Kosten steigen immer weiter
: Ortenauer Klinik-Defizit klettert auf Rekordniveau

43,5 Millionen Euro Bilanzverlust hat das Ortenau-Klinikum 2024 eingefahren – und übertrifft damit die eigene Negativ-Marke vom Vorjahr deutlich.
Von
Marco Armbruster
Offenburg
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Auch im zurückliegenden Jahr erwirtschaftete das Ortenau-Klinikum – unser Foto zeigt die Klinik am Offenburger Ebertplatz – einen Verlust in Millionenhöhe

Armbruster

Gerechnet hatten Klinikum und Kreis für das vergangene Jahr mit einem Fehlbetrag von rund 30 Millionen Euro – im Ergebnis waren es fast 50 Millionen.

Die Abweichung hat laut Vorlage für die Sitzung des Kreistags am Dienstagnachmittag mehrere Gründe: Sie liegen in den nicht erreichten Erlösen aus der stationären Krankenhausbehandlung (minus elf Millionen Euro), den deutlich höheren Personalkosten (plus elf Millionen) sowie einem erheblich höheren Materialaufwand (plus 13,2 Millionen). Der Kreistag soll am Dienstag den Jahresabschluss feststellen.

Der auf 2025 vorzutragende Bilanzverlust summiert sich auf 43,6 Millionen Euro. Mit etwas mehr als 33 Millionen Euro hatte das Klinikum bereits 2023 den bis dahin höchsten Verlust in den vergangenen zehn Jahren eingefahren. 2022 war es ein Minus von nur 8,2 Millionen Euro gewesen.

Dabei gab es auch einige positive Entwicklungen im vergangenen Jahr: So versorgte der Klinikverbund 64 600 Patienten stationär und mehr als 188 000 Patienten ambulant. Damit lagen die Patientenzahlen mit einem Anstieg von fast sechs Prozent im stationären Bereich und mit einem Anstieg von nahezu fünf Prozent im ambulanten Bereich erstmals wieder deutlich über dem Wert des Vorjahres. Die Umsätze sind bereinigt um fast 29 Millionen Euro gestiegen – unter dem Strich reichte das jedoch nicht.

Krankenhausreform bringt wohl kaum Erleichterung

Die Personalkosten lagen trotz der Nichtbesetzung von rund 46 Planstellen höher als der Ansatz im Wirtschaftsplan. Eine auskömmliche Refinanzierung der Tariferhöhung ist laut Vorlage bislang ausgeblieben. Auch 2024 musste das Klinikum wegen steigendem Fachkräftemangel und immer noch hoher, jedoch rückläufiger Krankheitsquote auf teure Leiharbeitskräfte zurückgreifen.

Die Investitionsausgaben des Jahres 2024 betrugen fast 70 Millionen Euro. In den Ausgaben für Anlagen im Bau sind rund 32 Millionen Euro für Maßnahmen enthalten, die mit Fördermitteln des Landes bezuschusst werden. Dies sind Ausgaben für die Klinikneubauten in Achern, Lahr und Offenburg in Höhe von insgesamt rund 29 Millionen Euro sowie Ausgaben für die notwendigen Interimsmaßnahmen am Standort Offenburg Ebertplatz (drei Millionen Euro).

Neue Strukturen sollen Investitionsbedarf drücken

Das Klinikum erhofft sich von neuen Strukturen und bei reduzierten Kapazitäten ein Schrumpfen des jährlichen Investitionsbedarfs zum Erhalt der Substanz. „Für das Ortenau-Klinikum bedeutet dies, dass die ‚Spitze des Eisbergs‘ im Jahr 2024 erreicht wurde“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Echte Erleichterung werden aber wohl erst die Klinik-Neubauten bringen.

In Deutschland bestehe allerdings nach wie vor eine „desaströse Unterfinanzierung der Kliniken“, beklagt das Klinikumsvorstandstrio Claudia Bauer-Rabe, Kathleen Messer und Peter Kraemer im Geschäftsbericht des Klinikums. „Auch die Krankenhausreform wird die akuten, massiven Finanzprobleme der Kliniken nach aktuellem Stand nicht beheben. Der Bund muss deshalb jetzt schnell nachhaltige Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung der Kliniken ergreifen.“

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