Workshop an der Staufenburg-Klinik: Wie Krebspatientinnen in Durbach neues Selbstbewusstsein gewinnen

Jede Teilnehmerin bekommt eine Tasche mit Kosmetikartikeln geschenkt.
Kron„Jetzt sind wir für zwei Stunden einfach nur Frauen, die darüber sprechen, wie sie ihre Haut pflegen und Schminktipps austauschen“, beginnt Kosmetikexpertin Susanne Bachmann den „Look Good Feel Better“-Workshop in der Durbacher Staufenburg-Klinik. Sechs Teilnehmerinnen sitzen um den Tisch verteilt vor Kosmetiktaschen, Wattepads und Schminkspiegeln. Einige der Frauen sind momentan zur Reha in der Klinik, andere kommen von außerhalb. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben oder hatten Krebs. Unsere Redaktion darf einen ihrer Workshops begleiten.
Die Aktion wurde von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ins Leben gerufen. Sie soll „das Wohlbefinden krebskranker Menschen steigern und ihnen Lebensfreude schenken“, so die DKMS. „Wir dürfen den Kurs hier ausrichten und können ihn kostenfrei für die Damen anbieten. Dafür zahlen wir für die Ausrichtung etwas an die DKMS“, erklärt die onkologische Oberärztin der Klinik, Jasmin Doll, gegenüber unserer Redaktion.
Die Teilnehmerinnen erhalten viele Produkte
Alle zwei Wochen bietet die Rehaklinik am Ortsrand mit Blick in die Natur den Kurs an. „Für ‚Look Good Feel Better‘ gibt es Geldspenden von Privatpersonen, Kliniken oder Partnerfirmen, es gibt Sachspenden und wir Kosmetikexpertinnen spenden unsere Zeit und geben ehrenamtlich diese Kurse“, erklärt Bachmann. Die Kosmetiktasche, die jede Dame im Rahmen des Kurses erhält, ist voll mit Artikeln verschiedener Firmen. „Die Sets haben einen Wert von 180 Euro“, erklärt Bachmann. Darin ist enthalten, was für die zwölf Wellnessschritte benötigt wird, die den Frauen bei „Look Good Feel Better“ gezeigt werden. Bachmann ist seit 14 Jahren als Kosmetikexpertin für die DKMS tätig. Ausgebildet ist sie als medizinische Kosmetikerin. Hauptberuflich arbeitet sie für ein Pharmazie- und Kosmetikunternehmen, für das sie auch Beratungen und Vorträge gibt. Zudem hat sie eine Ausbildung als Klinikseelsorgerin gemacht.
„Eigentlich bin ich gar kein Schminktyp, aber ich wollte heute etwas Mutiges machen“, erklärt eine der Patientinnen in der Vorstellungsrunde und ergänzt: „Ich habe nach der Chemo jetzt erst wieder sehr kurze Haare und finde mit etwas Make-Up kann man dann die Weiblichkeit doch besser betonen.“ „Ich habe mich früher eigentlich immer geschminkt, aber seit der Therapie habe ich ein vollkommen anderes Hautbild“, beschreibt eine andere. Immer wieder nicken die Frauen und stimmen sich gegenseitig zu. In dem Kurs soll es genau darum gehen: Während einer Krebstherapie können Patientinnen ihre Haare, Wimpern und Augenbrauen verlieren. Auch Hautirritationen können auftreten. Das Angebot der DKMS will Selbstbewusstsein schenken und den Frauen die Möglichkeit bieten, sich etwas Gutes zu tun. „Das Ziel ist nicht, dass sich danach alle schminken“, so Doll. „Wir möchten, dass man die Krankheit mal für zwei Stunden vergessen kann“, ergänzt Bachmann.
Im Verlauf des Kurses werden die Teilnehmerinnen immer heiterer. Wo am Anfang noch im Vordergrund stand, dass die Frauen aufgrund einer Erkrankung und deren Behandlung zusammentreffen, stehen schon nach wenigen Minuten die Weiblichkeit und das Schminken im Vordergrund. Bachmann demonstriert die Schritte der Pflege und des Schminkens – darunter die Reinigung, Serum, Concealer, Make-Up, das Schminken der Augen und der Lippen –und gibt Tipps. Immer wieder betont sie, dass jede nur die Schritte selbst anwenden soll, die ihr gut tun. Und dass es den Frauen gut tut, ist ihnen deutlich anzumerken. Sie alle verteilen Komplimente, lächeln, machen Witz und tauschen auch gegenseitig Tipps aus. Die Teilnehmerinnen verlassen den Workshop gut gelaunt und selbstbewusst.
Die Institutionen
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei ist eine internationale Organisation mit dem Ziel, weltweit so vielen Blutkrebspatienten wie möglich eine zweite Lebenschance zu geben.
Die Staufenburg-Klinik ist eine Reha-Klinik mit einem Einzugsgebiet von Freiburg bis Karlsruhe und darüber hinaus. Ein Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Onkologie. Mehr als die Hälfte der Patienten kommt aus diesem Bereich.