Wohnungsbau
: Eigenheim-Flaute im Kreis Rottweil

Ein dickes Minus bei den eigenen vier Wänden: Im vergangenen Jahr wurden nur 148 Wohnungen in neuen Eigenheimen gebaut.
Von
red/pm
Kreis Rottweil
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Mehr als nur das Zuhause: Die eigenen vier Wände sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Der Staat sollte Wohneigentum auch deshalb wieder intensiv fördern, so eine aktuelle Wohnungsmarkt-Studie.

Mehr als nur das Zuhause: Die eigenen vier Wände sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Der Staat sollte Wohneigentum auch deshalb wieder intensiv fördern, so eine aktuelle Wohnungsmarkt-Studie.

Nils Hillebrand
  • Eigenheim-Bau im Kreis Rottweil brach ein: nur 148 neue Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern.
  • Anfang des Jahrzehnts lag der Schnitt beim Eigenheimbau deutlich höher bei 331 pro Jahr.
  • Pestel-Institut meldet Umsatzverlust von 106,4 Mio. Euro für Bau- und Ausbaugewerbe.
  • Studienautoren fordern mehr staatliche Förderung und einen Wohneigentumsplan des Bundes.
  • Wohneigentum gilt als Altersvorsorge – sinkende Quote belastet auch den Mietmarkt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenig Chancen aufs eigene Haus: Der Landkreis Rottweil hat im vergangenen Jahr nur 148 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern dazubekommen. Das sah am Anfang des Jahrzehnts (2020 bis 2022) noch deutlich besser aus: Da sind beim Bau von Eigenheimen im Landkreis Rottweil im Schnitt 183 Wohnungen mehr entstanden – nämlich 331 pro Jahr.

Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut gemacht hat. Die Analyse ist Teil der Studie „Soziale Aspekte des Wohneigentums“. Darin hat das Forschungsinstitut im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ die Situation von Wohneigentum untersucht. Im Fokus dabei auch: der Kreis Rottweil.

Umsatzverlust von 106,4 Millionen Euro

Die „Eigenheim-Flaute“ trifft nach Angaben des Pestel-Instituts vor allem die regionale Wirtschaft hart: „Es geht um einen Umsatzverlust von 106,4 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr im Landkreis Rottweil verlorengegangen ist, weil der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist“, sagt Matthias Günther. Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts macht dabei deutlich, dass die entgangene Millionensumme vor allem die Bilanzen von Bauunternehmen sowie Handwerkern, Architekten und Planern im Kreis Rottweil und der Region treffe. „Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erläutert Günther.

„Das Wohnen in den eigenen vier Wänden hat im Kreis Rottweil einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Für viele ist der Traum vom Eigenheim immer schwerer zu erreichen“, sagt Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Betroffen seien vor allem die 25- bis 45-Jährigen: „Die Chancen, im Kreis Rottweil ein Haus zu bauen oder eine Immobilie zu kaufen, sinken immer weiter. Wohneigentum ist selbst bei einem durchschnittlichen Einkommen oft nur dann noch möglich, wenn es Hilfe aus der Familie gibt – zum Beispiel durch ein vorgezogenes Erbe“, so Mike Kammann. Aus der „Nestbauer-Generation“ drohe eine „Generation Miete“ zu werden.

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Wohneigentum wird zum Luxus

Es sei höchste Zeit, gegenzusteuern: „Wohneigentum darf nicht zum Luxus werden. Genau da muss jetzt etwas passieren: Die Eigentumswohnung, das Reihenhaus, das Einfamilienhaus – die Menschen, die bereit sind, dafür zu arbeiten und zu sparen, müssen sich die eigenen vier Wände auch wieder leisten können“, fordert der Schwäbisch Hall-Chef Mike Kammann. Er macht dabei klar: „Wer Wohneigentum will, muss dafür auch ein Stück weit auf Konsum verzichten. Das bedeutet zum Beispiel: eine Zeitlang keine teuren Fernreisen“, sagt Kammann.

Gleichzeitig müsse der Staat die Anschaffung von Wohneigentum dringend wieder intensiv fördern: „Da läuft im Moment so gut wie nichts. Der Bund lässt – anders als früher – die Menschen, die sich ihre eigenen vier Wände anschaffen wollen, im Stich“, so die Kritik vom Chef-Ökonom des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Ruf nach dem Bund

Um das zu ändern, fordert das Institut einen „Wohneigentumsplan des Bundes“. Dieser müsse mindestens auf Länderebene – und damit auch für Baden-Württemberg – Quoten als Zielmarken für die künftige Wohneigentumsentwicklung vorgeben. „Gekoppelt mit Förderprogrammen sollten dann auch Haushalte mit mittleren Einkommen im Kreis Rottweil davon profitieren und die Chance auf die eigenen vier Wände bekommen“, so Matthias Günther.

Der Leiter des Pestel-Instituts geht davon aus, dass sich das für den Staat sogar rechne, wenn er die Anschaffung von Wohneigentum unterstütze. Der Ökonom verweist dabei auf die „letzte effektive Förderung“ des Bundes für Wohneigentum: auf das Baukindergeld. „Da hat jeder Förder-Euro 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen nach sich gezogen – von der Umsatz- und Lohnsteuer auf dem Bau bis zur Grunderwerbsteuer. Dass der Bund ein Programm, das erfolgreich gelaufen ist, eingestellt hat, sorgt in der Branche für Kopfschütteln“, so Günther.

Baustein der Altersvorsorge

Für den Leiter des Pestel-Instituts ist das eigene Haus oder die Eigentumswohnung auch ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge: „Wenn die Rente kommt, haben die Menschen weniger Geld im Portemonnaie. Aber die Miete bleibt. Sie steigt sogar und drängt mehr und mehr ältere Menschen in die Altersarmut: Altersarmut ist Mieterarmut – auch im Kreis Rottweil.“

Hinter dem Wohneigentum stecke damit auch ein wichtiger sozialer Aspekt. „Wer mit einem mittleren Einkommen im Kreis Rottweil bereit ist, zu sparen, muss auch wieder die Chance auf Wohneigentum und damit auf soziale Sicherheit – gerade im Alter – bekommen“, sagt Mike Kammann. Der Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall macht klar: „Der Staat muss jetzt den Hebel umlegen, den Abwärtstrend, den es beim Wohneigentum in Baden-Württemberg gibt, stoppen und umkehren.“ Immerhin entlaste mehr Wohneigentum auch den angespannten Mietmarkt. Die derzeit sinkende Wohneigentumsquote in Baden-Württemberg sei dagegen ein Alarmsignal, das der Staat nicht länger ignorieren dürfe. Das stärke auch die regionale Wirtschaft: Der Mangel an Wohnraum wird immer mehr zum Hindernis bei der Anwerbung von spezialisierten Fachkräften und damit zur Wachstumsbremse.

Die Botschaft der Wissenschaftler vom Pestel-Institut an die Wohnungsbaupolitik ist klar: „Der Bund muss langfristig das Ziel verfolgen, Baden-Württemberg und ganz Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland zu machen.“ Denn eine Eigentumsquote von 50 Prozent und mehr wie in Österreich, den Niederlanden oder Schweden würde mehr dringend benötigten Wohnraum schaffen und zudem mehr soziale Stabilität bringen.