Rottweil
: Biß mit Preisschild im Schaufenster

Dieter Albrecht will mit neuer Aktion "Fasnet den Spiegel vorhalten". Passanten verwundert.
Von
Stefanie Siegmeier
Oberndorf
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Albrechts Biß steht zum Verkauf im Schaufenster.

Siegmeier

Rottweil - Ein Biß im Schaufenster eines Ladens in der Innenstadt?! Das ist das eine, was so manchen Passanten am Mittwoch in der Früh erstaunt haben dürfte. Und dann noch mit Preisschild. Das geht ja gar nicht. "Doch das geht", betont Dieter E. Albrecht, Initiator der Aktion. Ein "Aufreger" ist das in seinen Augen allerdings nicht.

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich. Kaum sind die Wogen um Dieter E. Albrechts Schantle-Aktion abgeebbt, beglückt er die Rottweiler bereits mit einer nächsten. Bei Albrecht scheint Fasnetsausverkauf angesagt zu sein. Ist doch sein Rottweiler Biß mit Brief und Plakette nicht nur bei Ebay-Kleinanzeigen zum Kauf angeboten, sondern es steht im Concept Store von Simon Rau in der Oberen Hauptstraße tatsächlich im Schaufenster. Mit Preisschild. 6500 Euro will Albrecht für das gute Stück haben (der Neupreis für ein solches Kleidle liegt im Schnitt bei 5500 Euro, heißt es aus den Reihen der Fasnetshandwerker).

Dieter Albrecht versteht die Aufregung nicht, wie er im Gespräch sagt. "Wo liegt der Unterschied, ob ich es online anbiete, oder es ins Schaufenster stelle?". Ladeninhaber Simon Rau sieht es als Protestaktion gegen den Onlinehandel. "Ob man diesen Protest an der Fasnet festmachen muss, das kann man sich fragen. Aber gegen den Onlinehandel muss etwas getan werden", sagt er und freut sich, dass an diesem Morgen schon viele Leute in sein Schaufenster geschaut haben.

"Ich habe mit der Fasnet gebrochen", erklärt Dieter Albrecht. So habe er jetzt nicht nur seinen Schantle – medienwirksam – an ein Museum übergeben, sondern wolle auch noch sein letztes Narrenkleid loswerden. "Ich werde lediglich noch als Zuschauer oder Abwesenheitspublikum fungieren", so Albrecht, der überzeugt ist, dass die Zahl der Leute, die stehen bleiben und ins Schaufenster schauen, größer ist, als die der Kritiker.

"Simon Rau und ich haben in den vergangenen Wochen abgeschätzt, ob die Aktion für ihn positive oder negative Folgen haben könnte. Doch wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das Positive überwiegen wird", so Albrecht. Außerdem seien er und Rau Geschäftsleute. Und der Verkauf sei eben Marktwirtschaft. "Wenn man sich von der Fasnet gelöst hat, ist so ein Kleidle als Wirtschaftsgut anzusehen", sagt Albrecht. Zudem hält auch er den Onlinehandel mit Narrenkleidern für fragwürdig. Einerseits werde bei der Rottweiler Fasnet alles so streng gehandhabt und andererseits gebe es dann diesen Handel mit den Kleidle. Deswegen wolle er mit der Aktion der Fasnet den Spiegel vorhalten.

"Ich finde den Handel mit den Kleidle nicht gut. Sie sind etwas Besonderes, da sollte sich die Narrenzunft lieber überlegen, ob sie nicht eine Art Börse für Narrenkleidle initiiert, um den Handel zu kanalisieren", schlägt Rau vor. Profit wolle er aus der Fasnet, oder vielmehr aus der Aktion, nicht ziehen. Sollte das Biß verkauft werden, erhalte er ein Prozent des Verkaufspreises. "Und den werde ich dann der Narrenzunft spenden", sagt er.

Ab sofort könne das Kleidle reserviert, erworben, und am Fasnetssamstag abgeholt werden. Dieses war der zweite Streich, und der dritte folgt sogleich, denn sollte das Kleidle bis dahin nicht verkauft werden, werde Albrecht das Biß Touristen zum Preis von 7500 Euro verkaufen, kündigte er an. "Auch das ist Marktwirtschaft. An Fasnet sind ja auch Bratwürste und Sekt teurer als zu anderen Zeiten", so Albrecht, der versichert, dass sein Narrenschrank jetzt leer sei und nur noch Baurakittel dort hängen würden. Aber wie man Dieter Albrecht kennt, wird die nächste Aktion nicht lange auf sich warten lassen.

Ein Statement der Narrenzunft steht noch aus.

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