Rat und Hilfe in der Ortenau
: Wenn die Schwangerschaft zur Krise wird

Ob für werdende Mütter, Eltern oder Familien – das Beratungsangebot des Sozialdienstes katholischer Frauen Offenburg/Ortenau steht allen offen.
Von
Marco Armbruster
Offenburg
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Für Schwangere oder Mütter sowie Familien mit Kindern gibt es zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten – die Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen Offenburg/Ortenau gibt Ratsuchenden Orientierung.

Marijan Murat/dpa

Sch wangere, Alleinerziehende, Väter, Paare und Familien – zur staatlich anerkannten Beratungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) Offenburg/Ortenau dürfen alle kommen, die Fragen zu Verhütung, Schwangerschaft und der Zeit danach haben.

„Wir sind da für die Ratsuchenden – von der Pubertät bis zu den Wechseljahren“, erklärt Sozialpädagogin Deborah Siegwart im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 41-Jährige berät mit ihren Kolleginnen Fatima Gonska und Susanne Grewe für den SKF rund um das Thema Schwangerschaft – kostenfrei, unabhängig von Konfession oder Nationalität, vertraulich und auf Wunsch sogar anonym.

2025 nahmen 707 Ratsuchende das Angebot der Schwangerschaftsberatung in Offenburg und der Außenstelle Haslach wahr.

Großteil der Ratsuchenden ist älter als 30 Jahre

„Die Themen sind vielfältig“, berichtet Siegwart. Der Übergang vom Paar zur Familie oder von der Frau zur Mutter werfe oft viele Fragen auf „und vielleicht auch widersprüchliche Gefühle“. Nicht jeder Schwangeren gehe es blendend, da könne es auch mal sein, dass man sich körperlich oder mental nicht gut fühlt. „Wir geben Raum, das auch zu besprechen, dass auch Negatives benannt werden kann.“ Es sei völlig normal, dass auch eine Wunschschwangerschaft widersprüchliche Gefühle auslösen könne.

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Aber die Beratung könne sich auch um ganz Praktisches drehen: „Wie kann man Sorgearbeit und Erwerbsarbeit so aufteilen, das es für alle passt?“, nennt Siegwart als Beispiel. Auch sozialrechtliche und finanzielle Fragen könnten gemeinsam besprochen werden. So geben die Beraterinnen auch Orientierung bei sogenannten familienfördernden Leistungen, wie etwa Kindergeld, Kinderzuschlag oder auch bei Bürgergeld, Unterhalt und Elterngeld.

Susanne Grewe (von links), Deborah Siegwart und Fatima Gonska beraten für den Sozialdienst katholischer Frauen rund ums Thema Schwangerschaft.

Foto: Sozialdienst

In finanziellen Notlagen können Frauen auch Beihilfen, für Schwangerschaftsbekleidung und Babyerstausstattung über verschiedene Stiftungen beantragen. „Die Zahl der frühen Schwangerschaften ist gesunken“, verrät Siegwart. So waren im vergangenen Jahr fast zwei Drittel der Ratsuchenden 30 Jahre und älter. „Ein großer Teil davon sind berufstätige Frauen oder Paare, die sich zu Themen wie Mutterschutz, Elternzeit, Elterngeld, Vereinbarung von Beruf und Kindererziehung et cetera informieren möchten.“

Beraterinnen wollen Perspektiven aufzeigen

Auch Frauen, die sich mit dem Gedanken an eines Schwangerschaftsabbruch beschäftigen, sind willkommen. „Als katholische Beratungsstelle dürfen wir keinen Beratungsnachweis ausstellen. Aber natürlich bieten wir Gespräch an“, so Siegwart. Den Nachweis müssen Frauen vorlegen, um den Abbruch nach einer mindestens dreitägigen Wartefrist vornehmen zu lassen.

„Wir zeigen Perspektiven auf, wie das Leben mit Kind sein kann. Wenn das ausgeschlossen ist, besprechen wir auch Alternativen. Zum Leben hin zu beraten sind wir unabhängig vom Träger angehalten“, erklärt die 41-Jährige. „Wie bei allen Krisen wird der Blick eng, wir versuchen dann den Druck rauszunehmen.“ Dabei sei die Beratung grundsätzlich ergebnisoffen. „Wir treiben die Frauen in keine Richtung. Wir versuchen vielmehr, Ihnen eine Entscheidung zu ermöglichen, mit der sie leben können.“

Sprachbarriere ist manchmal Thema bei der Beratung

Die Sprachbarriere sei im Beratungsalltag manchmal ein Thema. „Wir sind in der Beratung aber gut aufgestellt: Wir haben ein Dolmetscher-Telefon, das kurzfristig erreichbar ist. Zudem haben wir ein Übersetzungsgerät – das benutze ich sehr häufig“, berichtet Siegwart. Das biete eine datengeschützte Möglichkeit, mit den Ratsuchenden zu kommunizieren. Sie und ihre Kollegen planten auch immer etwas mehr Zeit ein, wenn klar ist, dass es eine Sprachbarriere gibt.

Mehr Infos zum Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen Offenburg/Ortenau gibt es auf skf-offenburg.de. Der Verein ist nur ein Träger von mehreren, die Schwangerschaftsberatung im Kreis anbieten. In Lahr etwa ist das Diakonische Werk im evangelischen Kirchenbezirk Ortenau Ansprechpartner. Einen Überblick über alle Optionen findet sich auf der Webseite des Ortenaukreises ortenaukreis.de/Lebensphasen/Geburt/Schwangerschaftsberatung.

„Welcome“

Über „Welcome – Praktische Hilfe nach der Geburt“ informiert SkF-Geschäftsführerin Angelika Eschbach im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wer sich Entlastung wünscht, kann beim Sozildienst katholischer Frauen anrufen und bekommt – ganz unbürokratisch – die Unterstützung durch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin“, erläutert sie. Die Hilfe komme einmal die Woche für ein bis zwei Stunden ins Haus und unterstütze die Familie, wie es sonst auch Familie, Freunde und Nachbarn tun würden. „Die Helfer gehen dann etwa mit dem Kleinkind spazieren, damit die Mama einfach mal etwas anderes tun kann.“ Der ehrenamtliche Dienst sei allerdings kein Ersatz für Hebammen oder andere Fachkräfte und keine Haushaltshilfe, so Eschbach.