-: Kunstpfad: Von der Schönheit des Grauens und einem Kopflosen

Die Schönheit des Grauens: Achim Ketterer (links) zeigte seine Werke im Atelier von Tobias Kammerer (Mitte). Die Eröffnung übernahm Matthias Graf-Hetzler.
Moni Marcel- Am Kunstpfad am Oberrotenstein wurde „Der Schreitende“ von Herbert Goeser eingeweiht.
- Die Bronzeskulptur steht zwischen Kammerers Skulpturenpark und dem Kunstdünger.
- Matthias Graf-Hetzler erläuterte Deutungen: kopfloser Mensch, Reduktion auf den Körper, Symbolik.
- Achim Ketterer zeigte im Atelier von Tobias Kammerer Malerei mit politischen Motiven.
- Nächstes Werk folgt am 3. Oktober 2027 – Glasskulpturen bildeten den Abschluss des Kunst-Tages.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf dem Kunstpfad vereinen sich Hobbykunst und Kunsthandwerk mit Werken der zeitgenössischen Kunstwelt. So öffnete auch in diesem Jahr wieder Corinna Lange ihre „Ku(h)nstscheune“ für mehrere Künstlerinnen aus Hausen und drumherum. Sandboden statt Strohballen war angesagt, sodass die zahlreichen Besucher ein wenig in Urlaubsfeeling schwelgten, während sie die Werke von Ulrike Bothner-Clemens, Ingrid Schatter, Heidrun Nastold, Marianne Müller und Werner Nörenberg betrachteten.
Von Herbert Goeser stammt die Skulptur „Der Schreitende“, die nun den Kunstpfad zwischen Tobas Kammerers Skulpturenpark und dem Kunstdünger auf der anderen Seite Hausens schmückt: Goeser, von Kammerer als Wettbewerber geschätzt und geachtet, ein stiller Arbeiter, wie er den Kollegen beschreibt, und ein Könner in Sachen Bildhauerei, dessen Werk man den Einfluss Alfred Hrdlickas ansieht, bei dem Goeser studiert hat. Aber auch ein Künstler, der in der hiesigen Kunstszene weitgehend unbekannt blieb, obwohl er viele Jahre in Horgen lebte und arbeitete. Die Bronzeskulptur von Goeser beschrieb Matthias Graf-Hetzler: der Torso vielleicht ein Bild des auch von Herbert Grönemeyer beschriebenen kopflosen und damit sorglosen Menschen. Aber es ist auch die Reduktion auf den Körper, im Stil Rodins oder Giacomettis, und damit eine Fokussierung, eine Nahaufnahme. Dem Schreitenden fehlt zudem der rechte Arm – für Goeser, Jahrgang 1955, vielleicht auch Symbol für Untaten der Nazis. Und, mit Blick auf die Entstehungszeit der Skulptur, möglicherweise ein Hinweis auf die Erkenntnis der damaligen Zeit, dass es ein Umdenken brauche statt immer mehr Industrialisierung samt Umweltzerstörung. Passenderweise steht „Der Schreitende“ unter einem Apfelbaum.
Mit dem kritischen Blick
Den kritischen Blick hat auch Armin Ketterer, dessen Malerei für diesen Tag im Atelier Tobias Kammerers Raum fand. Auch ihn hat sein Lehrmeister, in diesem Fall Markus Lüpertz, stark beeinflusst. Und andersherum er ihn beeindruckt, mit Skizzen von Tänzerinnen und Aktzeichnungen, wie in einem Film zu sehen war. Viel Raum für Interpretation lässt Ketterers Malerei, stellt aber auch deutliche politische Statements. Trümmergebäude aus Gaza, verfallende Betonarchitektur aus Zeiten des Kommunismus, brennende Feuerwehrleute unter einem Löschflugzeug, das Feuer statt Wasser abwirft. „Schönheit des Grauens“ nannte Matthias Graf-Hetzler die Werke Achim Ketterers. Der „Schreitende“ ist das ganze Jahr über zu betrachten, ebenso wie Chantal Coutus Schaf „Gwendoline“. Am 3. Oktober 2027 wird es ein drittes Werk für den entstehenden Kunstpfad geben. Sicherlich wieder mit erleuchtenden Glasskulpturen, die wie jedes Jahr den Abschluss des Kunst-Tages am Oberrotenstein bilden.

Joachim Sauter (links mit Rucksack) verwaltet Herbert Goesers Nachlass. Zusammen mit Matthias Graf-Hetzler und Tobias Kammerer beantwortete er Fragen zum neuen Werk am Hausener Kunstpfad.
Moni Marcel