Zwischen Iconic-Bildern in Dunningen und KI-Zeitalter: Rottweils Landrat Christoph Keckeisen fordert wachen Journalismus und spricht eindringliche Worte.
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Bei der „Langen Nacht der Demokratie“ sprechen Landrat Christoph Keckeisen (rechts) und Bürgermeister Peter Schumacher (Zweiter von rechts) gehaltvolle Worte. Im Bild: Vorsitzender Christian Weimar (links), Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Dunningen.
Heimatverein
Landrat Christoph Keckeisen wirbt in Dunningen für wachen, freien Lokaljournalismus.
Demokratie braucht Medien, die einordnen, hinterfragen und Kritik aushalten, so Keckeisen.
KI erschwert die Unterscheidung von echt und manipuliert – Fact-Checking wird wichtiger.
Lokaljournalismus informiert über Kreistag und Gemeinderat, Verwaltung veröffentlicht selektiv.
Schlussappell: Pressefreiheit schützt – auch wenn sich ein Landrat über seine Zeitung ärgert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
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Bei seinem ersten offiziellen Besuch in Dunningen sprach der Rottweiler Landrat Christoph Keckeisen zwischen den 21 preisgekrönten Fotografien der Ausstellung Iconic über Pressefreiheit, Lokaljournalismus und die Frage, was die Menschen in Zeiten künstlicher Intelligenz überhaupt noch für echt halten können.
Der Rahmen für diese Veranstaltung hätte nicht besser passen können. Der Vortrag in den Katakomben der St.-Christophorus-Kapelle war Teil der landesweiten „Langen Nacht der Demokratie“.
Bürgermeister Peter Schumacher schlug in seiner Begrüßung den Bogen zur Ausstellung. Die Fotografien dokumentierten nicht nur Ereignisse, sondern erzählten von Freiheit und Unfreiheit, Konflikten und gesellschaftlichen Entwicklungen.
„Demokratie braucht freie Medien“
Eine freie Presse informiere, ordne ein, hinterfrage und kontrolliere. Demokratie, so Schumacher, beginne dabei nicht erst auf der großen politischen Bühne, sondern vor Ort in Gemeinden, Vereinen und überall dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Auffassungen aushalten.
Landrat Keckeisen begann seinen Impulsvortrag zu dem Thema „Demokratie braucht freie Medien“ ungewöhnlich persönlich: Natürlich freue sich auch er, wenn er morgens die Zeitung aufschlage und Positives über den Landkreis lese. Es gebe aber ebenso Artikel, bei denen er manches anders dargestellt hätte. Genau dort beginne jedoch die Bedeutung freier Medien.
Pressefreiheit zeige ihren Wert nicht nur dann, wenn sich alle über einen Artikel freuten, sondern gerade dann, wenn nachgefragt und kritisiert werde. „Das auszuhalten, gehört zur Demokratie“, sagte der Landrat.
Bedeutung des Lokaljournalismus'
Christoph Keckeisen holte das Thema bewusst in den Alltag des Landkreises. Wenn im Kreistag oder Gemeinderat Entscheidungen getroffen würden, müssten Bürger erfahren können, was geschehe und warum.
Gerade der Lokaljournalismus habe deshalb eine besondere Bedeutung. Journalismus recherchiere, überprüfe Fakten und entscheide selbst, was berichtenswert sei. Eine Verwaltung dagegen veröffentliche selbst, was sie veröffentlichen wolle. Dieser Unterschied sei wichtig.
Demokratie bestehe eben nicht nur darin, alle paar Jahre wählen zu gehen. Sie brauche Öffentlichkeit, Kritik und die Möglichkeit, Verantwortliche zu kontrollieren.
Was ist überhaupt noch echt?
Besonders aktuell wurde der Vortrag beim Blick auf die veränderte Medienwelt. Heute könne praktisch jeder Nachrichten, Bilder und Videos innerhalb von Sekunden veröffentlichen und verbreiten. Hinzu komme künstliche Intelligenz.
Bilder, Stimmen und Videos ließen sich inzwischen so überzeugend erzeugen oder verändern, dass auf den ersten Blick kaum noch erkennbar sei, was tatsächlich geschehen sei. Keckeisen fasste die Herausforderung in einem einfachen Satz zusammen: „Je einfacher es wird, etwas zu behaupten, desto wichtiger wird jemand, der überprüft, ob es stimmt.“
Im entscheidenden Moment auf Auslöser gedrückt
Damit führte sein Vortrag unmittelbar zurück zur Iconic-Ausstellung. Pressefotografie dokumentiere Geschichte, bewahre Erinnerungen und gebe Menschen ein Gesicht.
Der Landrat verwies unter anderem auf das Bild des Fotografen Evgeniy Maloletka aus dem Jahr 2022, das eine schwer verletzte, schwangere Frau nach dem Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol zeigt. Hinter einem solchen Bild stehe ein Mensch, der vor Ort gewesen sei, hingesehen und im entscheidenden Moment auf den Auslöser gedrückt habe.
Zugleich machte Keckeisen deutlich, dass Pressefreiheit Medien nicht über Kritik erhebe. Auch Journalisten könnten Fehler machen. Entscheidend sei aber die Grenze zwischen Kritik an einer konkreten Berichterstattung und dem Versuch, Medien pauschal unglaubwürdig zu machen oder einzuschüchtern.
Am Ende führte Keckeisens Gedankengang noch einmal zu seinem persönlichen Ausgangspunkt zurück: zum Landrat, der morgens seine Zeitung aufschlägt. „Eine Demokratie, in der sich ein Landrat gelegentlich über seine Zeitung ärgert, ist mir allemal lieber als ein Land, in dem sich eine Zeitung überlegen muss, ob sie sich über den Landrat ärgern darf.“ Sein eindringlicher Schlussappell: „Passen wir auf diese Freiheit auf.“