Windkraft im Wiesental: Windpark Zeller Blauen: Das Warten hat ein Ende

Bürgermeister Peter Palme bei einer Ortsbegehung der Windrad-Standorte am Zeller Blauen vor elf Monaten mit Bürgern aus Pfaffenberg und Adelsberg.
Gerald NillElf Monate lang hatten die Gemeinden auf die Entscheidung aus dem Landratsamt gewartet worden, nachdem die EWS Schönau einen Genehmigungsantrag für neun Windkraftanlagen auf dem Höhenzug des Zeller Blauens eingereicht hatte.
Seit zwei Jahrzehnten
Bürgermeister Peter Palme, bekennender Befürworter der Windkraft, zeigt sich in seinem Statement erleichtert. Er weist darauf hin, dass das Projekt schon seit zwei Jahrzehnten betrieben werde und er das Thema beim Amtsantritt „geerbt“ habe.
„Nach jahrelangen Emotionen, Angriffen und Diskussionen bin ich natürlich erleichtert, sagt Peter Palme auf Anfrage unserer Zeitung. Dem Rathaus-Chef ist wichtig: „Der Gemeinderat hat zum Thema Windkraft immer einstimmig beschlossen.“ Wichtig sei jetzt, auch das Kleingedruckte in den Verträgen zu studieren.
Er erwarte zum Beispiel, dass die Anlagen nur tagsüber unter Volllast laufen dürften und nachts aus Schallschutz-Gründen heruntergefahren werden. „Wir erwarten, dass unsere Einsprüche beachtet werden.“
Palme weiter: „Mein Wunsch ist, dass bei der Zuwegung der Windkraftanlagen auf alle Belange Rücksicht genommen und in der Natur möglichst wenig verändert wird.“ Sein Vorschlag ist, den bestehenden breiten Weg zum Sendemast am Zeller Blauen zu nutzen und von diesem Stichstraßen zu den jeweiligen Standorten anzulegen. Keinesfalls dürfe „eine Autobahn über den Kamm“ angelegt werden. Käsern ist die am härtesten betroffene Ortschaft mit drei projektierten Windkraftanlagen am Zeller Blauen und einem weiteren am Bubshorn.
Erleichterung, dass die Hängepartie nun vorbei ist, herrscht auch bei Bürgermeister Stefan Niefenthaler im Kleinen Wiesental. Die hitzigen Debatten um die Windkraft liegen vor seiner Zeit und betrafen Amtsvorgänger Gerd Schönbett. Heute sagt Niefenthaler, der in Bürchau wohnt: „Ich sehe von meinem Haus vermutlich alle sieben jetzt genehmigten Windräder.“ Aber: „Ich kann damit leben. Für mich sind sie 100 Mal besser als Atomkraftwerke.“
Niefenthaler: Details vorstellen
Der Kleinwiesentäler Bürgermeister wünscht sich, dass das Thema Windkraft in der Gemeinderatssitzung Anfang Oktober nochmals auf die Tagesordnung kommt, damit die Details der Genehmigung vorgestellt werden können. Schon jetzt könne gesagt werden, dass die finanziellen Sorgen der Gemeinde künftig kleiner würden. Die Pacht spült jährlich einen sechsstelligen Betrag in die Gemeinde-Kasse. „Wir können auf jeden Fall sagen, dass wir finanziell unabhängiger werden,“ sagt Niefenthaler abschließend. Was beide Bürgermeister verbindet: Am Tag nach der grundsätzlich befürwortenden Entscheidung des Landratsamts für den Windpark Zeller Blauen kennen sie die Details der Verfügung noch nicht.
Trübsal bei den Anliegern von Käsern
Tiefe Trübsal hingegen bei den Anliegern aus Käsern. Ihre schlimmsten Befürchtungen würden nun Wirklichkeit. Von den sieben genehmigten Anlagen gruppieren sich vier im Halbkreis um den Weiler. Werner Ganter, Ortsvorsteher von Pfaffenberg, hatte noch im Oktober letzten Jahres eine Resolution verfasst, „um den Wildwuchs von bis zu fünf Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe zu Käsern zu verhindern“. Der Ortschaftsrat hatte erklärt: „Durch die halbseitige Einkesselung würde hier eine unzumutbare und unbewohnbare Windkraftbrache entstehen.“
Kein Statement
Ganter war es gelungen, den Zeller Gemeinderat hinter sich zu vereinen, einen Beschluss gegen den Bauantrag der EWS zu erwirken und eine „formelle Verweigerung“ der Zeller Stadtspitze an das Landratsamt zu schicken. Am Dienstagnachmittag war vor Redaktionsschluss weder in Käsern noch in Pfaffenberg eine Stellungnahme zum Genehmigungsbeschluss einzuholen.