IHK veröffentlicht Umfrage: Niedrigwasser im Rhein bremst auch Ortenauer Wirtschaft aus

Das Niedrigwasser im Rhein vor allem nördlich der Region - unser Foto zeigt freigelegte Felsen bei Düsseldorf - wirkt sich auch auf den Warenverkehr auf der Wasserstraße in Südbaden aus.
Federico Gambarini/dpa- Niedrigwasser am Rhein bremst Verkehr und Produktion – auch Betriebe in der Ortenau melden Probleme.
- IHK-Umfrage: Drei Viertel der 170 Firmen sind betroffen, Tendenz steigend.
- Pegel Kaub zeigte nur rund 20 Zentimeter, Schiffe laden deutlich weniger und Fahrten verteuern sich.
- Badische Stahlwerke und Hafen Kehl berichten von stark eingeschränkter Logistik und Staus im Umschlag.
- 78 Prozent melden höhere Kosten, 72 Prozent stellen Logistik um, fast jedes dritte Unternehmen drosselt Produktion.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nur noch rund 20 Zentimeter zeigte der Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz am Donnerstag – so wenig Wasser führte der Rhein laut Mitteilung der IHK Südlicher Oberrhein noch nie. Die Konsequenzen der Dürre: Höhere Kosten, Lieferengpässe, Umplanen auf Straße und Schiene für Unternehmen entlang des gesamten Rheinkorridors. Das geht aus einer bundesweiten Umfrage der Industrie- und Handelskammer hervor, die die IHK zwischen dem 29. Juli und 4. August angestrengt hatte. 170 Unternehmen entlang des Rheinkorridors haben teilgenommen.
Drei Viertel der befragten Unternehmen sind demnach vom Niedrigwasser betroffen – Tendenz steigend. Der niedrige Rheinpegel führt auch am südlichen Oberrhein zu großen Problemen. Zwar sorgen hier Staustufen für relativ stabile Wasserstände, dennoch wirkt sich die Situation flussabwärts massiv aus.
„Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bedroht unsere logistische Versorgung, da Schiffe teilweise überhaupt nicht mehr oder nur noch mit einem Bruchteil ihrer normalen Ladung fahren können", führt Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke in Kehl, in einer Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein aus.
Binnenschiffe können nur noch wesentlich weniger Fracht laden
„Als rohstoffintensives Unternehmen erhalten wir über diesen Verkehrsweg jedoch rund 60 Prozent unserer Rohstoffe. Zugleich wird die Wasserstraße für den Abtransport von circa 50 Prozent unserer Produkte genutzt“, betont Glück. Pro Monat sind das insgesamt mehr als 200.000 Tonnen. „Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene ist aufgrund fehlender Kapazitäten kurzfristig kaum möglich und treibt unsere Logistikkosten massiv in die Höhe“, so der Geschäftsführer
Volker Molz, Direktor des Kehler Hafens, ergänzt: „Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein schränkt unsere operative Leistungsfähigkeit massiv ein, weshalb wir unsere Hafendienstleistungen aktuell nicht in der gewohnten Qualität und Zuverlässigkeit anbieten können. Da die Binnenschiffe Kehl nur noch mit stark verminderter Ladung anlaufen können, staut sich derzeit der Umschlag von wichtigen Gütern im Hafenbecken.“
Durch den niedrigen Pegelstand können Binnenschiffe wesentlich weniger Fracht laden. Diese muss auf mehrere Schiffe aufgeteilt werden. Dadurch werden Transporte teurer und Unternehmen weichen vermehrt auf Straße und Schiene aus. Doch auch hier sind die Kapazitäten begrenzt.
IHK fordert Vertiefung von Flachstellen im Rhein
Dabei ist die Problematik laut IHK längst bekannt. „Seit dem letzten Extrem-Niedrigwasser 2018 ist zu wenig passiert“, sagt Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. Kurzfristig könne man auf Niederschlag hoffen, langfristig brauche die Wirtschaft am Rhein aber eine krisenfeste Wasserstraße.
Da die Transportkapazität eines Schiffes immer durch die flachste Stelle einer Wasserstraße bestimmt wird, begrenzt dieser Abschnitt die Leistungsfähigkeit des gesamten Rheinkorridors, argumentiert Wagner.
„Daher müssen die Pläne zur Vertiefung dieser Flachstellen nun unverzüglich angegangen werden“, fordert er. „Die Schaffung einer Niedrigwasser-Taskforce für den Rhein ist daher nur zu begrüßen. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in naher Zukunft wieder in die gleiche Situation geraten.“
Die Umfrageergebnisse im Detail
An der IHK-Umfrage beteiligt haben sich Unternehmen aus allen Rheinabschnitten und sämtlichen Größenklassen. Mehr als drei Viertel der teilnehmenden Betriebe stammen aus den Bereichen Logistik und Industrie. Die Ergebnisse verdeutlichen das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens: 78 Prozent der Unternehmen melden höhere Kosten. 72 Prozent müssen ihre Logistikprozesse umstellen.
Fast jedes dritte Unternehmen schränkt bereits die Produktion ein, sechs Prozent haben Produktionsprozesse gestoppt. 13 Prozent sehen die Existenz ihres Standortes gefährdet. Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei den Logistikkosten: Gut die Hälfte der Unternehmen verzeichnet einen Anstieg um mindestens 25 Prozent. Bei knapp einem Drittel sind die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen. Besonders anfällig für Einschränkungen auf dem Rhein sind rohstoff- und transportintensive Branchen.
Entlang des Flusses befinden sich bedeutende Standorte der Stahl-, Chemie-, Mineralöl- und Maschinenbauwirtschaft sowie der Getreide- und Futtermittelwirtschaft. Diese Unternehmen sind auf den zuverlässigen Transport großer Gütermengen angewiesen. Das Niedrigwasser könnte auch künftige Logistik- und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Rund ein Drittel will künftig weniger Güter mit dem Schiff transportieren lassen. Etwa ein Viertel plant, die Lagerhaltung anzupassen.