Mehr Unfälle: So versucht die Offenburger Polizei Radfahrer zu sensibilisieren

An der Kontrollstelle am Offenburger Stadtbuckel suchten die Beamten das Gespräch mit Radfahrern - nicht wenige davon hatten zuvor eine rote Ampel ignoriert und wurden deswegen rausgewunken.
Armbruster- Polizei Offenburg sensibilisiert Zweiradfahrer – Kontrollen an mehreren Stellen am Mittwoch.
- Unfälle stiegen insgesamt um 5,4 Prozent, mit Fahrrädern um 4,7 Prozent, E-Scooter fast 90.
- E-Scooter-Unfälle häufen sich in Offenburg und Lahr, oft ohne Dritte; Manipulationen bereiten Sorge.
- Am Stadtbuckel ahndete die Polizei v. a. Rotlichtverstöße, meist mit mündlicher Verwarnung.
- Neuer Polizeipräsident Andreas Bjedov besuchte die Kontrolle und skizzierte regionale Herausforderungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Polizeipräsidium Offenburg schlägt Alarm: Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in dessen Zuständigkeitsbereich – Ortenau, Landkreis Rastatt und Baden-Baden – stieg in der ersten Jahreshälfte um 5,4 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.
Die Unfälle unter Beteiligung von Fahrrädern stiegen um 4,7 Prozent, bei E-Scootern sogar um fast 90 Prozent, während die Zahl der Unfälle mit Pedelecs um fast 16 Prozent zurückging. Im ersten Halbjahr 2026 verloren drei Fahrradfahrer und zwei Pedelec-Fahrer bei Verkehrsunfällen ihr Leben – eine Situation, die das Polizeipräsidium nicht hinnehmen will.
2026 starben bereits drei Fahrradfahrer bei Unfällen
Mit einem „Zweiradaktionstag“ sollten die Menschen am Mittwoch für das Thema Sicherheit im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Im gesamten Bereich nahmen Polizeibeamte unter Koordination der Schutzpolizeidirektion an wechselnden Kontrollstellen Radfahrer, Pedelecs und E-Scooter in den Blick.
„Wir möchten durch solche Aktionen der Öffentlichkeit deutlich machen, dass uns die Verkehrssicherheit von Radfahrern am Herzen liegt“, erläuterte Martin Plate, Chef der Schutzpolizei, beim Pressetermin am Mittwochmorgen am Offenburger Stadtbuckel. „Wenn wir etwas tun wollen gegen die Zunahme der schweren Unfälle, müssen wir bei den Zweiradfahrern ansetzen.“ Neben den Motorradfahrern seien zunehmend die E-Scooter-Fahrer die Sorgenkinder.
In Offenburg und Lahr gibt's die meisten E-Scooter-Unfälle
„Im ersten Halbjahr hatten wir im gesamten Präsidiumsgebiet bereits 122 Unfälle mit E-Scootern“, schilderte Plate – im Vorjahr seien es insgesamt 160 gewesen. 2026 verzeichnete das Polizeipräsidium allerdings noch keine Toten durch E-Scooter-Unfälle. In den Jahren 2025 und 2024 war es jeweils einer. Laut des Leiters der Schutzpolizei passieren die meisten Zwischenfälle mit den Elektroflitzern ohne die Beteiligung Dritter. Spitzenreiter bei den E-Scooter-Unfällen sind laut Plate Offenburg und Lahr, wobei es auch in Haslach zunehmend zu Zwischenfällen komme.
Sorgen bereiten den Ordnungshütern insbesondere verbotenerweise aufgemotzte E‑Scooter. „Das können die Kollegen bei einer Kontrolle nicht unbedingt sofort feststellen“, erläuterte Plate. Die Manipulation könnte mechanisch oder durch eine Änderung an der Software erfolgt sein. „Wenn wir dann auf dem Rollenprüfstand sehen, das Gerät fährt Tempo 40, 50 oder 60, dann geht es zum Gutachter.“ Das Phänomen gebe es auch bei den Pedelecs.
Viele Radler ignorieren die rote Ampel am Stadtbuckel
Während Plate mit der Presse sprach, winkten im Hintergrund Beamte in Warnwesten Radfahrer aus dem Verkehr. Vor allem sogenannte Rotlichtverstöße ahndete die Polizei am Offenburger Stadtbuckel – Radler ignorieren dort stadtauswärts offenbar regelmäßig eine rote Ampel. Ein Beamter weiter oben meldete seinen Kollegen der Kontrollstelle entsprechende Verstöße – diese wiesen die Delinquenten dann im freundlichen Ton auf ihr Vergehen hin. Bei der Gelegenheit überprüften die Beamten auch Bremsen, Licht und die allgemeine Verkehrstauglichkeit des Zweirads.
„Die Kollegen haben bisher fünf Rotlichtverstöße bei Radfahrern festgestellt und einen Autofahrer mit dem Handy am Ohr“, berichtete Kontrollstellenleiter Benjamin Schwiegershausen von der Verkehrspolizei im Gespräch mit unserer Redaktion. „Bisher war alles im Bereich der mündlichen Verwarnung.“ Eine Bilanz des „Zweiradtags“ als Ganzes wird die Polizei erst im Laufe des Donnerstags veröffentlichen.
Neuer Chef schaut vorbei
Der neue Polizeipräsident Andreas Bjedov machte sich am Mittwoch bei der Kontrollstelle am Offenburger Stadtbuckel ein Bild der Lage. Er war im August zum Nachfolger Jürgen Riegers ernannt worden, hat laut eigener Aussage aber aufgrund eines Urlaubs erst vor gut einer Woche den Dienst an der Spitze des Polizeipräsidiums Offenburg angetreten. Zuvor war er in Karlsruhe Polizeivizepräsident und Leiter des Führungs- und Einsatzstabes gewesen. „Man merkt schon, dass es hier andere Herausforderungen gibt“, so Bjedov am Rande der Kontrollen. „Hier hat man lange Wege, hinzu kommt natürlich auch die Grenznähe.“ Der neue Präsidiumschef gab sich jedoch zuversichtlich: Er sei nun dabei, sein neues Präsidium kennenzulernen – „und dann schauen wir“.