Kleines Wiesental: Wenn Bienen verängstigt im Stock ausharren

Christian Brendlin (links) bedankt sich bei Johannes Wirz für seinen Vortrag.
Christoph SchennenFür die Bienen ist das Kleine Wiesental ein Paradies. In der wiesenreichen Landschaft sei das Pollenangebot größer als im Markgräflerland, sagt Christian Brendlin, Vorsitzender des 110 Mitglieder starken Imkervereins Kleines Wiesental.
„Gut ist auch, dass das Streuobst nicht gespritzt ist.“ Die hiesigen Imker produzierten Waldhonig und einen von der Brombeere geprägten Sommerblütenhonig. Auf dem traditionsreichen Imkerfest im Weideschuppen in Wies konnten Bürger diese Honige probieren und sich über die Leistung der Bienen informieren. Früher fand das Fest im Sallnecker Weideschuppen statt, so Brendlin, aufgrund der besseren Infrastruktur wurde es nach Wies verlagert.
Am Freitag war hauptsächlich Fachpublikum da – wegen der Vorträge von Johannes Wirz und Kai Stürmer. Letzterer stellte vor, wie man eine Königin mittels einer Apparatur künstlich befruchtet. Am Sonntag war dann aufgrund des Auftritts der Dinkelberger Musikanten, die zum 17. Mal aufgetreten sind, deutlich mehr los. Viele Besucher kamen wegen des Spanferkel-Bratens nach Wies. „Dieses Gericht ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Christian Brendlin. „In der Marinade ist Honig drin“, betont der Bienenfreund. Die Imker hatten auch eine Tombola organisiert.
Sorgen bereiteten den Imkern die Asiatische Hornisse, die nicht nur Schmetterlinge, Käfer und Spinnen, sondern auch Honigbienen frisst. Sie sei in den letzten beiden Jahren aufgetaucht. „Komplettausfälle sind aber selten“, sagt Brendlin. Die Bienen-Verluste im Kleinen Wiesental betrugen laut Brendlin von 2024 bis 2025 zehn bis 30 Prozent.
Kosten werden nicht mehr übernommen
Er bedauert es, dass der Staat nicht mehr die Kosten für die Entfernung der Hornissennester übernimmt. Das Bundesumweltministerium hat die Asiatische Hornisse herabgestuft und sieht sie nun als „weitverbreitet“ an. Ein größeres Problem sei aber die Varroamilbe, die die Brut der Bienen befällt. Gegen die Milbe hilft Ameisensäure, erklärt Brendlin, ein Mittel, das die Imker aber gar nicht so gern einsetzten. Die aggressive Säure wirke so wie eine Chemotherapie für einen Menschen.
Resistente Bienen züchten
Schonender sei es, Bienen zu züchten, die gegen die Schädlinge resistent seien und die Königin mit resistenten Drohnen, den männlichen Bienen, zu befruchten. Er rät seinen Kollegen auch, Jungvölker als Reserve für das kommende Jahr zu bilden. Wenn die Bienen zu viele würden, könne man Völker zusammenlegen und beispielsweise aus drei Völkern ein Volk machen. Bienenkrankheiten führten zu deformierten Flügeln oder deformiertem Hinterleib. Dann seien die Bienen nur kurz lebensfähig, bei missgebildeten Flügeln verhungere sie.
Von Flugparalyse spreche man, wenn die Bienen aus Furcht vor der Asiatischen Hornisse nicht mehr ausschwärmen und im Bienenstock verängstigt ausharrten.