Nach geschütztem Winterschlaf
: Ortenauer Igelretter entlassen 200 Tiere in die Natur

Die Igelrettung musste sich Ende 2024 besonders vieler Schützlinge annehmen. Für viele war es zu spät für den ungeschützten Winterschlaf – so durften sie in Gärten überwintern.
Von
Marco Armbruster
Offenburg
Jetzt in der App anhören

Einer der Schützlinge der Igelrettung Ortenau in einem geschützten Freigehege. Nach längerer Zeit in Innenräumen werden die Tiere so ausgewildert – oder auch überwintert.

Igelrettung Ortenau

654 Tiere fanden vergangenes Jahr den Weg zur Igelrettung Ortenau. Sie waren verletzt, unterernährt oder krank und wurden häufig von besorgten Bürgern in die Obhut des Vereins gegeben. 540 der stacheligen Patienten konnten rechtzeitig für den Winterschlaf in der Wildnis wieder entlassen werden.

Bei rund 200 Tieren war das nicht möglich: Um selbst ein Winterschlafplätzchen zu suchen und zu bauen, war es bereits zu kalt, teilt der Verein mit. Nachdem die Kranken genesen, die halb verhungerten wohlgenährt und die Kleinen herangewachsen waren, durften sie in den sogenannten gesicherten Winterschlaf.

Das bedeutet: rattensichere Gehege mit speziellen Schlafhäuschen, Futter und Wasser – verteilt auf zahlreiche Gärten in der Ortenau. Seit dem die Temperaturen nachts nicht mehr unter acht Grad sinken, dürfen die rund 200 Igel wieder raus in die Natur.

„Gärtner“, „Taxis“ und „Peppler“ kümmern sich

„Einige Tiere schlafen noch, die meisten sind aber ausgewildert“, berichtet Ribanna Klauschies unserer Redaktion. Sie ist bei der Igelrettung Ortenau eine sogenannte Pepplerin. Das heißt, sie nimmt sich in Schwanau geschwächten Tieren, die womöglich auch Medikamente brauchen, an und peppelt sie wieder auf. „Im Moment haben wir einen zeitintensiven Pflegeigel, zeitweise sind es bis zu drei“, verrät sie. Der kleine Hausgast lebt derzeit in einer Box, diese werde morgens gereinigt, er erhalte Futter und Medikamente – und werde sonst in Ruhe gelassen. „Igel sind keine Kuscheltiere“, betont Klauschies.

In geschützten Winterquartieren durften dutzende Igel die kalte Jahreszeit verbringen.

Foto: Igelrettung

Neben den „Pepplern“ gibt es bei der Igelrettung auch „Igelgärtner“ oder „Igel-Taxis“. Sie bieten den Tieren in ihren Gärten Obdach respektive fahren die stacheligen Patienten zur Tierärztin, mit der der Verein kooperiert, berichtet die Igelretterin. „Es gibt neun Erstversorgungsstellen, die die Tiere nach dem Fund untersuchen und die Behandlung anleihern. Dann werden die Igel an mehr als 60 Leute verteilt, die sie erst ein mal aufnehmen. Manche trauen sich nur zu Füttern, andere verabreichen auch Medikamente.“

Sogenannte Auswilderungsgärten gebe es etwa 45 in der Ortenau. Sie dienen den Igeln, die für eine Behandlung längere Zeit in Innenräumen verbrachten, um sich wieder an die Natur zu gewöhnen – oder als Quartier für den geschützten Winterschlaf.

Igeln wird dauerhaft Futter angeboten

„Die Menschen die ihre Gärten zur Verfügung stellen, werden von uns beraten. Viele sind sehr motiviert, stellen Schlafhäuschen im Garten auf und beobachten die Tiere – viele haben auch Wildtierkameras“, berichtet Klauschies. Der Verein stelle für die Überwinterung auch einige Gehege zur Verfügung – eines pro Tier, denn die seien Einzelgänger. Das kleine Schlafhaus richteten die Igel sich selbst ein, bekämen dafür das Material gestellt.

Nach dem Winterschlaf würden die Gehege geöffnet. Die Igel könnten dann auf Erkundungstour gehen und würden in der Regel immer unabhängiger, so Klauschies. Allerdings würde ihnen meist dauerhaft Essen angeboten, „da sie nicht mehr genug Insekten in der Natur finden“. Das sei ein großes Problem: „Finden sie zu wenig zu fressen, dann fressen sie irgendetwas – etwa Vogelfutter, was nicht artgerecht ist – das schwächt sie und sie werden anfällig für Parasiten.“

Obacht im Garten

„Dieses Jahr scheint die Zahl der geretteten Igel sogar noch größer auszufallen“, stellt Igelretterin Ribanna Klauschies fest. Allein in diesem Jahr seien bereits 170 Igel in die Pflege der Igelrettung übergeben worden. „Sehr viele Tiere wurden mit Verletzungen zu uns gebracht, die offenbar von Gartenarbeiten oder Mährobotern herrühren.“ Viele Tiere seien nach dem Winterschlaf auch zu dünn, wären dann tagsüber unterwegs um Futter zu finden. Andere seien in Lichtschächte gestürzt, wo sie irgendwann von den Hausbesitzern gefunden würden. Mehr Infos gibt es im Internet auf der Webseite des Vereins auf igelrettung-ortenau.de.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Samstag im kompakten Überblick.