Denkmalpflege in Rottweil
: Hier startet der Denkmaltag in Baden-Württemberg

Die Nacht des offenen Denkmals gewährt Blicke hinter die Kulissen des historischen Rottweil und zeigt erstmals gewissermaßen „fundfrische“ archäologische Stücke
Von
red/pm
Rottweil
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Neu entdeckte Grabplatten vor der Rottweiler Predigerkirche: Thomas Schlipf, ehrenamtlicher Beauftragter der archäologischen Denkmalpflege, Museumsleiterin Martina Meyr und Johannes Waldschütz, Mediävist, Kreisarchivar und 2. Vorsitzender des Geschichts- und Altertumsvereins Rottweil (v. l. n. r.).

Neu entdeckte Grabplatten vor der Rottweiler Predigerkirche: Thomas Schlipf (von links), ehrenamtlicher Beauftragter der archäologischen Denkmalpflege, Museumsleiterin Martina Meyr und Johannes Waldschütz,  Kreisarchivar und stellvertretender Vorsitzender des Geschichts- und Altertumsvereins Rottweil freuen sich über den Fund der Epitaphe.

Stadt Rottweil
  • In Rottweil wurden am Friedrichsplatz Fragmente mehrerer Grabplatten entdeckt.
  • Zwei bedeutende Funde zeigt das Dominikanermuseum erstmals am Denkmalwochenende.
  • Eine Platte nennt Apolonia Endinger, eine weitere wohl ihren Mann Gall Möcker.
  • Eine dritte Platte von 1449 mit Pferdewappen wird möglicherweise Justingen zugeordnet.
  • Nacht und Tag des offenen Denkmals: vielfältiges Programm, Eintritt im Museum frei.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Bauarbeiten in der Rottweiler Innenstadt bringen nicht nur Veränderungen für die Zukunft – immer wieder kommen dabei auch Spuren der Vergangenheit ans Licht. Bei Arbeiten am Friedrichsplatz wurden unweit der ehemaligen Dominikaner- und heutigen Predigerkirche Fragmente mehrerer historischer Grabplatten entdeckt. Zwei der bedeutendsten Neufunde werden an diesem Wochenende anlässlich der Nacht und des Tags des offenen Denkmals erstmals öffentlich im Dominikanermuseum gezeigt.

Gesichert wurden die Fragmente von Thomas Schlipf, dem ehrenamtlichen Beauftragten der archäologischen Denkmalpflege, der die Bauarbeiten am Friedrichsplatz begleitet. Inzwischen konnten die Funde mindestens vier unterschiedlichen Grabplatten zugeordnet werden. „Dass zwischen dem Bauschutt solche Stücke auftauchen, ist natürlich etwas Besonderes. Entscheidend war zunächst, die einzelnen Fragmente zu erkennen, zu sichern und ihren jeweiligen Grabplatten zuzuordnen“, so Schlipf.

Wo kommt der Hund her?

Die ersten Nachforschungen zur Identität der Verstorbenen und die Lesung der Inschriften übernahm Kreisarchivar Johannes Waldschütz. „Bei solchen fragmentierten Inschriften ist zunächst jedes lesbare Wort wichtig. Im Zusammenspiel von Schrift, Wappen und historischen Quellen lässt sich dann Schritt für Schritt erschließen, an wen die Grabplatten erinnern“, erklärt der Mediävist.

Aufmerksamkeit hatte zunächst eine Grabplatte mit einem Hund im Wappen erregt. Auf dem Stein ist noch zu lesen: „(st)arb die ersam frow apolonia von Endinge(n)“. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Verstorbenen um Apolonia Endinger, die Ehefrau des Rottweiler Bürgermeisters Gall Möcker.

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Spannend ist ein zweiter Fund: Auf Fragmenten einer ähnlich gestalteten Grabplatte sind unter anderem die Worte „vest he(r) gall“ erhalten. Möglicherweise lässt sich die ursprüngliche Inschrift zu „(do star)b der e(del) vest he(r) gall …“ ergänzen. Vieles spricht deshalb dafür, dass es sich um die Grabplatte von Apolonias Ehemann Gall Möcker handelt. Apolonia ist letztmals 1545, ihr Mann Gall letztmals 1546 in den historischen Quellen belegt.

Gräber eines Ehepaars

„Die Bauarbeiten verändern derzeit das Bild unserer Innenstadt. Gleichzeitig ermöglichen sie uns immer wieder ganz unerwartete Einblicke in die ältere Geschichte Rottweils“, sagt Museumsleiterin Martina Meyr. „Besonders schön ist in diesem Fall, dass aus zunächst rätselhaften Steinfragmenten plötzlich wieder konkrete Menschen und Rottweiler Familien hervortreten, die vor fast 500 Jahren hier gelebt haben.“

Sollte sich die Zuordnung bestätigen, wären bei den Bauarbeiten am Friedrichsplatz die Grabplatten eines Rottweiler Ehepaares aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wiederentdeckt worden.

Auch eine dritte, besser erhaltene Grabplatte gibt Rätsel auf. Ihre Inschrift nennt das Jahr 1449 und den Valentinstag: „Anno dni M CCCC im XLVIIII iar uf sanct veltis dag“. Das Wappen zeigt einen Pferdekopf beziehungsweise Pferderumpf. Ein solches Wappenbild ist auch für die Herren von Justingen belegt, die im 14. und frühen 15. Jahrhundert die Herrschaft Bösingen innehatten und zugleich Rottweiler Bürger waren. Ob die Platte tatsächlich einem Mitglied dieser Familie gehörte, ist Gegenstand der weiteren Untersuchungen. Von einer vierten, vermutlich jüngeren Grabplatte ist bislang nur ein einzelnes Fragment erhalten.

Noch ungeklärt ist auch, wann die Grabplatten aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang entfernt und schließlich als Baumaterial verwendet wurden. Denkbar ist, dass dies im Zusammenhang mit größeren Veränderungen am Dominikanerkloster geschah – etwa bei der Barockisierung der Kirche 1753 bis 1755 oder beim Abbruch der Klostermauer um 1830.

Zwei Grabplatten am Denkmalwochenende ausgestellt

Eine erste Gelegenheit, die außergewöhnlichen Funde selbst zu betrachten, bietet sich bereits am Wochenende. Die Grabplatten von Apolonia Endinger sowie die Grabplatte aus dem 15. Jahrhundert, die vielleicht der Familie Justingen zugeordnet werden kann, werden im Dominikanermuseum ausgestellt.

Die Präsentation ist Teil des Rottweiler Programms zur Nacht des offenen Denkmals am Samstag und zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag. Rottweil ist 2026 Gastgeberstadt der landesweiten Eröffnung des Denkmalwochenendes, das unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ steht.

Sonderöffnungszeiten der Präsentation im Dominikanermuseum:
Samstag, 12. September 2026: 18–23 Uhr
Sonntag, 13. September 2026: 10–17 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Nacht des offenen Denkmals am Samstag, 12. September

BRUNNEN IM HISTORISCHEN STADTKERN | Führungen ab 20 und 21 Uhr, Treffpunkt Apostelbrunnen

DIE AMTSSTUBE DES OBERBÜRGERMEISTERS | Betreute Besichtigung zwischen 20 und 21 Uhr

ALTES RATHAUS | Betreute Besichtigung zwischen 18 und 24 Uhr

TOURIST-INFORMATION (Masersches Haus) | Betreute Besichtigung 18 bis 22 Uhr

STADTMUSEUM | geöffnet 18 bis 21 Uhr

GEWANDETE KURZAUFTRITTE AN HISTORISCHEN BRÜCKEN | 18 bis 20 Uhr

TRINKEN, REDEN, HANDELN – WIRTSHÄUSER DER HAUPTSTRASSE | Führungen ab 18.30, 20 und 21 Uhr, Treffpunkt Schwarzes Tor

SCHWARZES TOR | Betreute Besichtigung 18 bis 24 Uhr

HEILIG-KREUZ-MÜNSTER | Führungen ab 19.30, 20.30, 21.30 und 22.30 Uhr, Treffpunkt Westportal

EISKELLER | Führungen ab 18.30, 20 und 22 Uhr

JUGENDHERBERGE | Führungen ab 18.30 und 19.30 Uhr

OBERES SOLBAD | Führungen ab 20 und 21.15 Uhr

SCHAUWERKSTATT HOLZMANUFAKTUR | 18 bis 22 Uhr in den Räumen des Oberen Solbads

DOMINIKANERMUSEUM | Aktion „Kunst. Geschichte. Neat. Drinks.“ 20 bis 23 Uhr

PREDIGERKIRCHE | ab 19, 20, 21 und 22 Uhr Führung, Treffpunkt Kircheneingang am Kriegsdamm

NEUES RATHAUS | ab 18.30 Uhr Führung, Treffpunkt Innenhof beim Haupteingang

LORENZKAPELLE | 18 bis 21 Uhr geöffnet, ab 19 Uhr Führung

STADTBÜCHEREI | Führung durch nichtöffentliche Räume und zu kuriosen Bibliotheksgegenständen ab 19.30 und 20.30 Uhr

STADTARCHIV | Betreute Besichtigung 18 bis 24 Uhr

HISTORISCHE INNENSTADT UND DIE VORSTADT IN DER AU | das Central Kino zeigt von 18 bis 24 Uhr einstündige Zusammenstellungen von Filmbeiträgen

ALTE SCHLOSSEREI | Führung zu beispielhafter Kernsanierung in der Metzgergasse 16 ab 18.30 und 19.15 Uhr

ALTES SPITAL | Führungen „Das Alte Spital und seine Nutzung“ ab 19.30, 20.30 und 21.30 Uhr; Führungen „Landesgartenschau Rottweil 2028 – was bleibt für Rottweil?“ ab 18, 19.30 und 21 Uhr

KAPELLENKIRCHE | geöffnet 18 bis 24 Uhr; Führungen „Barocke Ausstattung“ ab 19.30, 20.30 und 21.30 Uhr; Führungen „Unterm Dach“ ab 18, 19, 20, 21, 22 und 23 Uhr

ALTES ACKERBÜRGERHAUS | ab 18.30, 19.45, 21.15 und 22.45 Uhr Führungen (Badgasse 5)

SEUFZERBRÜCKE | ab 18.45, 19.45, 20.45 und 21.45 Uhr Führungen, Treffpunkt: Eingang Konvikt

ALTES GYMNASIUM | ab 18.30, 19.30, 20.30, 21.30, 22.30 Uhr Führungen,  Treffpunkt: Foyer der VHS

HOCHBRÜCKE | ab 18.30, 19.30  und 20.30 Uhr Führungen, Treffpunkt: Foyer der VHS

EHEMALIGER BETSAAL | geöffnet 18 bis 23 Uhr, ab 18 Uhr Führung „Auf den Spuren jüdischen Lebens“

KAMERALAMTSGASSE UND PRÄSENZGASSE | ab 18.30, 19.45, 21.15 und 22.30 Führungen, Treffpunkt Kameralamtgasse 6

HOTEL JOHANNITERBAD | ab 18.30, 19.30 und 20.30 Uhr Führungen „unbekanntes Untergeschoss“

ZEITREISE MIT DEM PULVERKÖNIG MAX DUTTENHOFER | gewandeter Kurzauiftritt ab 20 Uhr (Villa Duttenhofer)

ALTE TURNHALLE | geöffnet 18.30 bis 23 Uhr, ab 18.30, 20 und 21.30 Uhr Führungen

EHEMALIGES KÖNIGLICHES LANDGERICHT | ab 20 und 21.30 Uhr Führungen

KAPUZINER | geöffnet 18 bis 22 Uhr

RESTAURATOREN, HANDWERK UND DAS LAD | ab 19, 20.30 und 22 Uhr Führungen über die Kooperation von Restauratoren, Handwerk und Landesamt für Denkmalpflege, Treffpunkt: Hochturm

NECKARLINE – PANORAMA ÜBER DIE ALTSTADT | 18 bis 23 Uhr geöffnet (kostenpflichtig)