Zwischen Kuhattrappe und Klimawandel
: Erlebnistag Landwirtschaft in Lauterbach zieht tausende Besucher an

Beim Erlebnistag Landwirtschaft im Sulzbachtal zeigen Bauern, Verbände und Experten, wie Landwirtschaft, Naturschutz und Technik im Kreis Rottweil zusammenwirken.
Von
Mark Finnern
Kreis Rottweil
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„Wir schaffen Lebensräume": Zum 20-jährigen Bestehen des LEV kamen Vertreter von Land, Kreis und Kommunen ins Sulzbachtal.

„Wir schaffen Lebensräume": Zum 20-jährigen Bestehen des LEV kamen Vertreter von Land, Kreis und Kommunen ins Sulzbachtal.

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  • Erlebnistag Landwirtschaft im Sulzbachtal zeigt Zusammenspiel von Landwirtschaft, Naturschutz und Technik.
  • Höhepunkt: 20-jähriges Bestehen des LEV Mittlerer Schwarzwald – Rundweg mit über drei Dutzend Stationen.
  • Ministerin Marion Gentges betont harte Bedingungen und ruft zum Kauf regionaler Produkte auf.
  • Klimawandel sichtbar: kaum Tannenhonig dieses Jahr, Trockenheit belastet Tracht – Waldumbau wird erläutert.
  • Von Drohnen zur Kitzrettung bis Oldtimer und Sense: Tradition und moderne Technik stehen nebeneinander.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tausende Besucher erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

  • Drei, die den Landschaftsentwicklungsverband über die Jahre getragen haben (von links): die Geschäftsführerinnen Silke Stößer und Kim Ebinger sowie ihre Vorgängerin Susanne Kopf.

    Drei, die den Landschaftsentwicklungsverband über die Jahre getragen haben (von links): die Geschäftsführerinnen Silke Stößer und Kim Ebinger sowie ihre Vorgängerin Susanne Kopf.

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  • Tausende erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

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  • Tausende erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

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  • Rolf Wetter (rechts) von der Kitzrettung Aichhalden erklärt die Wärmebild-Drohne.

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  • Tausende erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

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  • Tausende erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

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  • Wie ernst die Lage ist, machte Diana Stierle konkret.

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  • Unentschieden mit Ansage: Ministerin Marion Gentges und Landrat Christoph Keckeisen (rechts) melken um die Wette – in denselben Eimer.

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  • Tausende erleben in Lauterbach-Sulzbach den Erlebnistag Landwirtschaft.

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Wettmelken, das klingt nach Wettbewerb – an diesem Tag wurde es zum Sinnbild fürs Gegenteil. Die Landjugend hatte Ministerin und Landrat an eine lebensgroße Kuh-Attrappe gebeten, und Marion Gentges und Christoph Keckeisen hockten sich hin und zogen, was das Zeug hielt. Nur molken die beiden in denselben Eimer, sodass sich beim besten Willen kein Sieger mehr küren ließ. Macht nichts – am Ende hatten sie die Früchte ihrer Arbeit einfach zusammengeschüttet. „Man zieht ja am gleichen Strang", sagte Diana Stierle von der Landjugend Rottweil-Tuttlingen und lachte.

Besser ließe sich der Tag kaum zusammenfassen. Rund um das Sulzbachtal bei Lauterbach hatte der Landschaftsentwicklungsverband (LEV) Mittlerer Schwarzwald zum Erlebnistag Landwirtschaft geladen, zugleich der Höhepunkt seines 20-jährigen Bestehens. Auf einem weitläufigen Rundweg reihten sich über drei Dutzend Stationen aneinander. Wer sehen wollte, wie Landwirtschaft im Schwarzwald heute funktioniert und warum sie mehr ist als das Erzeugen von Lebensmitteln, war hier richtig.

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Silke Stößer, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Verbands, brachte den Grundgedanken auf den Punkt. Man heiße bewusst Landschaftsentwicklungs- und nicht -erhaltungsverband, sei einer der ersten seiner Art im Land gewesen und habe von Anfang an nicht nur bewahren, sondern entwickeln wollen: „Nichtstun ist keine Option" – sonst wüchsen die Flächen einfach zu. Entstanden ist der Verband 2006 aus einem Modellprojekt, getragen wird er bis heute von acht Mitgliedskommunen. Auf einer Tafel des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord stand derselbe Gedanke in drei Worten: „Ohne Nutzung keine Artenvielfalt."

Herausforderungen

Dass hinter dieser Landschaft harte Arbeit steckt, betonte auch Marion Gentges. Die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, selbst im Kinzigtal aufgewachsen, erinnerte daran, dass der Schwarzwald nur deshalb so aussehe und touristisch so anziehend sei, weil Bauern ihn über Generationen geformt hätten – unter Bedingungen, die immer schwieriger würden.

Wetterextreme, steigende Anforderungen, und ein Verbraucher, der selten bereit sei, den wahren Preis zu zahlen. Am Ende habe jeder eine Macht, die ihm oft nicht bewusst sei: „Unsere Landwirtinnen und Landwirte werden hier auf Dauer nur produzieren können, wenn ihre Waren hier auch gekauft werden." Zugleich warb sie für das Landesprojekt „In Verantwortung", das Menschen in landwirtschaftlichen Betrieben in schwierigen Lebenslagen Vertrauenspersonen und Hilfe zur Seite stellt. Ihren Gruß beschloss sie mit einem Segenswunsch für den Bauernstand.

Wie ernst die Lage ist, machte Diana Stierle konkret. Die Düngerpreise seien deutlich gestiegen, in Richtung 40 Prozent, während der Weizen in diesem Jahr zu Preisen wie vor zwanzig Jahren weggegangen sei; die Marktmacht liege beim Lebensmitteleinzelhandel. Was sie sich vor allem wünsche, sei Verständnis und Vertrauen: „Wir sind Fachkräfte, wir haben das gelernt." Man müsse miteinander reden, das sei das Wichtigste – und genau dafür sei so ein Tag da.

Der Klimawandel zeigt sich

Der Klimawandel war an vielen Stationen mit Händen zu greifen. Am Bienenstand berichtete Frieder Wolber, Vorsitzender des Imkervereins Schiltach-Lehengericht, dass es in diesem Jahr so gut wie keinen Tannenhonig geben werde – was für sich genommen normal sei, denn die Tanne honige ohnehin nur alle paar Jahre. „Wir dürfen nicht immer meinen, es gibt jedes Jahr alles", sagte er; die Völker seien durch die milderen Winter heute kräftiger, doch die Trockenheit setze der Tracht zu.

Etwas weiter, auf einem Waldpfad mitten im Wald, zeigte das Forstamt Rottweil an lebenden Käfern unter der Lupe, wie der Borkenkäfer Fichte und Weißtanne befällt – und warum der Wald im Klimawandel umgebaut werden muss.

Dass die steilen, mageren Flächen des Schwarzwalds kaum noch wirtschaftlich zu bearbeiten sind, führte eine Reihe von Spezialmaschinen vor Augen: ferngesteuerte Raupen-Mäher und Mulcher, wie sie an Hängen zum Einsatz kommen, an denen kein gewöhnlicher Traktor mehr fährt.

Wie nah altes Handwerk und neueste Technik an diesem Tag beieinanderlagen, zeigte sich am Stand der Jägergemeinschaft Sulzbach, wo die Kitzrettung Aichhalden ihre Wärmebild-Drohne vorführte. Doch auch entlang des übrigen Rundwegs traf beides aufeinander: An ihrem Grünland-Bereich zeigten die Bulldogfreunde Sulgen, wie man eine Sense dengelt; an anderer Stelle hatte derselbe Verein blitzblank geputzte Oldtimer-Traktoren aufgereiht. Gleich daneben trieb ein alter Standmotor ratternd die Strohseilmaschine an, mit der Friedrich Kipp aus Schiltach Seile aus Stroh drehte.

Eine lange Fotoleine mit historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erinnerte daran, dass Wiesen und Weiden über Generationen im Zusammenspiel von Mensch, Tier und Arbeit entstanden sind.

Zusammenspiel aus Landwirtschaft und Naturschutz

Dass Landwirtschaft und Naturschutz dabei keine Gegner sein müssen, war der rote Faden des Tages – und beide Landschaftsverbände der Region machten ihn sichtbar: neben dem gastgebenden LEV Mittlerer Schwarzwald auch der Landschaftserhaltungsverband Landkreis Rottweil um Geschäftsführerin Christina Romer.

Für das leibliche Wohl sorgten der Ortsbauernverein und die Landfrauenvereinigung Lauterbach gemeinsam mit der Narrengesellschaft „Hooriger Hund" Sulzbach; zum ökumenischen Gottesdienst spielte das Handharmonikaorchester Lauterbach, im Festzelt am Nachmittag der Musikverein Eintracht.