Schocker-Aktion in Offenburg
: Peta demonstriert mit Kunstblut für den Tierschutz

Mit einer Schocker-Aktion hat die Tierschutzorganisation Peta auf dem Offenburger Lindenplatz gegen Produkte aus Angora-Wolle protestiert.
Von
Marco Armbruster
Offenburg
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Laut und mit blutigen Schilderungen protestierten Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta gegen Erzeugnisse aus dem Fell von Angora-Kaninchen. Koordinatorin Noemi Salewski (rechts) verlas eine Erklärung und rief auf, eine Petition zu unterschreiben.

Armbruster

„Stellen Sie sich vor, Sie sind an allen Gliedmaßen gefesselt. Sie können sich nicht bewegen und jemand reißt Ihnen unter Schmerzen all ihre Haare aus der Haut. Sie schreien aber niemand hört Sie“ – zum Einstieg in die Protestaktion verliest Peta-Aktionskoordinatorin Noemi Salewski am Mittwoch ein Statement. Vor ihr auf einem Tisch liegt gefesselt und mit stilisierten Wunden übersäht eine Aktivistin im Kaninchenkostüm.

Die Aktion erntet neugierige Blicke, der ein oder andere Passant bleibt stehen, mancher lässt sich einen Flyer in die Hand drücken oder sucht das Gespräch.

Die Tierschutzorganisation hatte das martialische Spektakel als Protestaktion gegen den Galeria-Konzern vor der Karstadt-Filiale am Lindenplatz angekündigt. „Obwohl über 300 internationale Unternehmen und Designer Angorawolle aus ihrem Sortiment gestrichen haben, verkauft Galeria entsprechende Produkte weiterhin“, hieß es im Vorfeld der Aktion.

Aktivisten üben scharfe Kritik an Tierzüchtern

Der Vorwurf Petas: Angora-Kaninchen würden zur Gewinnung der Wolle fixiert und unter Schmerzen geschoren – gar vom Ausreißen des Fells ist die Rede. „Viele Tiere schreien vor Angst und Qual, andere erstarren vor Schock oder erleiden durch den massiven Stress sogar Herzversagen“, schildert Salewski. „Wer Angora verkauft, unterstützt ein System, das Tiere als Rohstofflieferanten behandelt.“

Da die Schur häufig unter Zeitdruck geschehe, seien Verletzungen an der Tagesordnung. „Nach einem kurzen Leben werden die meisten Tiere im Schlachthaus getötet oder sterben zuvor, weil sie den extremen Stress körperlich nicht verkraften.“

„Galeria“ hat Angora aus dem Sortiment genommen

Doch wie sich noch im Vorfeld der Aktion herausstellte, beschuldigte Peta offenbar die Falschen. „Galeria hat keine Produkte mit Angora im Angebot und nimmt das Thema Tierwohl sehr ernst“, betonte Unternehmenssprecherin Melanie Oosterhof auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir haben dies in unseren Beschaffungsrichtlinien verankert. Seit 2023 verbietet Galeria, dass Produkte mit Angora von Lieferanten gekauft werden.“

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Das drang wiederum auch bis zu Peta durch: „Peta begrüßt ausdrücklich diesen tierfreundlichen Schritt“, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Woraufhin die Tierschützer die Aktion – die sich nun nicht mehr explizit gegen Galeria/Karstadt richte – um einige Meter verlegten. „Das Unternehmen ist mit uns in einem guten Austausch“, erklärte eine Peta-Vertreterin vor dem Termin gegenüber unserer Redaktion.

„Es gibt ganz unterschiedliche Reaktionen“, erklärte Salewski am Rande der Aktion gegenüber unserer Redaktion. „Es gibt Menschen, die haben gar kein Verständnis und andere, die sind neugierig und stellen Fragen.“ Mit der Aktion wolle man die Menschen zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten anregen.

Gegen „Speziesismus“

„Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten“, lautet das Motto der Tierschutzorganisation Peta. Sie setzt sich laut eigener Angaben gegen sogenannten Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Weitere Informationen gibt es auf peta.de.

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