Stadt Kehl zieht Bilanz: 141 Stadtbäume haben den Hitzesommer nicht überlebt

Zahlreiche Bäume müssen den Herbst und Winter über gefällt werden.
Stadt Kehl- Kehl fällt ab Oktober 141 Stadtbäume – Hitze und Trockenheit ließen viele absterben.
- 50 Bäume starben an Trockenstress, 20 junge Neupflanzungen überstanden den Hitzesommer nicht.
- Nur 36 Bäume werden nachgepflanzt, bevorzugt klimaresistente Arten wie Eichen aus Südfrankreich.
- Enge Baumquartiere und Leitungen verhindern oft Standortverbesserungen, teils Planungsfehler wirkten nach.
- Bei städtischen Bauprojekten müssen weitere Bäume weichen, unter anderem am Rathaus und am Freibadgelände.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Von Oktober an müssen im Stadtgebiet 141 Bäume gefällt werden und damit 20 mehr als in den beiden Vorjahren. „Die Bäume sind abgestorben“, lautet die Diagnose des städtischen Fachagrarwirts für Baumpflege, Kevin Lösch. Die Kombination aus im wahren Wortsinn sengender Hitze und Trockenheit in diesem Sommer hat ihnen den Todesstoß versetzt, informiert die Stadt Kehl in einer Mitteilung.
In den vergangenen Jahren war die städtische Baumbilanz rein zahlenmäßig betrachtet stets positiv: So mussten 2025 118 Bäume gefällt werden, 125 wurden gepflanzt. 2026 sieht es ganz anders aus. Etwa ein Prozent des Bestandes von 20.000 bis 25.000 Bäumen in der Gesamtstadt wird in den nächsten Monaten der Säge zum Opfer fallen. „Im Vergleich zu manch‘ anderer Stadt stehen wir damit noch gut da“, konstatiert Lösch. „Ein Trost ist das trotzdem nicht.“
50 Bäume sind am reinen Trockenstress zugrunde gegangen
Im Gegensatz zu ihren Artgenossen im Wald konnten die nassen Sommer 2024 und 2025 den Stadtbäumen nicht helfen. Weil diese naturgemäß in kleinen sogenannten Baumquartieren stehen, können sie nur aus diesen eng begrenzten Flächen Wasser ziehen. „50 Bäume sind am reinen Trockenstress zugrunde gegangen“, sagt Lösch. Weitere 20 Jungbäume, die in den Jahren 2024 und 2025 gepflanzt wurden, haben den extremen Hitzesommer ebenfalls nicht überlebt.
Und das, obwohl der Betriebshof alle Anstrengungen unternommen hat, um die Stadtbäume mit Wasser zu versorgen: An zwei Tagen pro Woche fuhr der Schlepper mit dem 10.000 Liter fassenden Wasserfass jeweils sechs Touren, verteilte also 120.000 Liter pro Woche an die Bäume im Garten der zwei Ufer. Profitiert haben von den Gießaktionen auch die umliegenden Grünflächen. Insgesamt wurden die Stadtbäume, Staudenflächen und Grünanlagen wöchentlich mit 360.000 Litern Wasser versorgt.
Bei den 50 Bäumen im Alter zwischen zehn und 35 Jahren, die über den Herbst und Winter gefällt werden müssen, spielen auch „damalige Planungsfehler“ eine Rolle, weiß Lösch heute. Während Bäume in der freien Natur unter guten Bedingungen 250 bis 300 Jahre alt werden können, erreichen Stadtbäume ihr Lebensende so viel früher, weil ihre Baumquartiere viel zu beengt sind. „Standortverbesserungen sind im städtischen Kontext oft nicht möglich“, erklärt er: In den Innenstadtstraßen liegen neben Wasser- und Abwasserrohren auch Strom- und Telekommunikationsleitungen im Untergrund. Über solchen Leitungstrassen können keine Bäume gepflanzt werden, weil sie diese mit ihren starken Wurzeln beschädigen können. Wo immer es geht, versuchen der Fachagrarwirt und seine Kollegen, Flächen um Bestandsbäume zu entsiegeln und die Baumscheiben zu vergrößern, informiert die Stadt weiter.
Nur 36 Bäume werden nachgepflanzt
Bei Neupflanzungen achten Lösch und Hopp darauf, dass vor allem klimaresistentere Baumarten gefördert werden. Legte man in früheren Jahren Wert darauf, dass vor allem einheimische Bäume gesetzt wurden, zählt man heute auf Eichen aus Südfrankreich, auf italienische Erlen, Amberbäume, Feldahorn oder Tulpenbäume. Lösch hat an einem der heißesten Tage des Jahres am Marktplatz nachgemessen: Während die Umgebungstemperatur fast 40 Grad betrug, waren die Blätter zu seiner Überraschung noch viel heißer: Mehr als 60 Grad zeigte das Thermometer – „ab 61 Grad wird das Eiweiß zerstört“, weiß der Fachagrarwirt.
„Wir experimentieren viel“, sagt Jungmeister Marcel Hopp, der seine Ausbildung im städtischen Betriebshof absolviert hat. Mit Stauden als Unterpflanzung für die Bäume wird versucht, die Baumscheiben zu beschatten und feucht zu halten. So wie bei den beiden noch recht neuen Kastanien auf dem Marktplatz, deren Baumquartiere durch einen Holzzaun geschützt sind. „Die erste Unterpflanzung war nichts“, räumt Marcell Hopp ein. „Wir haben eine neue gemacht und die hat sich gut entwickelt.“
In diesem Winter sollen nur 36 größere Bäume nachgepflanzt werden. Sollte der nächste Sommer wieder heiß und trocken werden, müssen mindestens die Neupflanzungen der drei zurückliegenden Jahre mit Wasser versorgt werden. „Würden wir wieder 100 Bäume pflanzen, schaffen wir das nicht“, so Hopp.
Vor allem bei drei Bauvorhaben der Stadt lässt es sich nicht vermeiden, dass Bäume weichen müssen: Drei sind es beim Gemeindehaus in Kittersburg, wo eine neue Kita für 45 Kinder entsteht; sechs sind es im Rathausumfeld, wo der Verwaltungsneubau errichtet wird, und etwa 30 sind es auf dem Gelände des ehemaligen Kehler Freibads, wo das neue Ganzjahresbad gebaut wird.
Baumstümpfe im Garten der zwei Ufer müssen weichen
Sobald Bäume abgestorben oder so schwer geschädigt sind, dass Äste abbrechen und Menschen verletzen oder den Verkehr behindern können, muss der Betriebshof diese fällen und der sogenannten Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Das betrifft einen Pappelriesen direkt am Uferweg im Garten der zwei Ufer, bei dem ein Pilz, der Lackporling, schon seit Jahren die Wurzeln zersetzt. Aus dem gleichen Grund muss nun auch der Baumstumpf im Garten der zwei Ufer abgesägt werden, der seit April 2022 mit den von Kindern aus Schulen und Jugendeinrichtungen gefertigten bunten Nistkästen ein farbenfroher Hingucker und ein beliebtes Fotomotiv war. Von einigen Vogelhäuschen sind bereits Teile abgefallen und der Stamm ist mittlerweile so morsch, dass seine Standsicherheit ebenfalls nicht mehr gewährleistet werden kann, erklärt die Stadt.