Gesundheit im Kreis Rottweil: Tic-Störungen nehmen zu – das kann getan werden

Zu den einfachen motorischen Tics zählen beispielsweise Blinzeln, Zunge hervorstrecken oder auch einfache Arm- und Beinbewegungen. (Symbolfoto)
bonnontawat - stock.adobe.com- Im Kreis Rottweil wurden 2024 rund 160 AOK-Versicherte wegen Tic-Störungen behandelt.
- Der Anteil der Betroffenen stieg zwischen 2020 und 2024 durchschnittlich um 5,4 Prozent pro Jahr.
- Tics sind kurze, unwillkürliche Bewegungen oder Laute – oft mit Anspannung vorab und Erleichterung danach.
- Beginn meist in Kindheit und Jugend; häufig vorübergehend, chronisch ab Dauer von über einem Jahr.
- Behandlung: Aufklärung, Habit Reversal Training, Exposition mit Reaktionsverhinderung und Dopaminantagonisten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Tics sind kurze, unwillkürliche und wiederholte Bewegungen (motorische Tics) oder Lautäußerungen (vokale Tics), die keinem erkennbaren Zweck dienen. Im Landkreis Rottweil waren im Jahr 2024 rund 160 AOK-Versicherte wegen einer Tic-Störung in ärztlicher Behandlung. Der Anteil der Betroffenen ist zwischen 2020 und 2024 durchschnittlich um 5,4 Prozent pro Jahr gestiegen.
Zu den einfachen motorischen Tics zählen beispielsweise Blinzeln, Zunge hervorstrecken oder auch einfache Arm- und Beinbewegungen. Häufige einfache vokale Tics sind laut AOK-Pressemitteilung zum Beispiel Räuspern, Bellen oder Zischen. Komplexe Tics sind scheinbar absichtsvolle Bewegungsabfolgen – wie zum Beispiel Klatschen – oder Wortwiederholungen. Den Tics geht laut AOK häufig ein Gefühl der Anspannung voraus, und nach Ausführen des Tics folgt ein Gefühl der Erleichterung.
Beginn in Kindheit und Jugend
Tic-Störungen beginnen in der Kindheit und Jugend und zählen zu den Entwicklungsstörungen. Häufig handelt es sich im Kindesalter um vorübergehende Tics, die weniger als ein Jahr bestehen und meist mit einfachen motorischen Tics einhergehen. In der Mehrzahl der Fälle kommt es zu spontanen Besserungen, und eine spezifische Behandlung ist nicht notwendig, heißt es in der Pressemitteilung. Von einer chronischen Tic-Störung spricht man, wenn die Tics länger als ein Jahr andauern.
Das Tourette-Syndrom ist eine Form der chronischen Tic-Störung, bei der sowohl mindestens zwei motorische Tics als auch ein vokaler Tic auftreten. Diese sind häufig schwerer ausgeprägt als bei anderen Tic-Störungen, und häufig liegen psychische Begleiterkrankungen wie ADHS, Zwangsstörungen oder Autismusspektrumstörungen vor. Die Diagnose einer Tic-Störung wird in der Regel klinisch anhand von Anamnese und psychiatrisch-neurologischer Untersuchung gestellt.
Fehlregulation bei Dopamin
Neben einem nachgewiesenen hohen genetischen Einfluss sind auch Risken in der Schwangerschaft und bei der Geburt mit dem Auftreten von Tic-Störungen verbunden. „Es wird unter anderem von einer Fehlregulation des Botenstoffes Dopamin im Gehirn ausgegangen – da Medikamente, die als Gegenspieler des Dopamins wirken, Tics reduzieren können“, sagt Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.
„Bei der Behandlung von Tic-Störungen ist zunächst eine ausführliche Aufklärung über das Störungsbild und den Umgang damit wichtig. Dies kann die Betroffenen bereits entlasten und bei einem Teil als alleinige Intervention ausreichen“, so die Ärztin weiter.
Für Betroffene, deren Symptomatik andauert und die einen hohen Leidensdruck im Alltag haben, gibt es spezifische Behandlungsmöglichkeiten. „Als psychotherapeutische Methoden der ersten Wahl, die das Auftreten von Tics bedeutsam reduzieren können, gelten insbesondere das sogenannte Habit Reversal Training (Gewohnheitsumkehrtraining) und die Exposition mit Reaktionsverhinderung“, erläutert Isaksson. Auch eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten Dopaminrezeptor-Antagonisten kann das Auftreten von Tics reduzieren.
