Zeller Schrätteli
: Die wildesten Jungs der Zeller Fasnacht werden 88

Sie klettern auf Häuser und versetzen alle in Angst und Schrecken, haben aber klare Regeln: die Schrätteli. Die älteste Fasnachtsfigur von Zell feiert Geburtstag.
Von
Verena Wehrle
Zell Im Wiesental
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Sie sind wild, aber freundlich - die Zeller Schrätteli feiern Geburtstag.

Gabi Decker

Wer hängt beim Umzug am Laternenpfahl oder auf dem Hausdach? Und wer läuft bei Veranstaltungen auf den Tischen ein? Die Zeller Schrätteli. Gläser festhalten ist dann angesagt. Auch wenn sie einst vielleicht noch wilder waren, dieses Markenzeichen - ihre Wildheit - werde auch weiterhin ausgelebt, sagt Oberschratt Benedikt Debes.

Die älteste Zeller Maskengruppe und auch die Hauptfigur der Zeller Fasnacht feiert nun ihr 88-Jähriges Bestehen. Debes bezeichnet die Gruppe als „Aushängeschild“ der Zeller Fasnacht, ist sie doch auch auf dem Logo der Fastnachtsgesellschaft Zell (FGZ) zu sehen. Und: Die Schrätteli haben so manche Eigenheit, die es sonst nirgendwo gibt.

Immer zu elft und unverheiratet

So müssen die jungen Männer immer zu elft sein und jeder von ihnen muss mindestens 18 Jahre alt sein. Bei maximal Ende 30 ist der Spaß dann aber auch zu Ende. Und noch ein ungeschriebenes Gesetz gilt unter den Aktiven: Sobald einer heiratet oder Nachwuchs bekommt, muss er die Gruppe verlassen.

„Wir sind von Dreikönig bis Aschermittwoch jedes Wochenende unterwegs und an der Hauptfasnacht hocken wir rund um die Uhr aufeinander - das lässt sich dann nicht mehr vereinbaren“, begründet Debes diese Regel, die nach seiner Aussage auch immer eingehalten werde.

Der Schrätteli hängt am Rosenmontagsumzug in Zell gerne mal an einer Laterne und betrachtet das Geschehen von oben.

Foto: Verena Wehrle

Doch woher kommt diese außergewöhnlich Figur eigentlich? Bereits 1937 seien im Präsidium der FGZ erste Ideen zur Gründung einer Maskengruppe aufgekommen. 1938 kam es anlässlich eines Auftritts an der „großen Fasnachtsmatinee“ in Karlsruhe schließlich zur Gründung - damals noch in einem provisorischen Kostüm.

Das Tier, das die Frauen erschrak

Wichtig sei gewesen, dass die Figur zur alemannischen Sagenwelt passte. Und so stellt der Zeller Schrätteli einen Waldgeist dar, der der Sage nach, vor allem Frauen im Schlaf erschienen ist und diese befallen habe.

Erzählt wurde, dass der Schrätteli sich in verschiedene Tiere verwandelt habe, in Hund, Katze, Maus, Güggel oder Geißbock. Um ins Schlafzimmer seiner Opfer zu gelangen, verwandelte er sich in eine Feder, schlüpfte durchs Schlüsselloch und verwandelte sich dann wieder zurück in ein Tier. Die Frauen - von Alpträumen geplagt - seien ab dann mit einem Fluch befallen, heißt es in der Sage.

Die Zeller Schrätteli beim Gruppenbild ohne Maske

Foto: Gabi Decker

Und so gehen auch heute noch die Schrätteli an Fasnacht als drei Geißböcke, drei Katzen, zwei Mäuse, zwei Hunde und als Oberschratt in der Gestalt einer alten Frau, durch die Straßen. Das Kostüm des „Güggels“ ist allerdings abhandengekommen, nur den Kopf kann man noch im Zeller Fasnachtshuus betrachten.

Nur wer 100 Prozent passt, darf dabei sein

Immer zu elft müssen sie also sein – doch was passiert, wenn einer ausscheidet? Dann kommt eine weitere Eigenart zur Mitgliederauswahl zum Tragen, die es so in anderen Vereinen nicht gibt. In der Mai-Sitzung werde sich überlegt, wer zur Gruppe passen könnte. Über die Vorschläge werde dann auch abgestimmt. „Doch wir haben ein absolutes Veto-Recht, wenn einer vehement gegen eine Person ist, hat sie keine Chance“, erklärt Debes. „Das muss 100 Prozent passen.“ Schließlich sei man ständig zusammen.

Wer dabei sein will, brauche vor allem eins: „Spaß an der Fasnacht“.

Der Schrätteli kann auch freundlich - wie hier am Umzug in Zell.

Foto: Verena Wehrle

Wer die Zeller Schrätteli kennt, kennt sie als wild und trinkfest. Doch Oberschratt Benedikt Debes macht im Gespräch klar: „Das ist nicht nur Party, da steckt auch ganz viel Arbeit dahinter.“ Denn die Schrätteli gehören zu keiner Vogtei, sondern seien organisatorisch direkt der FGZ untergeordnet. Und damit müssten sie etwa beim Aufräumen und Abbau bei Veranstaltungen immer zur Stelle sein.

Insgesamt gibt es mittlerweile über 120 ehemalige aktive Mitglieder und unzählige weitere Jungs, die als „Kinderschrätteli“ an der Zeller Fasnacht dabei waren.

Die Schrätteli feiern am Sonntag, 14. Juni, ihr Jubiläumsfest gemeinsam mit Altschratten, Zeller Maskengruppen, Musiken und Fasnächtlern und laden ab 11 Uhr zum Frühschoppen auf den Rümmelisbühl, den Gresger Sportplatz, ein. Es gibt WM-Public-Viewing, kulinarische Köstlichkeiten, Bierbrunnen und Bar, sowie viele weitere Attraktionen.