Kommentar zur Bürgermeisterwahl Schopfheim
: Knapper Sieg als Vertrauensbeweis - und Verpflichtung

Der Wahlsieg ist ein Vertrauensbeweis - muss Thomas Kuri aber auch Verpflichtung sein, sein Versprechen umzusetzen: Alle Bürger, und insbesondere seine Nicht-Wähler, ins Boot zu holen.
Von
Anja Bertsch
Schopfheim
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Die Fraktionen im Schopfheimer Ratssaal positionieren sich unterschiedlich zu den Kandidaten.

Das Schopfheimer Rathaus ist ab Januar unter neuer Leitung.

Anja Bertsch
  • Knapper Wahlsieg für Thomas Kuri gilt als Vertrauensbeweis – und als Verpflichtung.
  • Viele wählten ohne klare Überzeugung, die Wahlbeteiligung blieb durch viele Nicht-Wähler niedrig.
  • Amtsinhaber Dirk Harscher konnte den Amtsbonus nicht nutzen, Unzufriedenheit und Kommunikation belasteten.
  • Streitpunkte prägten die Stimmung: Stadtmöblierung, Naturbad, Nahwärme, Baustellen, zuletzt das Wuhr.
  • Kuri profilierte sich als kritischer Gegenentwurf und führte einen strategischen, professionellen Wahlkampf.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Wie hältst Du's mit der Wahl?“ Diese Frage war in den vergangenen Wochen dauerpräsent in Schopfheimer Marktplatz-, Café-, und Ladentheken-Gesprächen. Und selten gab es eine klare Prognose - nicht mit Blick aufs Gesamtergebnis, und oft noch nicht einmal die eigene Wahlentscheidung betreffend. Inhalte hier, Persönlichkeiten da, eine ernstzunehmende Alternative womöglich sogar von jenseits des Schopfheimer Tellerrands nirgends: In dieser Gemengelage trafen viele die Wahl nicht aus voller Überzeugung für einen der beiden Haupt-Kandidaten, sondern aus einem Hin-und-Her heraus - und zu 60 (Nicht-Wähler-) Prozent auch einfach gar nicht. Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch im Wahlergebnis.

Zur Wahrheit gehört: Als Amtsinhaber hatte Dirk Harscher die Pole-Position - und konnte seinen Amtsbonus nicht ausspielen. Wichtiger Faktor war mit Sicherheit die unterschwellige Verdrossenheit, die sich über die vergangenen Jahre aufgebaut hatte. Teils aus allgemeiner Unzufriedenheit der Menschen angesichts schwieriger Umstände insgesamt heraus, teils über konkrete Schopfheimer Entscheidungen, und dies in Kombination mit verfehlter Kommunikation. Paradebeispiel, und dazu im Wahljahr: der missglückte Naturbad-Entscheid. Mit Sicherheit in bester Absicht - aber eben auch mit einem verblüffenden Mangel an Gespür für die Befindlichkeiten der Schopfheimer Bürgerschaft.

Zugleich vermittelte Harscher vielen offenbar nicht das Zutrauen, dass er den nötigen Biss hat: Als Mensch nett und nahbar, als Entscheidungsträger aber womöglich zu wenig klare Linie, zu wenig durchsetzungsstark, zu wenig zupackend.

Thomas Kuri war als Gegenentwurf bereits vor seiner offiziellen Kandidatur präsent: Über Jahre hinweg profilierte er sich mit seiner CDU-Fraktion im Gemeinderat als scharfer Kritiker der Stadtspitze gerade in den Aufregerthemen: Stadtmöblierung, Naturbad, Nahwärme, Baustellen, zuletzt das Wuhr.

Mit seinem Wahlsieg durfte Kuri denn auch den Lohn für einen offenkundig von langer Hand vorbereiteten und dann ebenso professionell wie engagiert geführten Wahlkampf ernten, in dem er gezielt die unterschiedlichen Wähler- und Interessengruppen adressierte. Überträgt er dieses strategisch versierte Herangehen und die Zielstrebigkeit in sein künftiges Amt, ist das ein Gewinn für Schopfheim.

Indes: Dass Kuri sich im Wahlkampf betont zugewandt gab, dürfte bei manchem Beobachter der kommunalpolitischen Szenerie in Schopfheim für verwundertes Augenreiben gesorgt haben. Hatte er sich bislang doch weniger als gewinnende Persönlichkeit und verbindender Charakter denn als ebenso scharfzüngiger wie selbstgewisser Kritiker profiliert. Auch in dieser Hinsicht aber muss er liefern. Denn bei allem persönlichem Gestaltungswillen ist ein Stadtoberhaupt auch darauf angewiesen, die Menschen mitzunehmen.