125-Jahr-Jubiläum: Feuerwehr Todtnauberg macht Hausbesuche, wenns brenzlig wird

Die Oldtimer- Fahrzeuge der Feuerwehr auf dem Kirchplatz fanden das Interesse der Besucher.
Ulrike JägerNach zwei Party-Abenden mit tollen Musikgruppen, die die Gäste bis spät in die Nacht begeisterten, gab es am Sonntag einen besonderen Gottesdienst, der jedoch wegen der schlechten Wetterprognose nicht wie geplant als Feldgottesdienst unter freiem Himmel stattfand, sondern in der Todtnauberger Jakobuskirche. Zum Frühschoppenkonzert der Trachtenkapelle Todtnauberg und zum Mittagessen füllte sich der Kurhausaal am Sonntag rasant, lockten nicht nur musikalische Leckerbissen, sondern auch fantasievolle Gerichte.
Auf der Speisekarte standen verschiedene Begriffe aus dem Feuerwehr-Alltag. So versteckte sich hinter dem Begriff „Fit for Fire-Fighting“ ein Salatteller mit Schnitzel, „Rettungstuch“ war ein Badischer Döner mit Schäufele und hinter „MTW“ steckte ein Mozzarella-Tomaten-Weckle. Mit Ueli Heim, Helmut Mühl und Jochen Stückler standen drei Profis in der Küche, flotte Bedienungen aus verschiedenen Todtnauberger Vereinen inklusive Jugendfeuerwehr brachten die Speisen an die Tische.
Abteilungskommandant Manuel Schneider, in neuer Uniform, wie die übrigen Feuerwehrleute auch, dankte seinen Kameraden für die tolle Unterstützung beim Fest und besonders dem Festausschuss, der rund ein Jahr mit der Vorbereitung des Jubiläumsfestes beschäftigt war. Sein Dank galt auch den Sponsoren und den Berger Vereinen, ohne die ein solches Fest nicht zu stemmen wäre. Vertreter der Vereine überreichten dem Kommandanten einen Grill und zwei Fässer Bier als Geschenk.
Todtnaus Bürgermeister Oliver Fiedel hatte einen Scheck über 625 Euro mitgebracht, wie es Tradition sei, gebe es bei Vereinsjubiläen für jedes Jubiläumsjahr fünf Euro.
Das Jubiläumsfest sei für die Todtnauberger Wehr ein ganz besonderer Meilenstein. Er dankte für 125 Jahre gelebte Solidarität, Kameradschaft und Einsatzbereitschaft.
Die Mannschaft bringe seit Jahren ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch ihre Gesundheit für den Dienst an der Gemeinschaft ein, so Fiedel. Die Feuerwehr-Technik habe sich in den vielen Jahren sehr verändert, die Einsätze seien komplexer geworden, der administrative Anteil, der „ Bürokratiewahn“, habe auch vor den Freiwilligen Feuerwehren nicht Halt gemacht. Dieser fordere gerade von den ehrenamtlichen Kräften immer mehr Zeitaufwand und vermutlich auch Nerven ein, sagte das Stadtoberhaupt.
Geschichte der Feuerwehr
Ortsvorsteherin Franziska Brünner blickte aus Todtnauberger Warte auf die Geschichte der Feuerwehr. Vor 125 Jahren hätten sich 67 Männer – bei weniger als 600 Einwohnern – für die Freiwillige Feuerwehr gemeldet. Im Jahr 1886 bereits habe es einen verheerenden Großbrand gegeben, bei dem 13 Doppelhöfe abgebrannt seien, 109 Menschen waren damals obdachlos. Für die dann gegründete Freiwillige Feuerwehr, die auf die Pflichtwehr folgte, gab es 1903 gleich den ersten großen Einsatz: drei Höfe brannten ab. Weitere Großbrände habe es in den 60er Jahren gegeben, und erst in jüngster Vergangenheit habe ein Teil der Pension Daheim gebrannt.

Abteilungskommandant Manuel Schneider und Todtnaus Bürgermeister Oliver Fiedel.
Foto: Ulrike JägerErfolg durch Verlässlichkeit
Brünner hob hervor, dass Einsatzbereitschaft, Kameradschaft und Verlässlichkeit Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit seien. Die Sicherheit, die sich die Kameraden gegenseitig bei Einsätzen geben würden, sei auch eine für alle Bürger. Sie freue sich über die Gewissheit, sagte sie mit einem Augenzwinkern, dass die Feuerwehr „Hausbesuche macht, wenn es brenzlig wird“, so das Motto der Todtnauberger. Sie dankte im Namen aller Einwohner, und auf ihre Bitte erhob sich das gesamte Publikum und dankte mit lang anhaltendem Applaus.
Gesamtkommandant Tobias Lehr hob in seinem Grußwort hervor, dass die Schlagkraft der Truppe von einer motivierten Mannschaft abhinge, man brauche Stetigkeit und Verlässlichkeit, außerdem sei Nachwuchsarbeit enorm wichtig, das Engagement müsse weitergegeben werden. Er hatte zusammen mit allen Abteilungen und Utzenfeld und Wieden eine große Feuerschale und Holzscheite als Gastgeschenk dabei. Und auch Max Bauer, Vorsitzender der Feuerwehr Münsing, überreichte eine besonders gestaltete Feuerschale zum Jubiläum. Die befreundete Feuerwehr aus Rötgesbüttel, die eigens 600 Kilometer zum Jubiläumsfest angereist war, schenkte ein großes Ortswappen und eine Eiche. Hier gebe es schließlich keine, im Gegensatz zu Niedersachsen, sagte Reinhard Müller, Ortsbrandmeister a.D., in seinem Grußwort.

Die Trachtenkapelle brachte Stimmung in den Saal und musste zwei Zugaben liefern
Foto: Ulrike JägerOldtimer begeistern
Aber auch die Freiwillige Feuerwehr Todtnauberg hatte ein besonderes Geschenk für die Abteilungskommandanten: Pirmin Huber hatte Bierkrüge aus Holz hergestellt und mit einer Inschrift zum 125-Jährigen versehen. Die Feuerwehrmusik Mambach und die Sankt Ulricher Musikanten unterhielten dann den voll besetzten Kurhaussaal, während auf dem Kirchplatz viele blaue Lichter blinkten. Dort hatten die Blaulichtorganisationen wie Polizei, Rotes Kreuz oder Bergwacht ihre Fahrzeuge ausgestellt. Vor allem zwei Oldtimer-Feuerwehrautos stießen auf großes Interesse.