Neckarline in Rottweil
: Wir sind auf dem Kran – das sind die Bilder der Hängebrücke von oben

Was für eine Gelegenheit: Wir dürfen auf dem Baustellen-Kran der Hängebrücke Neckarline in Rottweil ein kleines „Praktikum“ machen. Alle Bilder und Eindrücke gibt es hier.
Von
Corinne Otto
Oberndorf

Die Aussicht aus der Krankabine auf den Pylon, die Rottweiler Stadtkulisse – und die ersten 100 Meter der Hängebrücke (in Weiß).

Otto

Ob wir uns zutrauen, auf den 60-Meter-Kran der Hängebrücken-Baustelle zu klettern? Aber selbstverständlich! Schließlich erwarten wir oben nicht nur fantastische Bilder, sondern auch echtes Kranführer-Feeling. Und wir werden nicht enttäuscht.

„Neckarline“-Investor Günter Eberhardt, der in Rottweil sein „Herzensprojekt“ baut, hat die exklusive Tour möglich gemacht, sein Sohn Korbin, täglich auf der Baustelle und Kranspezialist, steigt mit der neuen „Kranpraktikantin“ nach oben.

Und dazu ist ein bisschen Ausdauer gefragt. Leiter um Leiter um Leiter muss hochgeklettert werden, oben geht es dann noch durch zwei Klappen – und dann ist sie da: die Steuerungszentrale, sprich die Krankabine.

Der Kran war vor allem beim Bau des 60-Meter-Pylons, der die Kräfte der 606 Meter langen Fußgängerhängebrücke abfängt, im Dauerbetrieb. Aber auch beim Zug der Seile, beim Bau des Betriebsgebäudes auf dem Berner Feld und vielem mehr sind Kranfahrerkünste gefragt.

Erste Fahrt allein am Hebel – hat was von Europa-Park

An diesem Freitagnachmittag geht’s freilich nur ums „Üben“ – und die einzigartige Aussicht genießen. Der Kranausleger zeigt gerade noch in Richtung Balingen und die Alb – wir wollen natürlich in die andere Richtung. Mit dem rechten Hebel muss erst einmal die Hakenflasche hochgefahren werden, die „Laufkatze“ am Kranausleger noch ein bisschen nach hinten, und dann kann’s los gehen – einmal mit dem linken Hebel um 180 Grad nach links gedreht, vorbei am Testturm, dank Wind mit kleinem Wackelfaktor. Das hat schon fast was von Europa-Park. Macht Spaß!

Es wartet noch viel Strecke

Jetzt liegt direkt vor der Kabine der Pylon, und dahinter – aus ganz neuer Perspektive – die „Neckarline“. Die ersten rund 100 Meter ragen inzwischen vom Bockshof im Herzen Rottweils in Richtung Berner Feld hinüber. Das ist schon ein ganzes Stück, gleichzeitig wird aber klar, dass auch noch ganz schön viel Strecke zu überwinden ist.

Korbin Eberhardt nickt. „Es wird sportlich“, sagt er mit Blick auf den Zeitplan. Das hatte auch schon Projektleiter Roland Haag erklärt. Die Eröffnung ist jedenfalls auf Ende April terminiert.

Zehn Laufsteg-Teile pro Tag

Zehn der je 3,50 Meter langen Brückenteile sollen im Optimalfall pro Tag montiert werden. Vom Pylon aus fahren die Fachleute der Firma HTB entlang der Tragseile mit einem eingehängten Wagen bis zu den Brückenteilen, um die Abhängeseile zu montieren. Ungefähr ab der Fasnet, so der Plan, sollen dann auch Laufstegelemente vom Berner Feld aus montiert werden.

Auch da wären wir gerne auf dem Kran dabei – leider reicht es vermutlich noch nicht ganz für den Kranschein. Gar nicht zu denken an das präzise Aufnehmen von schweren Lasten am Boden. Die Entfernungen lassen sich aus der Kran-Vogelperspektive überhaupt nicht abschätzen. Auch der Profi muss sich da auf die Höhenanzeige im Display verlassen, erklärt Korbin Eberhardt. Oder auf den Funk.

Erster Gang auf der Hängebrücke

Schließlich geht es noch raus auf den Gegenausleger des Krans – nur keine Schwäche zeigen –, wo einem der kalte Wind gehörig um die Ohren pfeift. Aber egal, die Gelegenheit gibt es nur einmal. Ebenso wie die, die ersten Schritte auf der Hängebrücke zu machen. Also los. Erst geht’s die vielen Leitern des Krans wieder hinunter, dann mit dem Auto auf die andere Seite des Neckartals.

Und dort, auf der Hängebrücke stehend, sieht es jetzt schon aus, als würde sie fast bis hinüber zur anderen Seite reichen. Die Seile sind massiv, es wackelt ein bisschen. Unten fährt ein Zug vorbei, der Blick auf den Testturm und in die Landschaft hinein ist ebenso toll wie andersherum auf die Stadtkulisse – und der Nervenkitzel fast noch größer als auf dem Kran. Ab Ende April, mit Eröffnung der „Neckarline“, soll dieser Gang dann allen möglich sein. Wir werden bis dahin noch ein paar Mal vorbeischauen.

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