Bergbau: Seltene Erden auf Todtnauer Gebiet

Geologe Wolfgang Werner fand für seinen Vortag im Infozentrum ein fachinteressiertes Publikum.
Hartmut SchwäblDie Vorträge anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums des Bergmannsvereins Finstergrund im Infozentrum haben eine raumfüllende Fangemeinde, so auch beim Vortrag zum alten Bergbau bei Todtnau anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadt mit ihrer mittelalterlichen Geschichte des Silberbergbaus. Der Geologe Wolfgang Werner begeisterte das fachinteressierte Publikum mit seinem Vortrag.
Werner war 30 Jahre am Landesamt für Bergbau und Geologie tätig. Teil des Vortrags war ein Feuerwerk brillanter Fotos von Mineralien sowie vom Aufbau der Stollen – dabei technisch aufwändig mit synchronisierten Blitzen in Langzeitbelichtung erstellte Aufnahmen des auf Unter-Tage-Fotos spezialisierten Alpirsbacher Fotografen Matthias Zizelmann.
Vor rund 160 bis 165 Millionen Jahren an der Grenze zwischen Jura und Kreidezeit seien die hydrothermalen Ausscheidungen aus 200 bis 330 Grad heißen Wässern entstanden, die seit Jahrhunderten immer wieder zu Bergbauaktivitäten in der Region geführt hätten.
Neodym als Komponente von Windrädern
Dass der in der Gewerkschaft Finstergrund 1974 eingestellte Flussspatbergbau nun wieder interessant werden könnte, habe sich durch den stark gestiegenen Flussspatpreis seit dem Ukrainekrieg sowie dadurch ergeben, dass Länder wie China, die mit Tagebau und geringeren Umweltschutzvorgaben Wettbewerbsvorteile erzielt hätten, die Rohstoffe nun selbst benötigten und weniger exportieren würden. In Anspielung auf das Windparkprojekt Lailehöhe merkte Werner an, dass sich auf Todtnauer Gemarkung Vorkommen seltener Erden wie Neodym befänden – letzeres als Komponente der Hochleistungsmagnete von Windrädern.
Grubenunglück hatte viele Tote gefordert
Wichtigstes Abbaugebiet im mittelalterlichen Silberbergbau sei im 12. Und 13. Jahrhundert zunächst die Region Glottertal/Suggental gewesen. Nach einem durch eine Unwetterkatastrophe ausgelösten schweren Grubenunglück mit vielen Toten sei dort der Bergbau zum Erliegen gekommen. Nun sei die Region Todtnau interessant geworden, denn den Grafen habe das Münzsilber gefehlt. Um 1280 seien die ersten Bergleute in der Region aktiv geworden. Die Blütezeit des Silberbergbaus in Todtnau sei von 1300 bis 1360 gewesen. 1565 sei die Grube Gauch in Todtnau geschlossen worden.
Hoher Erzhgehalt
Die Erzgänge um Todtnau unterschieden sich von denen in Wieden durch einen hohen Erzgehalt, vor allem an silberhaltigem Bleiglanz. Im Gegensatz zum sehr selten gefundenen gediegenen Silber sei der Silberanteil dieses Erzes nicht hoch gewesen. Silberhaltig bedeute einen Silberanteil von 0,1 bis 0,2 Prozent. Am im Überschuss anfallenden Blei sei man ebenfalls interessiert gewesen.
Der Geologe erwähnte auch auf den Bergbau hinweisende Gewannnamen, wie das Todtnauberger Gewann Radschert. Der Ursprung des Namens komme vom Wort Radschacht her.
Eigene Todtnauer Silbermünzen
Albrecht Schlageter hatte einst die Bedeutung der Namen der Gewanne der Region erforscht und diese in den Ortschroniken von Wieden und Utzenfeld publiziert. Neben verschiedenen mittelalterlichen Silbermünzen, insbesondere der eigenen Todtnauer mit ihrem markanten „T“, erfuhr das Publikum von den Kirchenfenstern mit Bergbaumotiven im Freiburger Münster.
Dass die Forschung zu dieser Zeit weiter im Gange sei erklärte Werner den Anwesenden ebenso. Bei einzelnen Münzen sei zum Teil die Herkunft des Silbers aufgrund der chemischen Zusammensetzung bestimmbar. In Todtnau sei man noch auf der Suche nach genügend Probenmaterial an Erzen aus den damaligen Gruben.