Salinenmuseum in Rottweil: 22.000 neue Schindeln für den historischen Rundbehälter

Zimmerermeister Hubert Nowack gewährt Einblicke in die derzeit laufenden Sanierungsarbeiten: Unter anderem wird der Rundbehälter mit 22.000 neuen Schindeln aus Zedernholz neu eingedeckt.
Hermann- Salinenmuseum Rottweil saniert Rundbehälter: 22.000 Zedernholz-Schindeln in Handarbeit.
- Grund sind undichte Schindeln und Wasserschäden an Kuppel und Statik, Sanierung war nötig.
- Glaskuppel ist abgenommen, bekommt neue Gläser, Metalltechnik und einen neuen Auflagering.
- Oberer Bereich wird mit Bleikranz geschützt – Arbeitsgerüste werden teils aus Holz selbst gebaut.
- Kosten betragen 530.000 Euro, Arbeiten laufen bis Ende des Jahres, Wiedereröffnung im nächsten Jahr.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Rundbehälter im Salinenmuseum ist in die Jahre gekommen, die Schindeln sind undicht, durch Wassereintragungen an der Kuppel sind zudem erhebliche Schäden entstanden. 530.000 Euro hat der Gemeinderat Rottweil für die Sanierung des Gebäudes bereitgestellt, das ein Stück Rottweiler Wirtschaftsgeschichte erzählt. Die Arbeiten laufen derzeit auf Hochtouren.
Ein wenig gleicht die Baustelle in den Primwiesen dieser Tage der Klosterbaustelle „Campus Galli“ in Meßkirch. Denn auch hier am Rundbehälter kommen alte Handwerkstechniken zum Einsatz, die längst nicht mehr jeder beherrscht. Zurzeit bekommt der historische Rundbehälter ein neues „Kleid“ aus Schindeln. Und die zu verlegen, ist gar nicht so einfach, erklärt Zimmerermeister Hubert Nowack, der die Arbeiten mit seinem Betrieb ausführt, wie auch an der historischen Schindelbrücke in der Au, wo der Austausch der Schindeln ebenfalls noch Thema sein wird.
Schäden machen auch der Statik Probleme
Am Rundbehälter sind die unteren Schindelreihen bereits entfernt. Lediglich das Holzgerüst ist hier noch zu sehen. Durch Wind und Wetter, aber auch durch Ameisen und andere Tiere sind die Schindeln arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Zuletzt drang zudem vermehrt Wasser ein. Die Schäden am Holz machten auch der Statik Probleme. Eine Sanierung war dringend notwendig. „Nach 40 Jahren sind solche Schindeln durch und müssen ersetzt werden“, erklärt Nowack und zeigt eine Schindel, an der sich Ameisen zu schaffen gemacht hatten. Viel ist davon nicht mehr übrig.
Die neuen Schindeln stehen bereits parat – Zeder aus Nordamerika. Die gilt als sehr haltbar. Zudem sind die Schindeln gespalten und nicht gesägt. Das macht sie zudem weniger anfällig, erklärt Nowack. 22.000 Schindeln in etwa werden für den Rundbehälter benötigt. Und die werden in Handarbeit aufgenagelt. Jede mit zwei Nägeln. Und auch der Versatz muss stimmen, damit, wenn eine Schindel irgendwann reißt, Wasser nicht in einen darunter liegenden Spalt eindringen kann. So ist der Versatz immer unterschiedlich – eine echte Herausforderung für die Handwerker und eine echte Geduldsprobe.

Die Schindeln werden in Handarbeit aufgenagelt.
HermannDie Glaskuppel des Rundbehälters ist bereits abgenommen und liegt neben dem Gebäude. Sie bekommt neue Gläser, und auch die Metalltechnik wird überarbeitet. Der Ring, auf dem die Kuppel auflag, war durch Schwitzwasser stark beschädigt und muss ersetzt werden. Generell ist der obere Bereich des Rundbehälters, der relativ flach ist, schwierig vor eindringendem Wasser zu schützen. Ein Bleikranz aus Walzblei soll das künftig verhindern.
Im Innern des Rundbehälters ist ein Stützgerüst aufgebaut, das zum einen die Statik sichert, auf dem aber auch Arbeiten an den Rundbögen ausgeführt werden. Um den oberen Bereich des Rundbehälters mit Schindeln einzudecken, wird auch von außen ein Arbeitsgerüst notwendig, was aufgrund des Halbrunds nicht einfach ist. Es wird aus Holz selbst gebaut, informiert Nowack. Das spare einen hohen Kostenbetrag, lässt er wissen.
Doch bis der Rundbehälter komplett neu „eingekleidet“ ist, braucht es noch etwas Zeit. „Wir haben noch einiges vor uns“, sagt Nowack. Bis Ende des Jahres werden die Arbeiten wohl dauern. Dann könnte das Museum über den Winter eingerichtet und nächstes Jahr wieder an den Start gehen. Die Firma Ott aus Gammertingen übernimmt die Sanierung der Holzkonstruktion und das Planungsbüro AeDis aus Ebersbach an der Fils hat die Planung und Bauüberwachung inne.
Ein Rückblick
1969 wurde die Saline Wilhelmshall stillgelegt. Der Solebadverein hatte das „Untere Bohrhaus“ 1976 erworben und nach und nach mit allerlei Relikten der einstigen Soleförderung bestückt. Seit 1982 gibt es das Museum, 1983 wurde der Rundbehälter dort aufgestellt. An den Wochenenden finden dort Hochzeiten oder Familienfeiern statt – eine wichtige Einnahmequelle für den Förderverein „Salinenmuseum Unteres Bohrhaus“. Dass das Untere Bohrhaus nicht abgerissen und sogar 1983 noch einer der Solerundbehälter hierher versetzt wurde, ist letztlich auch dem einstigen Rottweiler Gemeinderat Karl Raible zu verdanken. Raible war es, der im April 1975 den Solebadverein gründete, schreibt Martina van Spankeren-Gandhi in einem Beitrag in den Heimatblättern 2019. Mit dem Verein sollte vor allem die künftige Nutzung der Sole gewährleistet werden. Auch das Untere Bohrhaus hatte der Solebadverein 1976 erworben. Raible und seine Mitstreiter sammelten aber auch alles, was einst mit der Königlichen Saline Wilhelmshall zu tun hatte. Sie legten damit den Grundstein für das spätere Museum. Die Stadt Rottweil kaufte die Gebäude 1983 vom Solebadverein zurück. 1986 wurde als Nachfolge des Solebadvereins der Förderverein Salinenmuseum Rottweil gegründet. Weitere Info unter www.salinenmuseum-rottweil.de

