Kriminalität im Kreis Rottweil
: Sexualstraftaten nehmen drastisch zu

Die neue Kriminalstatistik zeigt einen besorgniserregenden Anstieg der Sexualstraftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz. Vor allem die Verbreitung von pornografischen Inhalten ist drastisch gestiegen. Das sind die Zahlen für den Kreis Rottweil.
Von
Saskia Ulrich
Oberndorf
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Starker Anstieg bei der Verbreitung pornografischer Inhalte.

Kaspars Grinvalds - stock.adobe.com

Die Zahl der Sexualstraftaten nimmt weiter zu, das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz für das Jahr 2024 hervor.

Kürzlich berichteten wir zudem von einem aktuellen Fall am Landgericht Rottweil, bei dem ein Lehrer wegen sexuellen Missbrauchs und Kinderpornografie zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Doch gilt dieser Anstieg der Fälle auch für den Landkreis Rottweil?

1057 Sexualdelikte registriert

Die neue veröffentlichte Kriminalstatistik zeigt: In den Zuständigkeitsbereichen des Polizeipräsidiums Konstanz wurden im Jahr 2024 insgesamt 1057 Sexualdelikte registriert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 815 Fällen im Vorjahr. Dies entspricht einer Zunahme von 29,7 Prozent. „In 92 Fällen kommt es zu einem sexuellen Missbrauch von Kindern, wobei die sogenannten kontaktlosen Taten wie zum Beispiel sexuelle Handlungen vor Kindern hier im Vordergrund stehen. Zu schweren sexuellen Übergriffen kommt es in zehn Fällen,“ heißt es in der Statistik.

Verbreitung pornografischer Inhalte ist ein Grund

Nach Angaben der Polizei ist dieser Anstieg maßgeblich auf die verstärkte Verbreitung pornografischer Inhalte zurückzuführen.

Diese stieg von 296 im Jahr 2023 auf 517 im Jahr 2024 – ein Anstieg um 74,66 Prozent.

Die Polizei erklärt diese drastische Zunahme unter anderem mit der priorisierten Bearbeitung von Fällen, die durch das „National Center for Missing and Exploited Children“ gemeldet wurden. Zu Deutsch: „Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder“. Dabei handelt es sich um eine US-amerikanische Organisation, die sich gegen sexualisierte Gewalt bei Minderjährigen einsetzt. Ein erheblicher Teil dieser Fälle betrifft pornografische Schriften.

Laut Polizeipräsident Uwe Stürmer, der das Präsidium Konstanz derzeit kommissarisch leitet, spielt hierbei auch sogenanntes „Sexting“, das häufig unter Jugendlichen und Kindern betrieben wird, eine Rolle. Zudem sei zu beachten, dass Täter oft mehrfach in Erscheinung treten, wobei jede Tat als eigener Fall gezählt wird. Die Statistik spiegelt daher nicht direkt die Anzahl der Täter wider.

Zahlen der Häuslichen Gewalt steigen

Im Landkreis Rottweil wurden im Jahr 2024 insgesamt 208 Sexualdelikte registriert – ein Anstieg von 41,5 Prozent im Vergleich zu den 147 Fällen im Jahr 2023. Auch in den Landkreisen Tuttlingen (200 Fälle) und Schwarzwald-Baar (263 Fälle) wurden mehr Sexualdelikte verzeichnet.

Darüber hinaus stieg die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt um 27 Prozent auf 230, während im Vorjahr noch 181 Fälle registriert wurden.

Verdopplung der Straftaten

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Kriminalstatistik äußerte Polizeipräsident Uwe Stürmer große Besorgnis über die steigende Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Anzahl dieser Delikte nahezu verdoppelt. Alle Landkreise im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums liegen deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Tatjana Deggelmann, Sprecherin des Polizeipräsidiums, informiert auf Anfrage über die Präventionsmaßnahmen im Kreis Rottweil. Das Referat Prävention biete mit dem Programm „Sicher.Unterwegs. – Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum“ eine Initiative zur Stärkung des Sicherheitsgefühls von Frauen an. Ziel sei es, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu reduzieren.

Das Programm richtet sich an Schülerinnen ab Klasse neun sowie an junge Männer, die als Unterstützer durch Zivilcourage oder als Betroffene sensibilisiert werden sollen. Neben der schulischen Prävention hält das Referat Vorträge in Vereinen und bei speziellen Frauenveranstaltungen.

Prävention an Kitas und Schulen

Auch für Eltern gibt es Informationsangebote, insbesondere zum Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern“ in Kitas und Schulen. Während die Polizei keine speziellen Programme zur sexuellen Gewalt für Kinder und Jugendliche anbietet, wird die Thematik in der Gewalt- und Medienprävention in den Klassenstufen fünf bis acht altersgerecht behandelt.

In Rottweil bieten zudem die Vereine Frauen helfen Frauen (FhF) und AUSWEGE e.V. gezielte Programme für Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen an.

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