Band Sinem spielt beim Holzrock Open Air in Schopfheim
: „Türkische Musik ist in der Popmusik angekommen – fast“

Die Band Sinem tritt am Samstag beim Holzrock Open Air in Schopfheim auf. Im Interview spricht Sängerin Sinem Arslan Ströbel über die alten türkischen Lieder, die sie neu interpretiert, und darüber, warum ihre Musik heute ein deutlich breiteres Publikum erreicht.
Von
Jan Boller
Schopfheim
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Sinem Arslan Ströbel und Tom Wu sind die Band Sinem.

Sinem Arslan Ströbel und Tom Wu sind die Band Sinem.

Sinem
  • Die Band Sinem spielt am Samstag beim Holzrock Open Air in Schopfheim.
  • Sinem interpretiert ältere türkische Lieder neu, viele Originale stammen aus den 1960er-Jahren.
  • Die Musiker sind Sinem Arslan Ströbel und Tom Wu – Einflüsse aus Familie und Alltag prägen die Auswahl.
  • Texte sind auf Türkisch, doch auch ein mehrheitlich nicht-türkischsprachiges Publikum fühlt sich angesprochen.
  • Zweites Album erscheint im September: zur Hälfte Neuinterpretationen, zur Hälfte eigene Songs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die türkisch-deutsche Band Sinem aus München ist mittlerweile mehr als nur ein Geheimtipp. Ihr erstes Album „Köşk“ erschien 2025 und hatte großen Erfolg bei Kritikern und Fans. Darauf zu hören: Kompositionen anatolischer Musiker in zeitgemäßer Ausführung. Auf dem Holzrock Open Air in Schopfheim spielen sie am Samstag.

Wer steckt hinter Sinem?

Hinter Sinem stecken Tom Wu und ich. Wenn man es ganz genau nimmt, stecken ganz viele andere Menschen und Einflüsse hinter Sinem. Sagen wir es so: das lebendige Leben.

Und die Musik – wie lässt sie sich beschreiben?

Offen, wild, bunt, laut, emotional, verträumt, kantig, freundlich, wütend. Und: ehrlich!

Die Musik von Sinem greift viele ältere türkische Lieder auf und interpretiert sie neu. Woher stammen diese Stücke? Welche Rolle spielt dabei Ihre eigene Familiengeschichte?

Die ersten Songs habe ich ausgewählt, weil sie in meiner persönlichen „Sinem-Playlist“ zu finden sind. Songs, die mich zum Teil mein Leben lang begleitet haben: Weil meine Großmutter sie gesungen hat oder weil die Kassetten regelmäßig gespielt wurden. Oder Songs, die einen bestimmten Lebensabschnitt begleitet haben. Also ja, der familiäre Hintergrund spielt mit Sicherheit eine große Rolle.

Wie alt sind diese Lieder?

Naja, die einen älter, die anderen jünger. Während der Songauswahl, dem Recherchieren, dem Lesen und Verstehen ist uns aufgefallen, dass die Texte selbst zum Teil sehr, sehr viel älter sind als die ersten „Vertonungen“. Viele Originale, die wir neu formen und gestalten, stammen aus den 1960er-Jahren.

Ist Sinem eine „Cover-Band“?

Ich muss gestehen: Vor allem am Anfang hatte ich immer wieder Momente, in denen ich den Gedanken einer Cover-Band im klassischen deutschen Sinne gar nicht gut fand. Begonnen hat einfach alles damit, dass ich die Songs mochte und wir Lust hatten, sie herauszubringen und zu sehen, was passiert.

Mit der Zeit habe ich entdeckt, dass das Neuinterpretieren ein riesiger und wesentlicher Bestandteil der türkischen Musikkultur ist. Auf dem zweiten Album, das im September erscheint, ist das Konzept etwas anders: 50 Prozent des Albums sind wieder Neuinterpretationen und 50 Prozent sind Songs, die wir geschrieben haben.

Sie singen auf Türkisch. Viele im Publikum werden die Texte vermutlich nicht verstehen. Wie wichtig sind die Texte und die türkische Sprache generell für die Musik?

Es stimmt, unser Publikum besteht meistens zu mehr als 80 Prozent aus nicht-türkischsprachigen Menschen. Auf der Bühne verhält es sich nicht anders: Sind wir zu zweit, dann spricht die eine Hälfte der Band türkisch, die andere Hälfte nicht. Sind wir als Trio unterwegs, dann spricht nur eine Minderheit türkisch. Türkisch ist ein Sprachrohr meiner Emotionen. Ähnliches gilt für die Texte, vor allem für unsere eigenen Texte.

Aber ich finde, das Publikum darf sich frei machen von dem Gedanken, jedes Wort verstehen zu müssen. Für mich persönlich kommt es immer darauf an, ob mich die Musik berührt oder nicht, das hängt sehr selten vom Songtext ab. Wenn ich ein Live-Konzert mit englischsprachigen oder auch deutschsprachigen Texten erlebe, verstehe ich auch nicht jedes gesungene Wort. Der Rhythmus, die Performance, mein Gefühl dabei geben mir dann das Gefühl: Ich verstehe es.

Türkische Musik und türkisches Leben spielten in der deutschen Öffentlichkeit lange kaum eine Rolle. Hat sich das aus Ihrer Sicht verändert?

Ganz klar hat sich etwas geändert – sonst würden wir womöglich auch nicht so viele Konzerte an so vielen verschiedenen Orten spielen können. Warum gerade in den vergangenen zehn Jahren, versuche ich mir selbst regelmäßig zu beantworten. Bestimmt gibt es nicht die eine Antwort. Der Zeitgeist, die öffentliche Diskussion und die Tatsache, dass Gastarbeiterfamilien keine Gastarbeiterfamilien mehr sind, spielen sicher eine Rolle.

Ich selbst stamme aus einer Gastarbeiterfamilie, und ich denke, dieser Aspekt hat großen Einfluss auf unsere Musik. Geändert hat sich auch, dass türkische Musik nicht mehr ausschließlich im Plattenregal unter „Weltmusik“ zu finden ist. Heute wird sie fast schon genauso behandelt wie Popmusik – tatsächlich aber eben nur fast. Dass unsere Musik inzwischen auch im deutschen Radio läuft, ist ein guter Schritt – wenn auch verflucht spät.

Sie spielen auf dem Holzrock Open Air in Schopfheim. Das Holzrock ist ein seit Jahrzehnten ehrenamtlich organisiertes Do-it-yourself-Festival. Passt so ein Festival besonders gut zur Band?

Ob das besonders gut passt, weiß ich gar nicht. Grundsätzlich spielen wir einfach gerne – und wir finden es schön, dass wir an so vielen unterschiedlichen Orten und Festivals auftreten dürfen. Wenn man den DIY-Gedanken aufgreift, gibt es aber tatsächlich eine Parallele: Unser zweites Album ist noch mehr DIY als das erste. Eigenes Equipment, kein Studio – nur unser Proberaum und wir. Insofern passt das gut zum Holzrock. Und ich finde, unter diesem DIY-Gedanken schlummert immer auch eine ordentliche Portion Punk.

Holzrock

Das Holzrock-Festival im Schopfheimer Sengelewäldchen steigt am Freitag, 31. Juli, und Samstag, 1. August. Das Programm und Line-up sind online unter www.holzrock.de zu finden.

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