Schwimmbad in stark sanierungsbedürftigen Zustand“, heißt es in den Unterlagen für den Gemeinderat.

Hoher Wasserverlust

Die größten Sorgen bereitet die veraltete Technik (Wasseraufbereitung, Technikgebäude): Sie sorgt für extrem hohen Wasserverlust, und ein „spontaner Ausfall“ – im Fachjargon „Sudden Death“ – ist jederzeit möglich. Gerade vor zwei Wochen musste das Schwimmbad wegen eines Chlor-Defekts am Sonntagmittag aus dem laufenden Betrieb heraus geschlossen werden. Kein Wunder: Lautete doch schon im Jahr 2017 das Urteil nach einer Bestandsanalyse: Dringendster Handlungsbedarf.

Sanierungsbedarf dringend

An zweiter Stelle in Sachen Dringlichkeit listen die Experten den Beckenbereich (Nichtschwimmer/Schwimmer/Kleinkind). Auch dabei geht es um den Wasserverlust; daneben werden Sicherheitsaspekte wie die Verletzungsgefahr am Beckenrand oder eine für Kleinkinder eigentlich nicht mehr zulässige Wassertiefe angeführt. „Dringend sanierungsbedürftig“, heißt es auch hier.

Zumindest gegenüber den beiden anderen Bereichen kommt das Schwimmbadgebäude vergleichsweise gut weg. Aber auch hier lautete die Diagnose „behandlungsbedürftig“: Innenbecken und Dach undicht, Toiletten und Duschen sanierungsbedürftig, Sozial- und Sanitärbereiche fürs Personal nicht vorhanden.

„Stetig steigende Kosten“

„Die jährlichen Kosten für wiederkehrende Instandhaltungsarbeiten sind durch den baulichen Zustand stetig gestiegen“, hält die Stadt fest, um die Notwendigkeit einer Sanierung weiter zu untermauern. Für 2025 beispielsweise ist ein Verlustausgleich von etwa 650 000 Euro veranschlagt.

Maximal 7 Millionen Euro

Tatsächlich sollte die Sanierung bereits 2020 angegangen werden, kam aus unterschiedlichen Gründen von Corona bis Personalwechsel aber nicht in die Gänge. Nun also ein neuer Anlauf.

Klar abgesteckt ist der Rahmen dabei durch die städtischen Finanzen. Maximal sieben Millionen Euro darf die Sanierung kosten – „andernfalls droht dem Eigenbetrieb Versorgungsbetriebe eine existenzielle finanzielle Schieflage“, macht die Stadt deutlich.

Was unter diesem „festen Kostendach“ möglich ist, haben nun zwei Planungsbüros im Auftrag der Stadt untersucht – mit klarem Ergebnis: Mit einem Naturbad käme die Stadt deutlich günstiger weg – und bekäme für ihr Geld gleichzeitig deutlich mehr „Leistung“, gemessen in Wasserfläche, in Schwimmerbahnen, in naturnaher Optik, oder Einsparung von Strom und Chemikalien.

Entscheidender Faktor ist die „Wasseraufbereitungsform“ – und eben hier setzt sich als Alternative zur bisher obligatorischen „chemisch-technischen“ (Chloranlage) mehr und mehr die „natürliche“ Variante durch: Das Wasser wird eben nicht durch Chemikalien gereinigt, sondern auf natürliche Weise, etwa durch Pflanzen, die Mikroorganismen eliminieren.

Wichtig für Skeptiker, denen da unmittelbar ein schilfig bewachsener, sumpfiger Gartenteich vorm inneren Auge erscheint: In Schopfheim würde die etwa 1100 Quadratmeter große „Retentionsfläche“ von den hergebrachten Schwimmbecken getrennt angelegt.

„Im Beckenbereich selbst befinden sich keine Retentionsflächen oder Bepflanzungen“, heißt es in der Gegenüberstellung der Sanierungsvarianten – die noch keineswegs eine abgeschlossene Planung darstellen, wie die Stadt betont.

Mehr Wasserfläche...

Apropos Becken und Wasser: Die Wasserfläche könnte in der Variante Naturbad von derzeit 1500 auf 2100 Quadratmeter erweitert werden. Für Schwimmer gäbe es weiterhin sechs 50-Meter-Bahnen. Der Bereich des jetzigen Nichtschwimmer-Beckens würde neu gestaltet und um Sprungbecken mit Kletterfelsen und Kinderbereich erweitert.

... für weniger Geld

Ein „Mehr“ an Wasserfläche – das mit einem „Weniger“ an Kosten einhergehen würde, wie die Stadt weiter ausführt: Die Kostenschätzung für die Naturbad-Variante liegt bei etwa vier Millionen Euro. Heißt: Drei Millionen Euro blieben für die notwendigsten Sanierungen am Gebäude und Innenbecken.

Schwimmbahnen verkürzt

Bei einer Sanierung in der hergebrachten Technik müsste die Wasserfläche reduziert reduziert, um den gesetzten Rahmen von sieben Millionen Euro überhaupt zu halten, führt die Stadt weiter aus. Das wiederum ginge im vorgelegten Vorschlag zu einem großen Teil auf Kosten der Schwimmerbahnen, von denen drei auf 25 Meter verkürzt werden könnten. Nicht enthalten sind in dieser Planung der Kleinkindbereich oder eine sonstige Umgestaltung des Nichtschwimmerbereichs – und das, obwohl der gesetzte Kostenrahmen völlig ausgereizt würde.

Teure Technik

Geschuldet ist das zum großen Teil dem Umstand, dass die benötigten technischen Anlagen in dieser Variante deutlich (um mehr als das doppelte) teurer sind, wie sich aus den Unterlagen ergibt. „Die Verwaltung empfiehlt dem Rat, ausschließlich mit der Sanierungsvariante „Naturbad“ in die weiteren Planungen einzusteigen“, heißt es abschließend.

Der Gemeinderat tagt am Montag, 14. Juli, ab 18.30 Uhr in der Stadthalle.

Auf einen Blick