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: Werner Mezger: ein bissle mehr als Fasnet

Zur Übertragung großer Umzüge der schwäbisch-alemannischen Fasnet im SWR gehört der Rottweiler Werner Mezger seit über 30 Jahren dazu. Von Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein wird er gern „unser Fasnets-Käpsele“ genannt. Im Gespräch erzählt Mezger von den Chancen, die sich ihm im Leben geboten haben.
Von
Eric Zerm
Oberndorf
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Werner Mezger mit einer Rottweiler Biß-Larve. Fasnetstraditionen faszinieren ihn seit seiner Kindheit und über die fünfte Jahreszeit ist er ein bekanntes SWR-Gesicht. Mezgers Interessen decken aber ein viel größeres Feld ab.

Eric Zerm/Eric Zerm

Radiosendungen, Talkshows, Fernsehübertragungen, Moderationen, Artikel, Bücher, eine langjährige Professur an der Universität Freiburg und in den vergangenen zweieinhalb Jahren sogar eine Berufung ins Kuratorium für die Ausstellung „Figures du Fou“ („Figuren des Narren“) im weltberühmten Musée du Louvre in Paris – der Rottweiler Werner Mezger hat in seinem Leben einiges bewegt, meint aber bescheiden: „Ich habe bei vielen Dingen einfach Glück gehabt und bin zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Leuten begegnet.“

Geboren 1951 im Spital in Rottweil

Geboren wurde er 1951 im Spital in Rottweil und besuchte in Rottweil auch die Grundschule und später das Albertus-Magnus-Gymnasium. Sein Interesse an der Heimat und ihrer Geschichte verdanke er seinem Grundschullehrer, verrät er, und als geborener Rottweiler kam er natürlich schon von Kindheit an mit der Fasnet und mit den heimischen Narren in Kontakt. „Das faszinierte mich schon als Kind, und irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, an dem ich mich fragte: Warum macht man das eigentlich? – Vor allem aber interessierte mich: Was genau ist überhaupt ein Narr? Und die Suche nach Antworten hierauf hat mir im Lauf der Zeit ein wahres Wissensuniversum eröffnet.“

Neuentdeckung Volkskunde

Als junger Mann nahm er an der Universität Tübingen das Studium der Fächer Germanistik und Geschichte auf. Dass schließlich noch ein drittes Fach hinzu kam, war die Folge einer verwechselten Vorlesung. „Ich dachte, sie gehöre zur Germanistik, aber es war Volkskunde, später Empirische Kulturwissenschaft. Diese Neuentdeckung hat mich von Anfang an gefesselt und sollte irgendwann mein ganzes Leben prägen.“ 1975 legte er das Staatsexamen ab und wurde im selben Jahr noch promoviert.

Mezger arbeitet wissenschaftlich weiter

„Mit 24 war ich wieder in der Schule – jetzt allerdings als Referendar.“ Neben seiner Lehrerlaufbahn am Gymnasium in Hechingen arbeitete Mezger nach wie vor wissenschaftlich weiter und publizierte viel.

Lutz Röhrich wird aufmerksam

Auf seine Veröffentlichungen wurde schließlich Lutz Röhrich aufmerksam, damals Inhaber des Lehrstuhls für Volkskunde an der Universität Freiburg und auch bekannt als Herausgeber des „Lexikons der sprichwörtlichen Redensarten“. „Er bot mir an, mich zu habilitieren.“

Vom Radio zum Fernsehen

Mezger entschied sich für das Thema „Narrenidee und Fastnachtsbrauch – Studien zum Fortleben des Mittelalters in der europäischen Festkultur“. „Ein 450-Seiten-Opus“, kommentiert er seine damalige Arbeit. „Das war neben der Schule ein ziemlicher Kraftakt, hat mir aber in der internationalen Forschung einen Namen gemacht.“

Kontakt mit dem Rundfunk

In Kontakt mit dem Rundfunk kam Werner Mezger wegen eines Verlags, der ein geplantes Buch nicht druckte. Der Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger empfahl Mezger daraufhin, aus seinem Manuskript doch „ein Rundfunk-Vorträgle“ zu machen. Dieses kam offenbar gut an. Martin Blümcke, damals Kulturredakteur beim SDR, zu Mezger: „Das können wir ab jetzt öfter machen.“

Plötzlich ist der Spickzettel weg

Blümcke testete später auch auf seine Weise die Live-Tauglichkeit von Werner Mezger. Während einer „Funkfahrt ins Blaue“ vom Albtrauf zog er Mezger beim Interview einfach den Notizzettel aus der Hand, um zu sehen, ob es dieser am Mikrofon auch ohne schafft. „Ich brachte es glimpflich zu Ende“, schmunzelt er heute.

Unterhaltsam informieren

Bei seinen späteren Gastrollen in der Sendereihe „Zeit zum Zuhören“, moderiert von Hans-Dieter Reichert, merkte man beim SDR dann, dass Mezger Information geschickt mit Unterhaltung verbinden kann. „Infotainment“ nannte man das damals.

Howard Carpendale bleibt souverän

Eine Erfahrung, wie man bei Medien auch abstürzen kann, speziell im Fernsehen, machte Mezger bei einer WDR-Sendung von Carmen Thomas. Ihm war dort die nicht sonderlich dankbare Rolle zugedacht, Schlagerstar Howard Carpendale aus der Reserve zu locken und dessen Songs kritisch zu hinterfragen. Doch Carpendale gab ihm einfach Recht und nahm damit jeder Kritik den Wind aus den Segeln.

Faszination Fernsehen

Das Medium Fernsehen ließ Mezger trotzdem nicht mehr los. Aus kleinen Anfängen und kurzen Statements vor der Kamera sind im Lauf der Zeit über 450 ausgewachsene Sendungen geworden. 1992 war Mezger dann erstmals Co-Moderator bei der TV-Übertragung eines Narrentreffens in Bad Cannstatt. Zwar stand am nächsten Tag in der „Stuttgarter Zeitung“ ein Totalverriss, aber die Zuschauer sahen das ganz anders. Es gab hunderte von begeisterten Zuschriften.

Der Fasnet im Fernsehen treu

Der Fasnet im Fernsehen ist Werner Mezger bis heute treu. Auch 2025 berichtete er wieder mit Sonja Faber-Schrecklein vom Narrentreiben in Ulm, Waldshut und Ehingen. „Ich verdanke dem Fernsehen viele tolle Begegnungen, die ich sonst nie gehabt hätte.“ Und dankbar blickt er auch auf seine jüngste Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des Louvre in Paris: „Vom besucherstärksten Museum der Welt ins Expertenteam geholt zu werden, ist das Entré in die Königsklasse. Mehr kann man sich nicht wünschen.“

Der Rottweiler mit Biss
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