Von Rottweil bis Horb
: Großbrand auf A81 – so schildern die Feuerwehren den besonderen Einsatz

Nach dem Großeinsatz beim brennenden Gefahrgut-Lkw auf der A81 schildern die Feuerwehren nun die Herausforderungen und die Herangehensweise im Detail.
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(red/pm)
Oberndorf
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Den Großbrand auf der A81 bezeichnen die Feuerwehren als eine in der Region bislang einmalige Herausforderung.

Feuerwehr Horb

Der Lkw-Brand und Gefahrguteinsatz auf der Autobahn nahe Sulz von Montag bis Dienstag hat den Feuerwehrkräften alles abverlangt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Feuerwehr Empfingen, Feuerwehr Horb sowie den Feuerwehren des Landkreises Rottweil werden die Abläufe nochmals dargestellt.

Demnach wurden am Montag um 16.21 Uhr die Feuerwehr Empfingen zusammen mit der Feuerwehr Horb-Stadt mit dem Alarmstichwort „B4 – Lkw-Brand“ auf die A81 zwischen Empfingen und Sulz alarmiert. Bereits während der Anfahrt zu den Gerätehäusern gingen bei mehreren Integrierten Leitstellen in der Region — darunter Freudenstadt und Rottweil— zahlreiche weitere Notrufe ein, die von einer Explosion eines Tanklastzugs berichteten.

Daraufhin wurde im Landkreis Freudenstadt das Alarmstichwort auf „Brand 5“ erhöht und zusätzlich die Feuerwehren aus dem Landkreis Rottweil, insbesondere Sulz und Oberndorf, alarmiert.

Erste Lage beim Eintreffen

Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stellte sich die Lage folgendermaßen dar: Ein Tanklastzug mit fünf Kammern, beladen mit dem Gefahrstoff Toluol, war im Baustellenbereich am Ende der Mühlbachtalbrücke aus bislang unbekannter Ursache verunglückt und auf der Fahrbahn seitlich zum Liegen gekommen. Die Zugmaschine war stark deformiert und der komplette LKW samt Auflieger stand bereits im Vollbrand.

Entgegen erster Meldungen durch Ersthelfer befand sich der Fahrer glücklicherweise nicht mehr im Fahrzeug und wurde im weiteren Verlauf durch den Rettungsdienst versorgt und in ein Krankenhaus transportiert.

Herausfordernde Brandbekämpfung

Die Bekämpfung des Brandes gestaltete sich laut Mitteilung aus mehreren Gründen als äußerst schwierig: Zunächst war unklar, welcher Stoff geladen war. Die Brand- und Flammenausbreitung war massiv, begleitet von hoher Hitzeeinwirkung und enormer Rauchentwicklung.

Das geladene Toluol, ein leicht entzündliches Lösungsmittel, schwimmt auf Wasser auf, so dass dies zu weiteren Problemen bei der Brandbekämpfung führte.

Aufgrund des auslaufenden Mediums geriet die Böschung und Vegetation beidseitig der Autobahn ebenfalls in Brand und musste mit erheblichen Wassereinsatz abgelöscht werden. Die Ausbreitung des Lösungsmittels bis in das Erdreich konnte wegen der Einsatzsituation nicht gänzlich verhindert werden.

Löschwasser unzureichend

Die Löschwasserversorgung an der Einsatzstelle war aufgrund der Lage auf der Autobahnbrücke zunächst unzureichend. Wasserförderung, Brandbekämpfung und Unterstützung durch überregionale Kräfte

Zur Sicherstellung der Löschwasserversorgung wurden umfangreiche Maßnahmen getroffen: Zahlreiche Tanklöschfahrzeuge und Abrollbehälter Wasser und Sonderlöschmittel wurden von den Feuerwehren Böblingen, Sindelfingen, Rottenburg, Tübingen, Dornstetten, Rottweil, Tuttlingen und Bubsheim nachgefordert.

Zwei Schlauchleitungen auf beiden Seiten der Brücke wurden durch die Feuerwehren Horb und Sulz aus dem Mühlbachtal bis zur Einsatzstelle gelegt, um Wasser aus einem offenen Gewässer und dem Hydrantennetz von Renfrizhausen zur Einsatzstelle zu fördern. Die Wasserversorgung wurde ebenfalls durch einen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen sichergestellt.

Die Einsatzabschnitte

Der Einsatz wurde in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Abschnitt 1, die Brandbekämpfung im Bereich Süd, übernahmen Einsatzkräfte aus den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen. Um die Brandbekämpfung im Bereich Nord kümmerten sich Kräfte der Landkreise Freudenstadt, Tübingen und Böblingen.

Die Wasserförderung aus dem Tal oblag gemischten Einheiten der Landkreise Rottweil und Freudenstadt. Der Gefahrengutzug aus dem Kreis Rottweil und private Entsorgungsunternehmen sammelten das kontaminierte Löschwasser im Auffangbecken unter der Brücke, um ein Eindringen ins offene Gewässer und die Kanalisation zu verhindern, und transportierten dieses ab. Aufgrund der großen Löschwassermengen kamen mehrere Saugtankwagen zum Einsatz.

Zur besseren Übersicht über die Einsatzstelle setzte der Landkreis Rottweil eine Drohne ein. Diese lieferte laufend aktuelle Lagebilder aus der Luft und später auch Daten zur Temperaturbelastung des Unfall-Lkw.

Feuerwehren bleiben in Bereitschaft

Durch den Übergang von Wasser- auf Schaumeinsatz konnte der Brand wirksam eingedämmt werden. Dies führte zugleich dazu, dass deutlich weniger Löschwasser anfiel.

Gegen 21.30 Uhr wurde das Feuer als gelöscht gemeldet. Aufgrund der Drohnenaufnahmen wurde der Lkw nach dem Ablöschen weiterhin mit Wasser gekühlt, da nicht auszuschließen war, dass alle Kammern vollständig ausgebrannt waren, und da noch eine deutliche Wärmebelastung festgestellt wurde.

In Sulz, Empfingen und Horb wurde durch diverse Feuerwehreinheiten über die Dauer des Einsatzes der so genannte Grundschutz sichergestellt, um für eventuell auftretende Paralleleinsätze bereit zu stehen.

Warnungen an die Bevölkerung

Wegen der massiven Rauchentwicklung, die teils über Dutzende Kilometer hinweg sichtbar war, wurden noch während der Brandbekämpfung zwei Warnmeldungen an die Bevölkerung über das Modulare Warnsystem (MoWaS) ausgelöst, zunächst für den Zehn-Kilometer-Umkreis.

Nach Analyse der Wetter- und Windverhältnisse durch den Polizeihubschrauber und den Deutschen Wetterdienst wurde die Warnung auf einen 30 Kilometer langen Streifen in Windrichtung ausgeweitet.

Messfahrzeuge der Feuerwehren Horb, Tübingen, Engstlatt und Schramberg führten kontinuierlich Schadstoffmessungen in der Region durch. Diese ergaben keine kritischen Werte, dennoch war über große Entfernungen hinweg eine deutliche Geruchsbelästigung wahrnehmbar.

Die Warnmeldungen konnten in der Nacht (für die weite Zone) und am Morgen nach dem Unfall für den Nahbereich wieder aufgehoben werden.

Einsatz von TUIS und der BASF-Werkfeuerwehr

Schon während der Brandbekämpfung wurde über das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) fachliche Unterstützung angefordert.

TUIS ist ein Netzwerk der chemischen Industrie, das im Gefahrgutbereich mit speziell geschulten Werkfeuerwehren Unterstützung bei Unfällen leistet.

Nach telefonischer Abstimmung wurde die Werkfeuerwehr der BASF Ludwigshafen an die Einsatzstelle entsandt. Deren Spezialkräfte begannen gegen 3.45 Uhr nach stundenlangen Vorbereitungen, das noch im Tankauflieger verbliebene Toluol in ein Ersatzfahrzeug umzupumpen — eine Maßnahme, die bis in die Morgenstunden andauerte.

THW und DRK unterstützen

Das THW aus Horb, Schramberg und Rottweil stellte während des gesamten Einsatzes die Ausleuchtung der Einsatzstelle sicher.

Der Regelrettungsdienst aus den Landkreisen Freudenstadt und Rottweil war mit mehreren Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeugen dauerhaft vor Ort. Ergänzend dazu unterstützten die DRK-Ortsvereine Empfingen, Horb, Ergenzingen und Wittendorf sowie DRK-Einsatzeinheiten die medizinische Absicherung und Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränken.

Führung und Koordination

Die Einsatzstelle lag auf der Gemarkung Renfrizhausen. Die technische Einsatzleitung oblag der Feuerwehr Empfingen (Landkreis Freudenstadt) unter Kommandant Dieter Eger.

Die Führungsgruppe Horb/Empfingen/Eutingen übernahm die Koordination und die Einsatzleitungskomponenten sowie zusammen mit dem Pressesprecher des Landkreises Rottweil die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich der fortlaufenden Lageupdates über Social Media.

Bilanz des Einsatzes

Insgesamt waren mehr als 300 Feuerwehrkräfte aus mehreren Landkreisen mit 62 Fahrzeugen im Einsatz und rund 100 Kräfte von Hilfs- und Rettungsdiensten mit etwa 40 Fahrzeugen.

Der Einsatz dauerte vom 14. Juli, 16.21 Uhr, bis zum Tag darauf um 8.23 Uhr an. Nach Abschluss der Brandbekämpfung konnte die Personalstärke sukzessive auf rund 130 Feuerwehrkräfte reduziert werden, diese waren bis zum Ende im Einsatz.

Einmalige Herausforderung

Dieser Einsatz habe durch seine Größe, Gefahrgutlage, Umweltgefahr, Wetter und lange Dauer eine in der Region bislang einmalige Herausforderung dargestellt, heißt es in der Mitteilung der Feuerwehren.

Besonders hervorzuheben sei die hervorragende Zusammenarbeit aller beteiligten Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Behörden und Institutionen über Landkreisgrenzen hinweg. Dank der professionellen Kooperation habe eine weitere Eskalation der Lage verhindert und die Umweltbelastung begrenzt werden können.

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