Frauenwirtschaftstage
: Drei Gründerinnen aus der Ortenau kämpfen sich zum Erfolg

Zum Start der 22. Frauenwirtschaftstage in Baden-Württemberg, berichten drei Ortenauer Gründerinnen von ihrem Weg in die Selbstständigkeit – und von den Hürden, die sie überwinden mussten, sowie der Hilfe, die sie erhielten.
Von
Marco Armbruster
Ortenau
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Frauenwirtschaftstage Ortenau o von links: Daniela Huber, Monika Bähr, Sandra Wurth, Nasanin Shahrokhi Rad und Theresia Denzer-Ursche

Wollen Frauen Mut zu sprechen (von links): Daniela Huber von der Arbeitsagentur Offenburg, Winzermeisterin Monika Bähr, Agenturschefin Sandra Wurth, Gastronomin Nasanin Shahrokhi Rad und Theresia Denzer-Urschel, Chefin der Arbeitsagentur Offenburg.

Arbeitsagentur
  • Start der 22. Frauenwirtschaftstage in Baden-Württemberg: drei Gründerinnen aus der Ortenau berichten.
  • Sandra Wurth führt eine Versicherungsagentur und Beratung in Ettenheim und wirbt für mehr Mut.
  • Nasanin Shahrokhi Rad gründete nach Elternzeit ein Café in Offenburg, unterstützt durch Gründungszuschuss.
  • Monika Bähr leitet in vierter Generation ein Weingut in Oberkirch und begegnete Vorurteilen.
  • Arbeitsagentur Offenburg bietet Angebote für Frauen, Beschäftigungsanteil von Frauen erreicht Höchststand.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sandra Wurth nahm mit 22 Jahren ihr Schicksal in die Hand: Nach ihrem BWL Studium und dem frühen Tod des Vaters stand die Ettenheimerin vor der Frage, wie es weitergeht. Den Kopf in den Sand zu stecken, kam für sie nicht infrage. Heute führt sie in Ettenheim eine erfolgreiche Versicherungsagentur sowie eine Unternehmensberatung. Sie hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, ist Expertin im Bereich Mitarbeiterführung und weiß, wofür sie steht.

Gemeinsam mit Nasanin Shahrokhi Rad, Gastro-Leiterin im Café am Eck in Offenburg, und der selbstständigen Winzermeisterin Monika Bähr aus Oberkirch ist Wurth das diesjährige Gesicht der Frauenwirtschaftstage im Ortenaukreis. Diese finden in Baden-Württemberg vom 16. bis zum 24. Oktober mittlerweile zum 22. Mal statt. Beim Pressegespräch bei der Arbeitsagentur Offenburg berichteten die Gründerinnen von ihren persönlichen Erfolgsgeschichten und Herausforderungen – von der Finanzierung über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, über Vorurteile und Ängste.

Erzieherin wird zur Winzermeisterin

Shahrokhi Rad kam mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland. Eigentlich hatte sie BWL studiert und sich nie für den Bereich Gastronomie interessiert. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich nach der Elternzeit jedoch genau in diesem Bereich selbstständig gemacht. Durch den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit Offenburg wurde sie zu Beginn unterstützt. Dennoch habe sie auch finanziell schwierige Entscheidungen treffen müssen. Mittlerweile führt sie das Café am Eck in Offenburg und setzt dabei auf ein modernes Konzept, sowie einen Bereich speziell für Familien. Auch ein Frauennetzwerk hat sich so gebildet.

Bähr wechselte vom frauendominierten Beruf der Erzieherin in den männerdominierten Beruf der Winzerin. In der vierten Generation führt sie, seit sie 26 Jahre alt, ist das Weingut Bähr in Oberkirch. „Ich musste damals mit vielen Vorurteilen kämpfen, aber es hat sich gelohnt“, erzählt sie. „Was für Männer manchmal selbstverständlich ist, da wurden Frauen in dieser Branche oft infrage gestellt“, erzählt sie.

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Arbeitsagentur bietet Unterstützung für Frauen

„Man erhält am Anfang der Selbstständigkeit Tipps, um die man nie gebeten hat“, erinnert sich 34-jährige Shahrokhi Rad. Auch Agenturchefin Sandra Wurth berichtet von ähnlichen Herausforderungen: In der Finanzwelt habe sie sich erst einmal bei den männlichen Kollegen beweisen müssen. „Jede Frau, die eine Familie gründet, ist bereits eine Unternehmerin“, so ihre Einstellung. Heute holten sich viele männlichen Kollegen bei ihr Unterstützung und Rat.

Auch Winzermeisterin Bär ließ sich nicht beirren. Zur Aufheiterung habe sie sich gerne an folgenden Spruch erinnert: „Hilflos ist der Bauer ohne Frauenpower“. Frauen könnten beides: Eine Unternehmerin sein und gleichzeitig eine Familie gründen. Das wolle sie den Frauen auf den Weg geben. Sie selbst hat zwei Kinder, die mit am Weinberg groß wurden. Bährs Engagement hat sich ausgzezahlt: Sie wurde als beste Winzerin Badens ausgezeichnet, ebenso mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württembergs.

Gründerinnen raten Frauen zu mehr Mut

Daniela Huber, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, unterstützt Frauen wie Shahrokhi Rad, Bär und Wurth mit verschiedenen Angeboten. Dazu gehört der Wiedereinstieg in den Beruf, der Qualifizierung und Weiterbildung, sie berät zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, Teilzeitausbildungen, Berufswahlverhalten. Zudem gibt es viele Veranstaltungen der Arbeitsagentur speziell für Frauen. Fürs kommende Jahr ist ein „Café-Comeback“, sowie eine Aktionswoche zur Wiedereinstiegsberatung vor Ort an den Kindertagesstätten im Ortenaukreis geplant, ebenso findet die nächste Teilzeitmesse am 16. Juni 2027 statt.

Wurth, Shahrokhi Rad und Bär raten Frauen, die Chancen, die sich so bieten, zu nutzen. „Armut kommt von arm an Mut“, betont Wurth. Sie rate deshalb allen Frauen zu mehr Mut. Shahrokhi Rad stimmt zu und betont: „Wir dürfen selbst entscheiden, wer wir sein möchten.“

Höchststand bei Beschäftigung

Mit und in Unternehmen schaffen Ortenauerinnen Arbeitsplätze und stärken die regionale Wirtschaft. Ein Beispiel dafür in Zahlen: Im Kreis würde der gesamte Gesundheitsbereich inklusive Pflege und Erziehung ohne Frauen zusammenbrechen. Hier gibt es laut Arbeitsagentur Offenburg einen Beschäftigungsanteil von rund 80 Prozent. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Frauen im Ortenaukreis ist auf einem neuen Höchststand“, berichtet Theresia Denzer-Urschel, Chefin der Arbeitsagentur. Waren es im Jahr 1999 noch 62.209 weibliche Personen, die einer Arbeit nachgingen, so sind es mittlerweile 88.193, ein Plus von rund 42 Prozent. „Fast jeder zweite Beschäftigte – rund 45 Prozent – in der Region ist weiblich“, so Denzer-Urschel.