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Rottweil Schantle-Auktion sorgt für Kritik

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Foto: Albrecht

Rottweil - Es ist eine Auktion, die Emotionen hochkochen lässt und die an keinem anderen Ort als in Rottweil für solch eine Diskussion hätte sorgen können. Im Mittelpunkt der Debatte stehen ein alter Schantle und zwei Begriffe, die so gar nicht zusammenpassen: Tradition und Ausverkauf.

Dieter E. Albrecht ist im Besitz eines geschichtsträchtigen Schantle. Das gute Stück stammt aus dem Jahr 1928 und wurde unter anderem von Edwin Glükher getragen, der von 1887 bis 1923 Stadtschultheiß in Rottweil war. Im Narrenschrank der Albrechts hängt das Narrenkleid bereits in sechster Generation. So weit, so gut.

Nun hat Albrecht diesen Schantle auf der Auktionsplattform Ebay eingestellt – für ein Mindestgebot von 15. 000 Euro. Wohlwissend, dass er damit den Ärger einiger Rottweiler auf sich ziehen wird. Albrecht weist in seinem Exposé aber auch darauf hin, dass er durchaus mit dem Gedanken spiele, das Erbstück einem Museum zukommen zu lassen. Er lässt sich Bedenkzeit.

Verkauf ein "No-Go"

Seit der Artikel auf Ebay hochgeladen wurde, haben sich zahlreiche Kommentatoren in verschiedenen Facebook-Gruppen zu Wort gemeldet. Viele davon verurteilen Albrechts Vorgehen oder machen sich über ihn lustig. Andreas Wilkens etwa schreibt, es sei ein "No-Go", ein so altes Narrenkleid auf diese Art und Weise zu verkaufen. Oder eine Kommentatorin namens Stefanie Bächle: "Dezentes Kopfschütteln. Dem, der die 15.000 Euro hinlegt, gehört auch auf die Finger geklopft. Mit sowas dealt man nicht." Dabei hat Albrechts Aktion durchaus einen tieferen Sinn, wie er schreibt.

"Es gab mal eine Zeit, da gehörte man als Schantle & Co. zu einer mystischen, großen, heterogenen Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Vormals Menschen, welche sich am Fasnetsmontagmorgen bis zum Fasnetsdienstag-Betzeitläuten in einen Rottweiler Narren verwandelten. Ein anonymer Narr, welcher seine Rolle kannte und lebte. Den Menschen darin gab es nicht mehr. Ganz nach alter Tradition. Von Generation zu Generation weitergegeben. So wie mir von Opa bei der Übergabe des Schantle 1980. Das letzte Mal erlebte ich dieses Gefühl, diese Wandlung 1991". Seither habe ein steter Verfall in die Rottweiler Fasnet Einzug gehalten. Es gehe um sehen und gesehen werden.

"Fast alle Möchtegernnarren stehen heute mit der gelupften Larve vor dem Tor, selbst während des Sprungs lupfen Narren schon manchmal die Larve. Nach dem Sprung wird in der oberen Hauptstraße die Larve gelupft zum Rauchen, Trinken, Essen, Knutschen, Hand in Hand gehen, Fotoposting mit gelupfter Larve und vieles mehr", kritisiert Albrecht. Das sei für ihn ein Unding. Gefühlt eine Hand voll Narren hielten die alten Traditionen aufrecht, seien die "Don Quijotes" gegen eine unerträgliche Überzahl an Schaunarren. Und es seien nicht einmal nur die "Jungen" oder "Auswärtigen", sondern auch alte, stadtbekannte Rottweiler und alte Funktionäre der Narrenzunft. In diesem Punkt würden wohl einige Rottweiler Recht geben.

Verfall der Tradition

Nach jeder Fasnet kursieren im Internet unzählige Fotos von Rottweiler Narren, die sich eben nicht an die alten Sitten halten. Und jedes Jahr wird darüber gestritten und debattiert. Mit dem Ergebnis, dass sich nichts ändert. Aber dafür gleich seinen närrischen Hausstand hergeben, vor allem, wenn er dazu noch antik ist?

Albrecht hat genug von der Fasnet. "Die Rottweiler Fasnet erfüllt mich nicht mehr, sie macht mich nicht mehr glückselig. Und damit hat diese Fasnet auch dieses Schantle nicht mehr verdient." Albrecht richtet seine Kritik aber auch an die Narrenzunft: In Schreiben, in Wortbeiträgen an der Voll- und Generalversammlung oder in Leserbriefen habe er den "Verfall", wie er es nennt, angesprochen – doch das sei umsonst gewesen. Mehr noch, man müsse inzwischen froh sein, wenn man während seiner Ansprache nur beleidigt werde.

Im Moment stehe es in ihm 50 zu 50, ob der seinen Schantle überhaupt verkaufe, oder doch an ein Museum gebe. "Die Narrenzunft bekommt ihn auf keinen Fall – außer gegen viel Geld", betont er. "Mit der Auktion zeige ich der Fasnet – nicht nur in Rottweil – den Narrenspiegel. Ich zeige ihr auf, was sie für mich nur noch ist: Show und Kommerz."

Ob dieser "Narrenspiegel" als solcher auch verstanden wird? Kommentator Ralf Gabler meint dazu: "Ganz viel Wind, ziemlich ungeschickt angeleiert und rübergebracht, alles auf eine Art präsentiert die irgendwie auf sehr viele abstoßend wirkt, um so auf einen real existierenden Missstand hinzuweisen."

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