Junge Leute: Bei der RG Hausen-Zell wachsen zwei junge Frauen über sich hinaus

Melanie Sieler (links) und Hanna Keller engagieren sich ehrenamtlich für den Ringerkindergarten der RG Hausen-Zell.
Georg GanterMelanie Sieler und Hanna Keller, 18 und 13 Jahre alt, gehören zu den Stützen der Ringergemeinschaft (RG) Hausen-Zell. Ein bis zweimal in der Woche betreuen sie abends zwischen 17.30 und 19 Uhr Kinder zwischen drei und sechs Jahren im Zeller Ringer-Kindergarten. Zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Ringerverein kamen die beiden auf ähnlichen Wegen: Melanie Sieler kam durch ihren Bruder zum Ringerkampfsport. Die Dynamik und Disziplin dieser Sportart faszinierten sie von Anfang an, so dass sie schon bald selbst als Ringerin auf der Matte stand. Heute kann sie bereits auf viele erfolgreiche Wettkämpfe zurückblicken. So wurde sie in ihrer Altersklasse Baden-Württembergische Meisterin und Dritte bei den Deutschen Meisterschaften.
Hanna Keller wuchs in einer echten Ringerfamilie auf – ihr Vater ist leidenschaftlicher RG-Fan, ihr Cousin und ihre Schwester ringen selbst aktiv im Verein. Auch Hanna ist regelmäßig auf der Matte aktiv und hat schon viele Wettkämpfe erfolgreich bestritten.
So lag es nahe, dass sich beide auch in die Vereinsarbeit einbringen wollten. „Mit unserem Engagement für den Ringerkindergarten möchten wir das zurückgeben, was wir selbst an Unterstützung und Betreuung im Verein erfahren haben“, erklären beide ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Kinder.
Der Zeller Ringerkindergarten wurde durch die RG Hausen-Zell vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Damit will der Verein dem zunehmenden Bewegungsmangel vieler Kinder etwas entgegensetzen. Denn dieser erhöhe das Risiko für Übergewicht und mit seinen negativen Auswirkungen auf die körperliche Entwicklung und das soziale Verhalten. Bei dem „polysportiven, wertorientierten Bewegungsangebot“ steht nicht nur eine einzelne Sportart im Mittelpunkt, sondern werden verschiedene Bewegungsformen miteinander kombiniert. Über die reine Bewegung hinaus wollen die Ringer den Kindern aber auch Werte wie Teamgeist, Respekt, Fairness, Selbstvertrauen und Verantwortung vermitteln.
„Für uns steht der Ringkampfsport in diesem Alter nicht im Vordergrund“, sind sich Sieler und Keller einig, „wir möchten erreichen, dass sich Kinder bereits im Vorschulalter generell mehr bewegen und dabei auch Spaß haben“. So können sie unter ihrer Anleitung sowohl turnen, tanzen, klettern und Ballspiele ausprobieren. Dabei wollen sie den Kindern helfen, die eigenen Grenzen und die ihres Gegenübers kennenzulernen, deren Selbstbewusstsein stärken sowie Respekt und Miteinander fördern. „Wir freuen uns immer wieder, wenn wir sehen, wie sich bereits nach wenigen Trainingsstunden die Koordination, Motorik und Kreativität bei vielen Kindern deutlich erhöht – und wie sie mit wachsender Begeisterung über sich hinauswachsen, neue Freundschaften knüpfen und ein echtes Gemeinschaftsgefühl entwickeln.“
„Die Freude der Kinder ist das Engagement wert“
„Was wir von den Kindern zurückbekommen, ist allein schon unser Engagement wert“, versichert Sieler, „die Freude und die Begeisterung der Kinder zu erleben, bestätigt uns immer wieder in unserer Arbeit“. „Wenn uns dann immer wieder Kinder in der Stadt bei einem Spaziergang freudig begrüßen und uns den Eltern oder Großeltern als ihre Trainerin vorstellen, so tut das einfach sehr gut“, meint Keller.
Glücksfälle für den RG Hausen-Zell
Für den RG Hausen-Zell sind Melanie und Hanna wahre Glücksfälle. „Die Bereitschaft junger Leute, sich ehrenamtlich für andere zu engagieren, ist wichtig für unsere Gesellschaft und steht für Werte und Regeln, die wir in unserer Ringergemeinschaft bewusst vermitteln wollen“, erklärt Oliver Hassler, Vizeweltmeister im Halbschwergewicht und Mit-Initiator des Zeller Ringerkindergartens. Und wenn dann aus dem Kindergarten später vielleicht doch einmal ein Zeller Ringer-Vizeweltmeister wie Hassler, oder ein Europameister wie Darius Kiefer hervorgehen sollte, so würden wohl auch Melanie Sieler und Hanna Keller einen besonderen Verdienst daran haben.