Haushalt in Rottweil ist durch
: Knappe Kasse, große Verantwortung und ein ganz besonderer „Bau-Turbo“

Ja, die Finanzsituation ist auch in Rottweil prekär. Doch bei der Haushaltsverabschiedung wird klar: Die Räte sehen positiv nach vorn. Die Stadt nutzt ihre Chance – die kommt 2028.
Von
Corinne Otto
Oberndorf
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Es wird kräftig gebaut im Neckartal: Ein zentrales Thema bei der Haushaltsverabschiedung ist die Landesgartenschau.

Otto

461 dicht bedruckte Seiten sind es, die am Mittwochabend im Gemeinderat im Fokus stehen. Und die Zahlen darin wurden in den vergangenen Wochen wohl wie kaum in den Jahren zuvor intensivst durchgeackert, analysiert – und hier und da ordentlich zusammengestrichen. Wie die Fraktionen zum Endergebnis stehen, machten sie nun in den Haushaltsreden deutlich.

Lob von allen Seiten gab es dabei für Tanja Heinze und Yvonne Jung von der Kämmerei. Sie haben die Kernpunkte des Haushalts in der Satzung noch einmal zusammengefasst:

Der Ergebnishaushalt 2026 weist ein negatives ordentliches Ergebnis von 3,211 Millionen Euro aus. Die Steuereinnahmen sind im Vergleich zu früheren Jahren aus dem Finanzausgleich drastisch nach unten korrigiert. Auch aus dem „Inkom“ sind geringere Kostenerstattungen gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 447 000 Euro zu erwarten.

Die ordentlichen Erträge 2026.

Foto: Stadt Rottweil

Die höheren Personalkosten (30,8 Millionen Euro) sind auf die Tarifsteigerungen und auf die Ganztagesbetreuung an den Grundschulen zurückzuführen.

Im Finanzplanungszeitraum kommen Zinsbelastungen von 3,4 Millionen Euro aufgrund der geplanten Kreditaufnahmen für Investitionen hinzu. Der Sondereffekt der Landesgartenschau beträgt im Ergebnishaushalt für 2026 970 000 Euro, 2027 1,5 Millionen Euro und 2028 2,0 Millionen Euro.

Der Zahlungsmittelüberschuss des Ergebnishaushalts ist in 2026 mit 1,64 Millionen Euro positiv. Im ersten Maßnahmenpaket zur Haushaltskonsolidierung wurden Verbesserungen mit weiteren 1,785 Millionen Euro für 2026 beschlossen.

Die ordentlichen Aufwendungen 2026.

Foto: Stadt Rottweil

Das Investitionsprogramm 2026 bis 2029 hat ein sattes Volumen von rund 111 Millionen Euro, darin enthalten ist das Kerngebiet der Landesgartenschau mit aktuell 34,3 Millionen Euro. Es wird von einer Kreditaufnahme in Höhe von 20,5 Millionen Euro ausgegangen.

Monika Hugger, CDU

Für die CDU sind die vielen strukturellen Maßnahmen „ein riesiger Gewinn, von denen wir über Jahrzehnte profitieren werden“, so Monika Hugger. Dabei seien die vielen Baustellen nicht nur ein finanzieller Kraftakt, sondern auch ein Kraftakt für die Bewohner. Dass es bei so großen Veränderungen in der Stadt Diskussionen gibt, sei Ausdruck von Demokratie und dem „Ringen um den besten Weg“.

Die Haushaltslage sei herausfordernd. Weitere Strukturanpassungen seien notwendig, darunter eine Konsolidierung im Gebäudebestand, und die Straffung der Verwaltung. Man habe im Vergleich zum Haushalt 2024 650 Einwohner weniger – was sich finanziell deutlich bemerkbar mache. Ziel müsse sein, auch ohne die JVA wieder die 25 000-Einwohner-Marke zu erreichen. Investitionen in Baugebiete sehe man nicht nur am Hegneberg, sondern auch in den Teilorten.

Im „Jahr der Brücken“ komme dem Stadtmarketing eine besondere Bedeutung zu. Den Plan für ein Kombibad unterstütze die CDU – Bürgerengagement sei auch hier gefragt. Sorge bereite der zeitliche Rückstand bei der DHG-Sanierung und der Campus-Sporthalle. Die CDU sei bereit, betonte Hugger, passend zur von OB Christian Ruf beim Bürgerempfang ausgegebenen Losung, die Zukunft gemeinsam erfolgreich zu gestalten.

Jürgen Mehl, SPD+FFR

Von der Sorge über die „leeren Taschen“ der Stadt, der „Entenklemmer-Klausurtagung“ und dem Coup zum Kombibad als „Hahnenschrei“ berichtete – nach einem Ausflug in die Weltpolitik – Jürgen Mehl, der prognostizierte, dass das Haushaltsloch weiter wachsen wird. Fast alle hätten bei der Sparrunde Federn lassen müssen, manche seien gar „ziemlich gerupft“ dagestanden. Aber man dürfe dafür ja von einem „Bonus-Bad“ träumen, leider weniger vom sozialen Wohnungsbau.

Mobilität hängt schief

Es passe bei den Investitionen nicht mehr ins Bild, wenn „jede sanierte Brücke letztlich eine Nummer größer gerät“. Zudem müsse man klimapolitisch wieder mehr Verantwortung übernehmen. Die Mobilität in der Stadt hänge schief – mit Blick auf die Friedrichsplatzsperrung regte er an, „zu Fuß gehen“ als Chance zu begreifen. Und bei der Hängebrücke dürfe man sich wie beim Testturm trotz aller Strahlkraft nicht „blenden“ lassen, was die Effekte angeht. Sein Wunsch: Positive Kommunikation zwischen Bürgern, Verwaltung, Rat – Einzelhandel und Gastronomie inklusive.

Peter Schellenberg, Freie Wähler

Peter Schellenberg bilanzierte, dass man in Rottweil trotz aller Bürden von Bund und Land „solide gewirtschaftet“ habe – deshalb könne man auch kräftig investieren. Es mache Freude, die Umsetzung der vielen Projekte zu verfolgen. Ein Herzensprojekt der Freien Wähler sei das neue Kombibad, für das sich nun eine Türe öffne. Das alles sei auch der hohen Kunst in der städtischen Projektarbeit zu verdanken, hohe Zuschussquoten zu erreichen.

Museum ein Millionengrab?

Weiterhin rätselhaft ist für die Freien Wähler, warum das Dominikanermuseum mit einem jährlichen Defizit von 700000 Euro und nur 4000 zahlenden Besuchern weiterhin als „heilige Kuh“ gelte und die Stadt hier seit Jahren Millionen zahlt.

Lob gab es von Schellenberg für Christian Ruf, der die „Machtfülle“ eins Oberbürgermeisters – was auch schon zu Kritik führte – in vollem Umfang ausschöpfe – „und zwar zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger“. Der „Output“ sei dank der Effizienz bei Sitzungen und in der Verwaltung „sehr gut“.

Ingeborg Gekle-Maier, Grüne

Die generelle kommunale Finanzmisere schlage sich deutlich im Haushalt nieder, so Ingeborg Gekle-Maier, doch die Zahlen seien das Eine, die schmerzhaften Konsequenzen für die Menschen daraus das Andere. Man stehe bei den Grünen zur fiskalischen Gesamtverantwortung und habe auch unpopulären Einschnitten zugestimmt. „Unsoziale Fehlentscheidungen“ seien dennoch die Schließung der Fachstelle Integration und die Kürzungen bei Quartiersmanagement in Schulsozialarbeit.

Landesgartenschau als Chance

Kritik übte sie an der Ablehnung der Verpackungssteuer und damit den Verzicht auf Einnahmen. Gleichzeitig habe die CDU plötzlich bei der Rücknahme von Parkgebührenregelungen die Finanzen nicht mehr im Blick gehabt. In Sachen Erneuerbare Energien und Klimaschutz fehle eine Strategie, ein „Materplan“, ein Kümmerer. Ein Dauer-Sorgenkind sei außerdem die Mobilität. Dennoch: Rottweil investiere heute in die Zukunft von morgen, die Landesgartenschau sei der „Bau-Turbo“. Man habe die Chancen der LGS erkannt und nutze sie.

Der Gemeinderat verabschiedet den Haushalt am Mittwoch einstimmig.

Foto: Otto

Daniel Karrais, FDP

„Sparen ist schwerer als Ausgeben“, so Daniel Karrais, doch genau daran zeige sich Verantwortung, die im Rat wahrgenommen worden sei. Dank gelte dem Oberbürgermeister, der immer wieder die Brisanz der Lage dargestellt und auf Lösungen gedrängt habe.

Es sei richtig gewesen, alle Ausgaben konsequent zu überprüfen. Besonders richtig sei der Austritt aus der Klimaschutz- und Energieagentur gewesen, die jährlich 10 000 Euro gekostet aber nichts gebracht habe. Mit Strukturveränderungen ließen sich Qualität und Angebot dennoch sichern – was sich am Beispiel der Kinderbetreuung zeige.

Zentrales Probleme bleibe, dass für von oben übertragene Aufgaben mehr Zuwendungen nötig seien. Mit Blick auf SPD+FFR und Grüne betonte Karrais: „Die Zeiten für kostenlose Busse, 1-Euro-Ticket und überbordendes Integrationsmanagement sind vorbei.“ Was die Diskussion um die Landesgartenschau-Ausgaben angeht, ist für die FDP-Fraktion klar: Die Landesgartenschau wird Rottweil mehr Zukunft bringen, als sie jemals kosten wird.“

Der Haushalt 2026 wurde letztlich – wie auch zuvor per Empfehlungsgbeschluss in den Ortschaftsräten – einstimmig verabschiedet.

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