Sanierung in Rottweil
: Familie Fenner beweist gute Nerven und Beharrlichkeit

In einer Serie stellen wir Familien vor, die sich in der Innenstadt und In der Au ihren Traum vom eigenen Heim verwirklicht haben. Heute: Lena und Alex Fenner.
Von
Stefanie Siegmeier
Oberndorf
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Lena und Alex Fenner mit Sohn Oscar freuen sich schon auf ihr neues Zuhause.

Siegmeier

Es ist ein echtes Kleinod, mit seinem schmucken Mansarddach und dem kleinen Garten hinter dem Haus. Solche Immobilien wie diese in der Schlachthausstraße, gleich neben der alten Feuerwache – freistehend, mitten in der Innenstadt – findet man nur selten.

Als das Haus vor drei Jahren einen neuen Eigentümer suchte, waren Lena und Alex Fenner sofort Feuer und Flamme. Das Haus gefiel ihnen mit dem Garten nicht nur äußerst gut, sondern auch die Anbindung an Einkaufsmärkte und die Innenstadt. „Wir waren gar nicht direkt auf der Suche, aber da konnten wir nicht Nein sagen“, erinnert sich Lena Fenner.

Drei Wohnungen Als sie das Haus übernahmen, war es zwar leer, jedoch in drei kleine Wohnungen aufgeteilt. Es gab also einiges zu tun. Bauherr Alex Fenner indes ist vom Fach. Als Zimmerermeister und studierter Bauingenieur führt er die meisten Arbeiten außer Heizung und Sanitär sowie die Elektroanschlüsse selbst aus. Er kennt mittlerweile nicht nur jeden Winkel im Haus, sondern auch jeden Stein. Jeden Balken hat er persönlich freigelegt, jede Wand selbst herausgebrochen oder wieder aufgebaut. Fünf Schichten Tapeten mussten teilweise abgekratzt und drei Lagen Fußböden herausgerissen werden.

„Wenn man das alles alleine macht, braucht es natürlich länger, aber man kennt sich hinterher bestens aus“, nennt er die Vorzüge. Rät dies aber auch nur denjenigen, die fachkundig sind, denn sonst könne das schnell schiefgehen.

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Esszimmer alt

Foto: Fenner

Damit die kleine Familie ausreichend Platz hat, denn zum fünfjährigen Oscar gesellt sich Anfang Oktober noch ein Geschwisterchen dazu, sollte das bisher ungenutzte Dachgeschoss ausgebaut werden. Deswegen stellte die Familie einen Bauantrag bei der Stadt. „Doch dadurch, dass die oberste Fußbodenhöhe den Grenzwert geringfügig überschritten hat, kamen wir in eine höhere Gebäudeklasse und brauchten plötzlich ein Brandschutzkonzept und Prüfstatik“, schildert Alex Fenner die Situation. Dadurch hätten sich die Arbeiten erst mal verzögert.

Ensembleschutz Lena und Alex Fenner sind froh, dass das Gebäude aus dem Jahr 1912 nicht unter Denkmalschutz steht, jedoch unterliegt es dem Ensembleschutz, der ebenfalls seine Herausforderungen mit sich bringt, wie sich schnell herausstellte.

Esszimmer neu

Foto: Fenner

„Wir durften die Außenwände leider größtenteils nicht dämmen, da die steinerne Verblendung vom Untergeschoss dann gegenüber der Fassade zurückgesetzt wäre“, schildert Alex Fenner. Eine Innendämmung kam aufgrund der geringen Raumgrößen nicht in Frage. Lediglich im Wohnzimmer hätten sie von innen eine zweieinhalb Zentimeter dicke Kalziumsilikatplatte angebracht, die jedoch eher der Schimmelvorbeugung dient. „Energetisch mussten wir daher Abstriche machen und einen Kompromiss eingehen, mit dem wir nicht auf dem Stand der Technik sind“, sagt Alex Fenner.

Zudem fällt das Gebäude nicht mehr ins Sanierungsgebiet. Die Grenze verläuft direkt neben dem Haus. Fördermittel sind dadurch nicht zu erwarten. Aber dennoch lassen sich Lena und Alex Fenner nicht verdrießen. Immer wieder suchten sie das Gespräch mit dem Bauamt und erklärten, warum eine Maßnahme notwendig oder sinnvoll ist. Meist wurde dem stattgegeben. „Man muss die Dinge einfach offen und sachlich kommunizieren“, raten sie.

Eine Herkulesaufgabe Alex Fenner ist seit nunmehr drei Jahren fast jeden Tag auf der Baustelle, denn die Arbeit geht nicht aus. „Das ist mein Lebenswerk“, sagt er. Als Bürde empfinde er die Arbeit nicht, man komme aber auch an seine Grenzen.

Im Wohnzimmer und ersten Obergeschoss hat er das alte Fachwerk freigelegt. Im Dachgeschoss hat er zwei Dachfenster eingebaut, um mehr Licht zu bekommen. Auch das sei nicht sofort genehmigt worden, später dann aber doch. Dadurch dass Brandschutzauflagen erfüllt werden müssen, hatten sie Glück, dass sie im Dachgeschoss ein großes Fenster einbauen durften, über das Menschenrettung seitens der Feuerwehr möglich ist. Über die vielen Fenster können die Fenners gleich drei der Rottweiler Türme sehen: den Hochturm, den Testturm und den Münsterturm. Im Garten werden sie noch einen Carport bauen, der aufgrund der Platzsituation bereits genehmigt wurde.

Noch gibt es eine ganze Menge zu tun, bis die Familie einziehen kann, doch vom ersten Moment an waren die Fenners glücklich, die Entscheidung getroffen zu haben. Umzug soll Ende August sein.