Schornsteinfeger aus Villingendorf: Schwarz vor Glück in Italien – und das aus der ganzen Welt

Die Gruppe steuert das internationale Schornsteinfeger-Treffen in Santa Maria Maggiore an.
Wagner- In Santa Maria Maggiore fand das 43. Internationale Schornsteinfeger-Treffen statt.
- Eine 50-köpfige Gruppe aus Villingendorf und Baden-Württemberg reiste dorthin.
- Rund 1200 Schornsteinfeger aus vielen Ländern nahmen teil – Musik und Trachten prägten das Bild.
- In Malesco ehrten Teilnehmer den 13-jährigen Faustino Cappini mit Blumen und stillem Gedenken.
- Höhepunkt war der Festumzug am Sonntag, danach feierten Besucher an großen Tischen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vier Tage voller Tradition, Begegnungen, Musik und ganz viel Glück: Wenn in Santa Maria Maggiore die Straßen schwarz werden, hat das nichts mit einem Stromausfall zu tun. Dann sind die Schornsteinfeger los… und mit ihnen eine Tradition, die Menschen aus aller Welt jedes Jahr Anfang September in das kleine italienische Bergdorf zieht - zum internationalen Schornsteinfeger-Treffen in Santa Maria Maggiore mitten im Piemont.

Die Schornsteinfegergruppe Sekinger am Denkmal in Malesco
WagnerEine 50-köpfige Gruppe aus Villingendorf und aus dem Einzugsbereich von fast ganz Baden-Württemberg (mit Schornsteinfegern, Angehörigen, Freunden und Festdamen) ließ sich dieses besondere Erlebnis nicht entgehen. Seit vielen Jahren schon pflegt Stefan Sekinger, leidenschaftlicher Schornsteinfegermeister und Inhaber des einzigen Schornsteinfegermuseums in Deutschland, den guten Kontakt zum Museum in Santa Maria Maggiore und fährt jedes Jahr mit dem Bus hin.
Wo die „Männer in Schwarz“ zu Hause sind
Rund 1200 Schornsteinfeger aus zahlreichen Ländern kamen in diesem Jahr in das Tal, das als eine der historischen Wiegen des Schornsteinfegerhandwerks gilt. Bereits auf Karten des 16. Jahrhunderts wurde das Valle Vigezzo als „Tal der Schornsteinfeger“ bezeichnet. Über Jahrhunderte zogen Männer aus den Bergdörfern nach Frankreich, Deutschland, Österreich in die Niederlande und in weitere Länder Europas, um dort als Schornsteinfeger ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Die Geschichte hatte allerdings nicht nur eine romantische Seite. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert mussten zahlreiche Kinder aus armen Familien als sogenannte „kleine Spazzacamini“ ihre Heimat verlassen. Die Jungen arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen und verbrachten die Wintermonate fern von ihren Familien. Diese dunkle Seite der Geschichte wird bis heute bewusst in Erinnerung gehalten.
Erinnerung an den kleinen Faustino
Besonders bewegend ist deshalb der Besuch des Denkmals in Malesco. Dort erinnert ein bronzenes Denkmal an den kleinen Schornsteinfeger Faustino Cappini.
Faustino stammte aus Re im Valle Vigezzo und war gerade einmal 13 Jahre alt, als er bei seiner Arbeit in der Nähe von Mailand ums Leben kam. Nachdem er einen Kamin gereinigt hatte, wollte er offenbar zeigen, dass seine Arbeit beendet war. Dabei kam er mit einer Hochspannungsleitung in Berührung.
Ein Denkmal wurde 1982 in Malesco errichtet und erinnert stellvertretend an das Schicksal vieler Kinder, die einst unter schwierigsten Bedingungen als Schornsteinfeger arbeiten mussten. Dort trafen sich alle Schornsteinfeger und es wurde ein Blumenschmuck abgelegt mit stillem Gedenken.
Vier Tage im Zeichen von Freundschaft und Tradition
Vom ersten bis zum letzten Tag stand die ganze Region im Zeichen der Schornsteinfeger. Musik, traditionelle Kleidung, historische Arbeitsgeräte und internationale Begegnungen bestimmten das Bild.
Die Teilnehmer wurden musikalisch durch die engen Gassen begleitet. Überall begegnete man Menschen in schwarzer Arbeitskleidung, mit Bürsten, Kehrwerkzeugen und den typischen Zylindern. Dazu die bunten Festdamen in ihren landestypischen Trachten - ein beeindruckendes Bild und ein sichtbares Zeichen dafür, wie international das Schornsteinfegerhandwerk inzwischen geworden ist.
Der große Höhepunkt: Der Festzug
Der Höhepunkt war am Sonntag der große Festumzug durch das festlich geschmückte Santa Maria Maggiore. Fast 1200 Schornsteinfeger aus aller Welt zogen durch das Dorf – nach Nationen und Gruppen geordnet, in ihren traditionellen Arbeitskleidern und mit den Werkzeugen ihres Handwerks. „Spazzacaminio! Spazzacamino!“ - der italienische Ruf nach dem Schornsteinfeger – war überall zu hören und das Publikum wollte viele Glücksbringer auch anfassen, um Glück zu bekommen.
So viel Glück auf einem Fleck gibt es wohl kaum irgendwo auf der Welt
Während des Umzugs war das gesamte Dorf auf den Beinen. Straßen und Plätze waren geschmückt. Mehrere tausend Menschen standen dicht an dicht gedrängt am Straßenrand und überall herrschte eine ausgelassene, herzliche Atmosphäre.
Nach dem Festzug standen große Tische als Festtafeln auf den Straßen, an denen gemeinsam getrunken, gegessen, musiziert und gelacht wurde.
Das Internationale Schornsteinfegertreffen wird seit 1982 (wegen der Corona-Pandemie musste es 2020 und 2021 pausieren) veranstaltet und hat sich von einem kleinen Treffen zu einem internationalen Ereignis entwickelt.
Mit vielen tollen Eindrücken zurück nach Villingendorf
Nach vier erlebnisreichen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen von Santa Maria Maggiore und dem Valle Vigezzo. Mit vielen neuen Eindrücken, schönen Begegnungen und dem einen oder anderen rußgeschwärzten Gesicht machte sich die Gruppe vom Schornsteinfeger Museum in Villingendorf wieder auf die Heimreise.