Der Wald leidet: Anhaltende Trockenheit setzt dem Schopfheimer Stadtwald zu

Bürgermeister Dirk Harscher und Bernhard Schirmer im Entegastwald
Marcus Krispin- Anhaltende Trockenheit und Hitze setzen dem Schopfheimer Stadtwald stark zu.
- Nur rund 70 Liter Niederschlag statt üblich 300 bis 400 in etwa drei Monaten.
- 53 Tage mit mindestens 30 Grad in diesem Zeitraum – der Sommer ist noch nicht vorbei.
- Bäume stehen unter Stress, Kronen sterben teils ab, Schädlinge wie Borkenkäfer profitieren.
- Forst prüft Verkehrssicherheit und plant langfristigen Waldumbau mit klimaresilienten Arten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen setzen auch dem Schopfheimer Stadtwald zunehmend zu. Um sich ein Bild von der aktuellen Situation und den Auswirkungen auf den Wald zu machen, trafen sich Bürgermeister Dirk Harscher, der forsttechnische Betriebsleiter Bernhard Schirmer und der Gersbacher Revierleiter Jörg Gempp zu einem gemeinsamen Austausch im Entegastwald.
Die Zahlen verdeutlichen die außergewöhnliche Situation: „Der Wald leidet sehr unter der seit rund drei Monaten anhaltenden Trockenphase“, erklärt Bernhard Schirmer. Normalerweise fallen in diesem Zeitraum rund 300 bis 400 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. In diesem Jahr waren es bislang lediglich rund 70 Liter.
Auch die Temperaturen sprechen eine deutliche Sprache. „In den vergangenen drei Monaten hatten wir bereits 53 Tage mit mindestens 30 Grad“, berichtet Revierleiter Jörg Gempp. Und der Sommer ist noch nicht vorbei.
Die langanhaltende Trockenheit setzt die Bäume massiv unter Stress. Fehlt über einen längeren Zeitraum Wasser, können Bäume ihre Blätter verlieren. Dadurch geht ein wichtiger natürlicher Schutz verloren: Die Baumkrone kann der intensiven Sonneneinstrahlung und Hitze nicht mehr ausreichend entgegenwirken. In besonders stark geschädigten Bereichen können Äste oder sogar Teile der Baumkrone absterben, und diese Bereiche eines Baumes regenerieren sich nicht mehr. Die Folgen der aktuellen Trockenperiode werden deshalb nicht nur kurzfristig sichtbar sein. „Wir müssen davon ausgehen, dass uns die Auswirkungen der Trockenheit auch in den kommenden zwei bis drei Jahren beschäftigen werden“, sagt Schirmer.
Besonders problematisch ist, dass geschwächte Bäume zusätzlich anfälliger für Schädlinge werden. Eine große Herausforderung ist dabei der Borkenkäfer, der von den warmen und trockenen Bedingungen profitiert und sich derzeit stark ausbreiten kann. Die Mitarbeiter des Forstes arbeiten deshalb intensiv daran, befallene Bäume frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Die zunehmenden klimatischen Veränderungen stellen die Forstwirtschaft vor langfristige Herausforderungen. Eine Möglichkeit besteht darin, bei der Verjüngung des Waldes verstärkt auf Baumarten zu setzen, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen. Dabei können auch Nadelholzarten aus anderen Ländern eine Rolle spielen, die Hitze- und Kälteperioden besser tolerieren können als die bisher teilweise dominierenden Baumarten wie z.B. die Buche. Ein solcher Waldumbau ist jedoch eine langfristige Aufgabe und bedeutet gleichzeitig erhebliche Investitionen für die Stadt.
„Wir müssen heute darüber nachdenken, wie unser Wald in 30, 50 oder 80 Jahren aussehen soll“, erklärt Bürgermeister Dirk Harscher. „Der Klimawandel zwingt uns dazu, den Wald widerstandsfähiger aufzustellen. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass er seine wichtigen Funktionen für Natur, Klima, Artenvielfalt und Erholung weiterhin erfüllen kann.“
Die Trockenheit bringt auch besondere Herausforderungen für die Verkehrssicherheit im Wald mit sich. Abgestorbene Äste und geschädigte Baumkronen können abbrechen und auf Waldwege fallen. Damit können sie sowohl für Spaziergängerinnen und Spaziergänger als auch für Radfahrer, Sportler und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Forstes zu einer Gefahr werden. Die Forstmitarbeiter kontrollieren deshalb gefährdete Bereiche und Bäume besonders aufmerksam.
Aktuell höchste Waldbrandgefahr
Eine weitere erhebliche Gefahr ist derzeit die Waldbrandgefahr, die aktuell die höchste Stufe erreicht hat. Die Kombination aus ausgetrocknetem Waldboden, abgestorbenem Pflanzenmaterial, hohen Temperaturen und fehlenden Niederschlägen sorgt für eine besonders gefährliche Situation. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Besucherinnen und Besucher des Waldes verantwortungsvoll verhalten. Offenes Feuer und Rauchen im Wald können unter diesen Bedingungen schnell zu einer großen Gefahr werden. Auch achtlos weggeworfene Zigaretten oder andere leicht entzündliche Gegenstände können Brände verursachen.
„Unser Wald ist derzeit besonders empfindlich“, betont Harscher. „Wir bitten deshalb alle, die im Wald unterwegs sind, ganz besonders aufmerksam und rücksichtsvoll zu sein und die geltenden Regeln zum Schutz des Waldes einzuhalten.“
Wald bleibt wichtiger Erholungsraum
Wie wichtig der Schopfheimer Stadtwald für die Bevölkerung ist, zeigte sich auch während des morgendlichen Rundgangs. Trotz der frühen Stunde waren zahlreiche Menschen im Entegastwald unterwegs – zu Fuß, mit dem Fahrrad, beim Sport oder gemeinsam mit ihrem Hund.
Für Bürgermeister Dirk Harscher ist genau diese Verbindung von Natur, Klimaschutz und Erholung ein wichtiger Bestandteil des Schopfheimer Stadtwaldes: „Unser Wald ist weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, leistet einen wichtigen Beitrag für unser Klima, schützt den Boden und ist gleichzeitig ein ganz wichtiger Erholungsraum für die Menschen in unserer Stadt.“ Gerade deshalb müsse der Wald angesichts des Klimawandels besonders geschützt und gleichzeitig nachhaltig weiterentwickelt werden. „Wir alle können dazu beitragen, dass der Wald auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Menschen Erholung finden und Natur erleben können. Dafür brauchen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem wertvollen Lebensraum“, sagt Harscher.
Die derzeitige Trockenperiode macht deutlich, vor welchen Herausforderungen der Stadtwald steht. Für den Forst bedeutet dies, kurzfristig die Gesundheit und Sicherheit des Waldes im Blick zu behalten und gleichzeitig langfristig die Weichen für einen klimaresilienteren Wald zu stellen