Bürgermeisterwahl: Lebendige Fragerunde und ruhige Vorstellung der Kandidaten

Ein faires Duell um den Bürgermeisterposten in der Stadt Zell lieferten sich Marion Isele und Peter Palme in Stadthalle.
Georg GanterDie öffentliche Kandidatenvorstellung am Sonntagabend vor etwa 450 Besuchern in der Stadthalle Zell, war das wohl wichtigste Duell der beiden Bewerber. Trotz unterschiedlicher Positionen im Wahlkampf blieb bei dieser Vorstellung der Ton zwischen den beiden Kandidaten – Marion Isele aus Muggenbrunn und Amtsinhaber Peter Palme – respektvoll. Beide bemühten sich sichtlich, ihre Visionen für die Zukunft der Stadt Zell klar und verständlich zu vermitteln.
Öffentliche Kandidatenvorstellungen bieten den Bürgern die Gelegenheit, die Kandidaten direkt zu erleben – mehr über ihre Haltung zu lokalen Themen und über ihre Ideen für die künftige Kommunalpolitik zu erfahren, aber auch ihre Reaktion auf kritische Fragen zu testen. Das führt bei vielen Bürgermeisterwahlkämpfen oft zu einem kritischen Schlagabtausch mit hitzigen Debatten und Vorwürfen.
Nicht so in Zell – die Veranstaltung verlief in ruhigen Bahnen mit einer sachlichen, persönlichen Präsentation der Kandidaten, einer lebendigen Fragerunde aus dem Publikum und einem pointierten Abschluss-Statement. Viel zu diesem eher ruhigen Verlauf der Kandidatenvorstellung trugen die klaren Vorgaben der Verwaltung über den Ablauf der Veranstaltung und die souveräne Moderation durch Thomas Kaiser, den Vorsitzenden des Gemeindewahlausschusses, bei.
Marion Isele skizzierte in ihrer 15-minütigen persönlichen Vorstellung zunächst knapp ihre Ausbildung und ihren beruflichen Werdegang. Kommunalpolitische Erfahrung bringt sie als Ortsvorsteherin von Muggenbrunn, Stadträtin in Todtnau und als Leiterin des Ordnungsamtes in Bad Säckingen mit.
Ihre Zielvorstellungen und Visionen für die Stadt Zell entwickelte sie nach eigenen Angaben aus zahlreichen Gesprächen: bei Ortsrundgängen, Besuchen von Vereinen und Unternehmen sowie bei Hausbesuchen bei Bürgern. Dabei flossen viele Anregungen, Wünsche und auch kritische Stimmen zu bestehenden Strukturen direkt in ihr Wahlprogramm ein.
Isele setzt auf eine bürgernahe Verwaltung, transparente Entscheidungsprozesse und ein konsequentes Projektmanagement bei städtischen Bauvorhaben. Besonders wichtig ist ihr eine respektvolle, sachorientierte Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat – fraktionsübergreifend und auf Augenhöhe.
Kritik an bisherigen Entwicklungen in Zell klang allenfalls zwischen den Zeilen an, etwa in ihren Aussagen zu Verzögerungen bei der Umsetzung des Projekts „Bahnhofsvorplatz“, zur Unterstützung durch die Stadt bei der Gestaltung einer attraktiveren Innenstadt oder auch zur Organisation und Kommunikation in der Verwaltung.

Auch wenn nicht jeder Platz in der Zeller Stadthalle besetzt war. Die Zuschauer waren interessiert an der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl.
Foto: Georg GanterPeter Palme setzte in seiner Vorstellung vor allem auf seinen Bonus als Amtsinhaber in der Schwanenstadt in den vergangenen acht Jahren. Im Mittelpunkt seiner Präsentation standen die Projekte seiner Amtsperiode, wie die neue Kindergrippe in der Bahnhofstraße oder die Renovierungsarbeiten in den Schulen, aber auch viele Investitionen in die Infrastruktur in der Stadt und den Ortsteilen.
Besonders am Herzen liegt ihm die weitere Entwicklung der Feuerwehr, wo aus seiner Sicht auch in der Zukunft viel Investitionsbedarf besteht. Seine Vision für die Zukunft sieht er vor allem in der Konsolidierung der Finanzen. „Wir müssen weniger ausgeben als einnehmen“ sieht er als dringlichste Aufgabe in den nächsten Jahren. Auch wenn Zuschüsse für Projekte besorgt werden können, muss die Stadt immer einen hohen Eigenanteil stemmen, der den finanziellen Handlungsspielraum deutlich einschränkt. Doch trotz dieser Restriktionen wird es nach seiner Meinung in Zell keinen Stillstand geben. Das Projekt „Bahnhofsvorplatz“, weitere Renovierungen in städtische Gebäude und die Erschließung kleinerer Baugebiete sieht er als prioritäre Projekte, für die er sich als Bürgermeister in den nächsten Jahren mit aller Kraft einsetzen will.
Fragerunde mit kritischen Statements
In der anschließenden gemeinsamen Fragerunde mit beiden Kandidaten nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, Antworten auf aus ihrer Sicht drängende Probleme der Stadt zu erhalten und selbst empfundene Fehlentwicklungen anzusprechen. Die Frage nach dem Ausbluten der Innenstadt beantworteten beide Kandidaten übereinstimmend mit der Empfehlung, verstärkt in lokalen Geschäften statt im Internet einzukaufen. Auch beim Thema „Erhalt des Zeller Recyclinghofs an seinem bisherigen Standort“ zeigten sich beide Bewerber einer Meinung. Für Kandidatin Marion Isele ist es „höchste Eisenbahn“, hierzu klare Gespräche mit dem Landratsamt zu führen. Weitere Fragen zu Themen wie der Entwicklung neuer Baugebiete, Lärmproblemen in Mambach oder der kritischen Zukunft der Ärzteversorgung konnten beide Bewerber kompetent beantworten und ihre jeweiligen Vorstellungen einbringen.
Abschluss-Plädoyer mit klaren Ansagen
In ihrem kurzen Schlusswort hatten die Bewerber jeweils eine Minute Zeit, um darzulegen, warum sie das Vertrauen der Wähler verdienen. Marion Isele setzt auf Teamarbeit, Transparenz und einen offenen Dialog zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Gemeinderat. „Ich kann Bürgermeister“ argumentierte Peter Palme und möchte Zell mit Herz, Sachverstand und Tatkraft auch zukünftig erfolgreich führen. Nun liegt es an den Bürgerinnen und Bürgern von Zell, am 21. September zu entscheiden, wem sie mehr zutrauen, die Stadt in den kommenden acht Jahren erfolgreich weiterzuentwickeln.