Stolpersteine in Hausen: „Zeichen der Erinnerung“

Im Rahmen eines feierlichen Aktes wurden in Hausen am Montag Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Christoph Schennen- In Hausen wurden zwei Stolpersteine für Frieda Blum und Karl Ludwig Bender verlegt.
- Bürgermeister Philipp Lotter betonte ein sichtbares, dauerhaftes Zeichen der Erinnerung.
- Liesa Trefzer erinnerte an ihre Tante Frieda Blum, die in Grafeneck ermordet wurde.
- Ingeborg Teipel schilderte Benders Weg und seine Ermordung am 29. April 1941 in Auschwitz.
- Bürger und Schüler nahmen teil, legten Rosen, Musik und Gedichte rahmten die Gedenkfeier.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bürgermeister Philipp Lotter sprach von einem „besonderen und zugleich bewegenden Moment“ für Hausen. „Mit dem heutigen Tag“, fuhr Lotter fort, „setzen wir hier in der Hebelstraße, auf Höhe der Hausnummern 25 und 27, ein sichtbares und dauerhaftes Zeichen der Erinnerung an zwei Menschen aus unserer Gemeinde, deren Leben durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gewaltsam beendet wurde.“
Ein Gedenkstein wurde gesetzt für Frieda Blum, ein zweiter für Karl Bender. Beide wurden von Frank-Matthias Mann als Vertreter der von Gunter Demnig begründeten Stiftung „Spuren“ auf dem Gehweg vor den früheren Wohnhäusern der Opfer verlegt. Die Verlegung wurde von zahlreichen Bürgern verfolgt.
Erinnerungen an Frieda Blum
Liesa Trefzer erinnerte an ihre Tante Frieda Blum. Kennengelernt hat sie sie nicht. Trefzer ist 1946 geboren, ihre Tante wurde am 26. September 1940 ermordet. Im Keller des Elternhauses indes entdeckte Liesa Trefzer einen hölzernen Reisekoffer mit Behördenbriefen an Johann Friedrich Blum, den Vater von Frieda Blum. Diese geben eine Ahnung von dem Lebensweg der Frau, die infolge einer Hirnhautentzündung seit jungen Jahren geistig beeinträchtigt war und damit nicht in das Menschenbild der Nationalsozialisten passte.

Liesa Trefzer (im Vordergrund) erinnerte in ihrer Rede an das Leben ihrer Tante Frieda Blum.
Christoph SchennenEinige dieser Briefe sind im Hebelhaus ausgestellt. Auch jener Brief, den die Heil- und Pflegeanstalt Prina-Sonnenstein im Oktober 1940 an ihn schickte und mit der Mitteilung, dass seine Tochter Frieda „unerwartet an den Folgen einer Stirnhöhlenvereiterung mit hinzutretender Hirnhautentzündung verstorben ist.“ Günter Krapp habe diese Darstellung als Lüge entlarvt und herausgefunden, dass Frieda Blum nie in der Pflegeanstalt im sächsischen Pirna angekommen, sondern in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurde, berichtete Liesa Trefzer.
„Erinnerungskultur pflegen“
Sie zeigte sich erfreut, dass viele Mitglieder ihrer Familie bei der Stolpersteinverlegung dabei waren. Dass die Familie durch diese Aktion zusammenfinde sei „wunderbar“. „Ich bin froh, dass ich nicht alleine bin mit den Emotionen, die mich beschäftigen.“
Franz Brandl von der Initiative „Stolpersteine Wiesental“, die die Stolpersteinverlegung initiiert und organisiert hat, wies daraufhin, dass ein Großteil der Zeitzeugen inzwischen gestorben sei. „Es ist daher wichtig, dass wir die Erinnerungskultur pflegen und weitergeben.“
In Auschwitz ermordet
Ingeborg Teipel schilderte den Lebensweg von Karl Ludwig Bender, der am 8. September 1902 als Sohn eines Zimmermanns in Hausen geboren wurde. Bender gehörte den Zeugen Jehova an und war als Emigrant auf einer Farm der „Watch Tower Bible and Trust Socoiety“ in Bern tätig, in deren Auftrag er in die Tschechoslowakei und nach Polen reiste, wo er in die Hände der Gestapo geriet. Am 29. April 1941 wurde er in Auschwitz ermordet.

Frank-Matthias Mann verlegte die Stolpersteine als Vertreter der Stiftung "Spuren".
Christoph SchennenElmar Vogt schilderte seine Bemühungen, den Lebensweg von Bender zu rekonstruieren, und berichtete von seinen Recherchen im Gemeindearchiv Hausen, im Staatsarchiv Freiburg und im Bundesarchiv in Koblenz. Er erinnerte an den Satz von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer: „Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“
Von Rosen gerahmt
Nach der Verlegung verlas Frank-Matthias Mann den Text auf dem Stolperstein laut vor und Schüler legten weiße Rosen rund um die Stolpersteine. Musikalisch umrahmt wurde die Verlegung von Cecilia Strouken (Violoncello), Liesa Trefzer las eigene Gedichte vor. Zum Abschluss lud Bürgermeister Philipp Lotter ins Hebelhaus ein, wo sich Teilnehmer stärken und die Ausstellung zu den Stolpersteinen ansehen konnten.